342 Gruppe VIII.
Im 15. Jahrhundert verfertigte Giuliano in den Kirchen Italiens
viele Arbeiten mit eingelegten farbigen Hölzern. In späteren Zeiten
brachte man die Marqueterie in Florenz und Venedig auf den Gipfel
der Ausbildung. Von da kam sie nach Frankreich und Süddeutsch
land, insbesondere nach Nürnberg. Für die Zwecke der Kleintisch
lerei nannte man die Marqueteriearbeiter in früherer Zeit Schatul
lenmacher, deren Fabrikate gegenwärtig mit dem Namen der Holz-
galanteriewaaren bezeichnet werden. In diesen Artikeln (Geld-
cassetten, Schmuckcommoden, Handschuhkästchen, Schreibepulte,
Photographierahmen, Lichtschirme etc.), auf die Salons und Gast
zimmer der wohlhabenden Bevölkerung aller Erdtheile berechnet,
wetteifert Nürnberg mit Paris und Wien. Der Werth dieses Um
satzes beträgt in Nürnberg jährlich mehr als 400,000 Thlr.
Einen hervorragenden Zweig der deutschen Holzverarbeitung
bietet noch die Fabrication der sogenannten Goldleisten und
Goldrahmen dar. Für erstere bestehen grossartige Etablisse
ments in C'öln, Stuttgart, Fürth, Ulm etc. Indessen hat sich diese
Fabrication ganz besonders als Beschäftigung in Strafanstalten ge
eignet gezeigt und wird deshalb hier in grosser Ausdehnung be
trieben.
Die Fabrication hölzerner Spielwaaren blüht in Thüringen
(Sonneberg), Nürnberg, Sachsen und Württemberg. Die Fabrikanten
lassen sich die Verbesserung der Formen in den Spielzeugen und
die Beförderung des Nachdenkens, des Wissens und der Geschick
lichkeit , sowie überhaupt der körperlichen und geistigen Anlagen
der Kinder durch dieselben mehr und mehr in lobenswerther Weise
angelegen sein.
Die Fabrication der Zündhölzer hatte unmittelbar nach Erfin
dung der Reibzündhölzer auch in Deutschland einen grossen Aufschwung
gewonnen. Durch das allgemeine Steigen der Holzpreise und Arbeits
löhne ist sie jetzt aber eher in der Abnahme, als in der Zunahme
begriffen, indem ihr die Concurrenz der holzreicheren, mit einer
weniger beschäftigten Bevölkerung versehenen Länder, insbesondere
von Schweden und Norwegen eine fast erdrückende Concurrenz be
reitet. Doch bilden die Holzdrähte (aus Fichten-, Kiefern- und
Tannenholz) für die Zündholzfabriken aus dem bayerischen Walde
immer noch einen wichtigen Handelsartikel.
Eine neue und höchst zukunftsvolle Verwendung des Holzes ist
die zu Holzstoff, welcher entweder auf mechanischem Wege durch
Schleifen oder durch chemische Mittel aus verschiedenen Holzarten
erhalten, nicht nur als Lumpensurrogat in der Papierfabrication,
sondern auch als Material zur Herstellung von Pappe, künstlichem
Holz zu Decorationen, Imitationen von Holzschnitzereien, sowie ver
suchsweise zur Erzeugung von Sprengmitteln etc. grosse Mengen
von Holz consumirt. Bekanntlich ist die Holzstoffbereitung ihrer
Entstehung und Entwickelung nach ein durchaus deutsches Gewerbe.
Die Verarbeitung des Korkes, früher fast ausschliesslich in
der Heimath des Rohstoffes, in Spanien und Portugal, im südwest
lichen Frankreich, in Algier und in den istrischen und dalmatini-