Gruppe IV
Industrie der Stein-, Thon- und Glaswaaren.
In dem Gebiete der Thon- und Glaswaaren bethätigt sich eine
starke und zwar fortschreitende Bewegung. Sie ist weniger ausgesprochen
nach der idealen Seite, wo ihr der Mangel an Kunstschulen
und die unvollkommene Geschmacksbildung des Publikums
und Marktes nicht förderlich. Desto stärker treten die Bestrebungen
auf der materiellen Seite hervor: Auffindung neuer Fundorte von
Rohstoff, bessere Ausnutzung der Quellen desselben, der Brennstoffe
in erster Linie, Entwickelung des Grossbetriebs und Zuziehung
wissenschaftlicher Elemente sind die vorstechenden Momente.
Die edelste der Thonwaaren, das chinesische Porcellan,
hat ihre zweite Wiege in Deutschland gefunden. Bis in den Anfang
dieses Jahrhunderts ein blosses Attribut der fürstlichen Hofhaltungen,
entwickelte diese Industrie unter der Gunst reicher Mittel und oft
trefflicher Leitung eine sehr vollkommene Technik, merkwürdiger
Weise ganz congruent mit der bis dahin ungekannten chinesischen.
Es erfolgte nacheinander der Uebergang vom Hof- in den Staatsbetrieb
und von diesem in den Privatbetrieb. Dieser vertauschte
unter dem Einfluss der neuen Verkehrsmittel die Residenzen mit den
Localitäten der billigsten Materialien und Arbeitslöhne; er vertauschte
zuerst den Holzbetrieb mit dem auf fossile Kohlen und suchte in
der Theilung der Arbeit und der Production nach Spezialität (Fabriken
von Pfeifenstummeln, Puppenköpfen etc.) weitern Vortheil. Die
noch bestehenden Staatsfabriken, mehr zur Rolle der Versuchs- und
Musteranstalten gedrängt, boten die Hand auf dem Gebiete der
Kunstbestrebungen und der wissenschaftlichen Technik mit Erfolg.
So namentlich in hervorragender Weise die Königl. Porcellanfabrik
zu Berlin bei der neuesten Phase, welche dieser Zweig einzugehen
im Begriff steht, bei der Einführung der Gas- und Regenerativfeuerung.
Weniger tonangebend, mehr als Kunde und glücklicher Nachahmer
des Auslandes, steht Deutschland da im Fache der feinen
Fayence und des Steinzeugs, eine Wirksamkeit, die sich namentlich
bezüglich der englischen Potterie in den Anstalten von Villeroy
u. Boch centralisirt. — Im ordinairen Stein zeuge, einem in