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Full text: Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches - Wiener Weltausstellung

Gruppe IX. 
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weniger grosse Massen an Glas, als Arbeit für ihre Raffinerie er 
fordern (Kunstgläser aller Art, Perlen u. s. w.), oder in Gegenden, 
die weder Eisenbahnen, noch Wasserstrassen besitzen. Noch wich 
tiger, als die Benutzung der fossilen Brennmaterialien an sich, ist 
für die Weiterentwickelung der Glasfabrication die Einführung der 
Gasheizung. Seit den ersten Versuchen vor etwa 20 Jahren hat sie 
in der neuesten Zeit den höchsten Grad der Verwendbarkeit durch 
die Siemens’schen Regenerativeinrichtungen erlangt, deren Vorzüge 
in allen pyrotechnischen Industrien bekannt sind. Indem diese die 
Benutzung jeder Art von Brennmaterial gestatten, machen sie im 
Verein mit den Eisenbahnen die Glasfabrication völlig frei von der 
Scholle. — Beweis dafür sind die neu entstandenen Hütten der Ober 
und Niederlausitz, die mit Hülfe derselben eine für andere Zwecke 
unbrauchbare Braunkohle mit dem besten Erfolge benutzen. Im Ge 
folge der Regenerativfeuerungen hat die Glasfabrication einen weiteren 
Fortschritt von nicht geringerer Bedeutung zu verzeichnen, die Ein- 
führung eines ununterbrochenen Betriebes durch F. Siemens in Dres 
den. Nachdem vor 8 Jahren dessen Bruder H. Siemens Glas in 
einem Flammenofen mit Wanne geschmolzen hatte, ist es Jenem vor 
einigen Jahren gelungen, Wannen, wie auch Häfen, so einzurichten, 
dass darin gleichzeitig und ohne Unterbrechung geschmolzen und 
ausgearbeitet werden kann. Diese Erfindung erleichtert die Massen- 
production und vermindert die Fabricationskosten; sie wird daher 
ledenfalls einen grösseren Aufschwung des deutschen Exportgeschäftes 
'herbeiführen. Der durch das Brennmaterial und seine verschiedene 
Benutzung herbeigeführte Fortschritt in der Glasfabrication, den 
man den intellectuellen nennen könnte, lässt sich am begreiflichsten 
darlegen durch den Vergleich der früher und jetzt davon erforder 
lichen Mengen. Für einen Theil Glas waren früher nöthig 8 Theile 
Holz, 6—8 Theile Braunkohle, 3 — 4 Theile Steinkohle; jetzt in 
den Siemens’schen Oefen 1 Theil Holz, 1 Theil böhmische Braun 
kohle-, 2 Theile Lignit, 2 Theile Torf, */ 2 — % Theil Steinkohle. 
Der materielle Fortschritt ist aus der Zunahme der Glasfabriken, 
deren Zahl jetzt 250 gegen 188 in den vierziger Jahren beträgt, noch 
mehr aber daran ersichtlich, dass die nett entstandenen Geschäfte 
alle von grösserem Umfange sind, als die früheren zu sein pflegten. 
Die in Deutschland fabricirten Glasgattungen folgen nun, an 
nähernd nach den producirten Mengen geordnet, und, um das Ver- 
hältniss der Production anderer Länder zu der Deutschlands anzudeuten, 
werden die Namen der Länder nach demselben Grundsätze auf- 
gefiihrt. 
1. Tafelglas; a. gewöhnliches wird in allen Theilen Deutschlands 
erzeugt, die Hauptsitze der Fabrication sind Rheinland und 
Westfalen; diesen zunächst Schlesien. — Es bricht sich die 
rheinisch - französische Arbeitsmethode bei seiner Fabrication 
Bahn und die Canalstrecköfen mit mechanischer Greifbewegung 
zur Fortschaffung der Tafeln verdrängen die rotirenden und 
die Strecköfen älterer Construction. England, Belgien, Frank 
reich, Deutschland, b. Mousselinglas wird sehr gut hergestellt 
in Braunlage (Braunschweig).
	        
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