Gruppe XI
Papier - Industrie.
Maschinenpapier. Unstreitig gehört die Fabrication. von
Maschinenpapier zu den Industriezweigen, welche den grossartigsten
Aufschwung in Deutschland genommen haben; bis zum Jahre 1848
wurde mehr Weisspapier ein- als ausgefuhrt, heute überragt die
Ausfuhr bei Weitem die Einfuhr. Die erste Papiermaschine errichtete
im Jahre 1819 die preussische Seehandlung in Berlin, jetzt sind deren
gegen 350 im Gange und liefern durchschnittlich jede 10,000 Ctr.,
zusammen also 3,500,000 Ctr. Papier, welche bei einem Durchschnitts-
werthe von 14 thlr. für den Centner einen Werth von 50 Mill. thlr.
darstellen und gegen 35,000 Arb. beschäftigen. Diese enorme Pro
duction ist jedoch nur dadurch möglich, dass man das Papier nicht
mehr bloss aus Hadern gewinnt, —• deren man 7 Mill. Ctr. ge
brauchen würde, während Deutschland, auf jeden Kopf jährlich
5 Pfd. gerechnet, nur 2 Mill. erzeugt,'—sondern dafür Ersatzmittel
gefunden hat, worunter Holz und Stroh die hauptsächlichsten sind.
H olz Stoff al s Surrogat zur Pap ierf abricatio n. Nur
der Verwendung des Holzes als Surrogat ist es, wie erwähnt, zu
danken, dass die Erzeugung von Maschinenpapier so riesig zunehmen
konnte. Das Verdienst dieser Erfindung und ihrer practischen Ver-
werthung gebührt Herrn Heinrich Volt er in Heidenheim, der mit
seltener Ausdauer und Energie den Gedanken fasste und durchführte.
Nicht allein mit den technischen Schwierigkeiten einer zweckmässigen
Maschine zum Schleifen des Holzes hatte man anfänglich zu kämpfen,
sondern auch mit dem Misstrauen der Papierfabrikanten und der Ver
braucher, und nur der Mangel an dem gewohnten Stoffe der Hadern
und die Nothwendigkeit, zu einem Ersatzmittel zu greifen, hat hier
Bahn gebrochen. Folgende Zahlen mögen hier sprechen:
Von 1852 bis 1859 wurden von Völter ausgefuhrt 13 Holzschleif
maschinen , von 1800 bis 1866 61, und von 1867 bis 1872 138, zu
sammen 212 Maschinen, welche jährlich ungefähr 1 Mill. Ctr. Holz
stoff erzeugen. Ausser den Völter’schen Maschinen existirt aber
auch noch eine Anzahl anderer.
Während Erzeugung und Verbrauch des geschliffenen Holzes
sich zu einem Industriezweige heranbildete , kam man auch auf die
Idee, nicht allein auf mechanischem Wege, durch Schleifen, sondern
auch auf chemischem Wege diesen Papierstoff’ zu bereiten. Derselbe
wird, so dargestellt, Cellulose genannt, doch liegt diese Kunst noch
in der Kindheit, die Fabriken sind erst im Entstehen, dürften aber