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Full text: Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches - Wiener Weltausstellung

2 Gruppe I. 
No. 5. 
deter Hüttenprocesse auf Blei, Kupfer und Silber überliefert. Auf 
niedriger Stufe stand nur das Eisenhüttenwesen, welches bis zur 
Mitte des 18. Jahrhunderts wesentlich auf Rennarbeit beschränkt 
blieb und dann erst durch Anwendung von Holzkohlen - Hochöfen 
und Frischfeuerbetrieb eine grössere Bedeutung erlangte. Eine gänz 
lich veränderte Gestaltung nahm Bergbau und Hüttenwesen an, als 
mit der Einführung der Dampfmaschine der Werth der Steinkohlen 
als Brennmaterial erkannt wurde und die Anwendung wissenschaft 
licher Grundsätze Fortschritte in der Auffindung nutzbarer Fossilien, 
in der Verwendung neuer Apparate und Processe zur Verwerthung 
derselben vom Zufall unabhängig machte. Durch die Benutzung des 
Dampfes seit 1784 wurde eine beschleunigte Förderung und eine tiefe 
Wasserhaltung möglich. Der Coks - Hochofenbetrieb mit Hülfe von 
Cylindergebläsen, in Schlesien schon Ende des vorigen Jahrhunderts, 
allgemein erst um Mitte dieses Jahrhunderts benutzt , verdrängte mit 
dem sich seit 1824 ausbreitenden Puddelprocesse allmälig die Holz 
kohlen-Industrie. Der Metall-Hüttenbetrieb lernte gleichfalls sich 
der Flammöfen und der mit Coks oder Steinkohle betriebenen Schacht 
öfen bedienen. Unabhängig von der Anwendung der Steinkohle 
entstand im Eisenhüttenwesen der seit 1861 in Deutschland einge- 
fiührte Bessemer - Frischprocess und im Metallhüttenwesen der schon 
1840 in Oker eingefiührte Röstprocess behufs Gewinnung von Schwefel 
säure , ferner eine Reihe von Hüttenprocessen mit Anwendung des 
nassen Weges. 
Seit 1807 liegen die wesentlichsten Fortschritte in allen Zweigen 
des Berg-, Hütten - und Salinenwesens weit weniger in der Erfindung 
und Benutzung neuer Methoden und Apparate als in der Steigerung der 
Productionshohe. Beim Bergbau ist diese erreicht worden durch Anwen 
dung starker Maschinenkräfte und unterirdischer Maschinen, durch 
den Ersatz der Menschenkraft durch mechanische Mittel (Bohr 
maschinen, Schrämmaschinen, Fahrmaschinen); beim Hochofenbetrieb 
durch grosse Dimensionen der Oefen, reichliche Windmenge, Ver 
meidung von Stillständen; bei der Schmiedeeisen- und Stahldarstellung 
durch Ausbeutung des Bessemerns und anderer Flussstahlprocesse, 
Anwendung von Gas - und Regeneratorfeuerung für Flammöfen; bei 
dem Walzen durch Benutzung des Rückganges (Umstellung der Walzen 
und Triowalzen) für schwere Gegenstände und Benutzung sehr schnell 
laufender Walzen für schwaches Eisen. Die Metallhütten haben 
durch Vergrösserung der Oefen und der Gebläsekraft gleichfalls an 
Productionshohe gewonnen, aber das reine Ausbringen durch Bildung 
ärmerer Abgänge und Condensation flüchtiger Producte ist hier der 
Boden der hauptsächlichsten Fortschritte gewesen, welche sich nament 
lich auf die Gewinnung geringer Mengen von Edelmetallen (Zink 
entsilberung, mechanisches Pattinsoniren, Goldscheidung) beziehen. 
Bei den Salinen ist durch Benutzung einer durch Steinsalzlösung 
concentrirten Soole und durch die Einrichtung mechanischer Trocken 
vorrichtungen eine erhöhte Production möglich geworden. 
An der Steigerung der Bergwerks-, Hütten- und Salzwerks- 
Production, welche in Deutschland, wesentlich unterstützt durch die 
Ausdehnung des Eisenbahnnetzes, dem Werthe nach von 207 Millionen 
Thaler 1867 auf mehr als 250 Millionen Thaler 1871 gestiegen war,
	        
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