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mehr und mehr für besondere Richtungen entschieden. Unter diesen
glänzt oben an die Locomotivfabrication, von welcher weiter unten
genauer berichtet werden wird. Daneben haben die Appretur-
niaschinen, die Werkzeugmaschinen, die Dampfmaschinen (neuerdings
die Heissluftmaschinen), die Maschinen für Buchdruckerei, die für
Brennerei, Brauerei, Zuckerfabrication, Landwirthschaft u. s. w.,
denen sich in den letzten Jahren eine grossartige Nähmaschinen
industrie angeschlossen hat, immer im Zusammenhang mit den zu
gehörigen Triebwerken der Manufacturen, hervorragende Productions-
stätten in Berlin, so dass diese Stadt sich zu einem der bedeu
tendsten Centren deutscher Maschinenindustrie ausgebildet hat,
Ueber ganz Deutschland sind im Uebrigen Maschinenbauanstal
ten verbreitet, in abnehmendem Verhältniss nach der Nord- und
Ostseeküste zu, aber auch hier, wie überall, in lebhafter Entwicklung
begriffen. In Folge dieser sich über das ganze Reich erstreckenden
Betheiligung der Bevölkerung an der Maschinenindustrie hat diese
an Kraft und Selbständigkeit in raschem Tempo zugenommen.
Namentlich zeigen die letzten Jahrgänge, welche diejenigen der poli
tischen Kräftigung des Vaterlandes sind, eine beträchtliche Zunahme
der Maschinenindustrie. Die folgenden Zahlen geben hiervon ein
deutliches Bild. Sie stellen die im deutschen Zollverein stattgehabte
Maschinen-Ein- und Ausfuhr von 1866 bis 1871 dar.
Einfuhr: Ausfuhr: Mehreinfuhr: Mehrausfuhr:
Ctr. Ctr. Ctr. Ctr.
1866
1867
1868
1869
1870
1871
1872
226,023
226,914
217,225
292,566
287,221
315,424
663,720
144,157
209,129
280,960
411,088
422,367
482,917
771,209
81,866
17,785
63,735
118,522
135,146
167,493
107,489
Es zeigt sich hier einerseits der steigende Verbrauch an Ma
schinen auch ausländischen Ursprungs, daneben aber auch eine fort
währende Zunahme der Maschinenausfuhr. Während hiernach Deutsch
land zur Zeit der letzten Pariser Weltausstellung seinen eigenen Ma
schinenbedarf noch nicht vollständig deckte, ist es heute mit einer
nicht unbedeutenden Ziffer bereits auf dem Weltmärkte betheiligt.
Arbeitsmaschinen. Die frühesten Anfänge einer fabricato-
rischen Herstellung der Arbeitsmaschinen in Deutschland fallen in
das zweite und dritte Jahrzehnt dieses Jahrhunderts und beziehen
sich auf Maschinen der Baumwollspinnerei, deren Einfüh
rung in Chemnitz von England her im Jahre 1801 erfolgt war. Der
erste ausgedehntere Neubau solcher Maschinen (Handspinnstühle)
knüpft sich an den Namen Haubold in Chemnitz (1826). Whipper
und Schlagmaschinen wurden zuerst um 1842, Selfactors 1845 in
Chemnitz gebaut. Hieraus entwickelte sich schrittweise der Bau
von Arbeitsmaschinen für andere Zweige der Textil-Industrie, zum
Theil in Folge inländischer Erfindung wichtiger Verbesserungen,
wohin die Construction der Hartmann’schen Vorgarnkrempel für