Gruppe XIII.
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Streichgarn gehört (Sachs. Pat. v. 13. Dec. 1842), sowie die eigen
artige Entwickelung des mechanischen Webstuhls durch Schönherr
in Chemnitz seit 1836, der Tuchappreturmaschinen (Rauh- und Scheer-
masehinen) durch Thomas in Berlin seit 1845, Gessner in Aue seit
1853 und Pressprich in Grossenhain (Walzenwalke 1854), ferner der
selbstputzenden Krempel durch Schimmel, Pfaff, Wiede u. A., der
Cattundruckmaschinen, Färberei- und Appreturmaschinen durch Hum
mel in Berlin seit 1804 und Kiesler in Zittau, endlich der Stick
maschinen durch Yoigt in Kappel seit 1860. In welchem Verhält-
niss inländische und ausländische Erfinder an der Entwickelung des
Maschinenbaues für Spinnerei und Weberei auf deutschem Boden
sich betheiligten, kann aus der Notiz erhellen, dass im Königreich
Sachsen innerhalb der letzten 40 Jahre (1833—72) in Summa 878
Erfindungspatente auf Maschinen der Textilindustrie ertheilt wurden,
von denen 574 (also 65,4 Procent) auf Inländer, 304 auf Nichtsachsen
entfallen.
Der Bau der meisten Spinnerei- und Webereimaschinen concen-
trirt sich — von Mülhausen abgesehen — auf Chemnitz und Um
gegend. So lieferte die grösste dort bestehende (von Rieh. Hart
mann 1837 gegründete) Maschinenfabrik (»Sächsische Maschinen
fabrik«) in der Zeit von 1842 bis 1872 Streichgarnkrempeln 3,231
Stück, Streichgarn-Feinspinnmaschinen 1,716 Stück mit 410,242 Spin
deln, Streichgarnseifactors 560 Stück mit 200,646 Spindeln, Kamm
garnspinnmaschinen 512 mit 147,230 Spindeln, Kammgarnseifactors
167 mit 80,790 Spindeln, Baumwollseifactors 315 Stück mit 188,652
Spindeln, sowie 2,645 mechanische Webstühle. Ein andres Etablisse
ment (vormals Theodor Wiede’s Maschinenfabrik, jetzt »Dampf- und
Spinnerei-Maschinenfabrik«) lieferte bis Ende 1872 ca. 670 Spinn
maschinen mit 200,000 Spindeln, 758 Selfactors mit 276,473 Spindeln
237 Stück Walzenwalken, 4,600 Krempeln. Die »Sächsische Web
stuhlfabrik« (Louis Schönherr) hat in 21 Jahren (1852—72) 11,530
mechanische Webstühle, 2,757 Weberei-Vorbereitungsmaschinen ge
baut und versendet gegenwärtig etwa 150 Stühle monatlich. Die
»Sächsische Stickmaschinenfabrik« (gegründet von Albert Yoigt im
Jahre 1860) fertigte bis jetzt nahe 1,900 Stickmaschinen, von welcher
Zahl 529 auf das Jahr 1872 kommen.
Der Bau der Nähmaschinen — nach amerikanischen Mo
dellen — datirt vom Jahre 1854 (Moore in Berlin, Hofmann in
Leipzig, Hesse, Huber daselbst) und recrutirt seine Arbeitskräfte
zumeist aus der Classe der Feinmechaniker. Die wichtigsten Fabri-
cationsorte sind Dresden, Hamburg, Berlin, Limbach und Chemnitz
Mannheim, Frankfurt a. M., Carlsruhe. Die totale Production bis
Ende 1872 ist auf 300,000 Stück zu schätzen. Die Fabrik von Cle
mens Müller in Dresden (1856) liefert z. B. jährlich 18,000 Stück
und hat ihre Einrichtungen auf 60—80,000 Stück erweitert. Die
Nähmaschinenfabrik von vormals Frister & Rossmann in Berlin lie
ferte im vorigen Jahre 16,971 Stück und in den zwei ersten Mona
ten dieses Jahres bereits 3,610 Stück und ist auf eine Production
von 42,000 Stück jährlich eingerichtet.
Unabhängig von allen übrigen Maschinen der Textilindustrie
erfolgte die Entwicklung des Strumpfstuhlbaues. Die Einfüh-
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