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Full text: Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches - Wiener Weltausstellung

450 Gruppe XIII. 
rung des Kullirstuhls und der Bau desselben in einer eigentüm 
lichen Holzconstruction lässt sieh im obern sächsischen Erzgebirge 
bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts verfolgen; eine zuverlässige 
Schätzung ergab hier für die Zeit von 1784—1863 die Zahl der in 
Olbernhau und Umgegend gebauten Wirkstühle (Kullir- und Ketten 
stühle) zu 58,300; 1770 erfolgte die Einführung der eisernen Mecha 
nik durch Aurich in Grüna, Esche inLimbach, Ganzauge in Zeulen 
roda; 1853 erfand Heinig in Neukirchen seine die früheren Hand 
decker ersetzende Mindermaschine, welche für reguläre Kullirwaare 
den Handstuhl mit den mechanischen Wirkstühlen concurrenzfähig 
erhält; 1842 kamen die ersten (englischen) Rundstühle nach Stoll- 
berg, deren Nachbau jedoch erst um 1850 in Limbach, Stollberg, 
Mitweida bei Schwarzenberg und Chemnitz begann. Ausser an die 
sen Orten werden seit 1862 in Stuttgart (durch Stückler & Terrot) 
Rundstühle gebaut. 
Eine noch weiter zurückreichende Entwicklungsgeschichte hat 
der Bau der sogen. Bandmühlen, einer Art mechanischer Web 
stühle, auf denen schmale Bänder in grösserer Anzahl neben ein 
ander fabricirt werden. Dieselben wurden zu Anfang des 17. Jahr 
hunderts (unter dem Namen lint-molens) aus Holland eingeführt, 
1685 durch ein Kaiserliches Commissions-Decret verboten, 1718 aber 
mals (zuerst in Charlottenburg) eingeführt, 1765 durch Kurfürstliches 
Rescript in Sachsen ausdrücklich wieder zugelassen. Die Herstellung 
dieser und anderer für Posamentierarbeiten bestimmter Maschinen 
(Klöppelmaschinen) erfolgt innerhalb kleinerer Werkstätten besonders 
in Berlin, sowie in und um Annaberg in Sachsen. 
Für den Bau der in der Papierfabricatio n erforderlichen 
Maschinen hat das Ausland (insbesondere die Schweiz) nachhaltiger 
concurrirt, als für die Maschinen der Textilindustrie; zwar ist die 
Herstellung der Maschinen zur Reinigung und Zerkleinerung der 
Hadern, besonders der Holländer, von vielen Maschinenfabriken unter 
nommen worden, aber der Bau der eigentlichen Papiermaschine für 
endloses Papier blieb lange Zeit nur Gegenstand vereinzelter Ver 
suche. Zur Spezialität ist derselbe auch jetzt erst nur für ein ein 
ziges Etablissement geworden (Golzern bei Grimma in Sachsen). 
Als ein besonders wichtiger, durchaus auf deutschem Boden zur Ent 
wicklung gelangter Zweig ist jedoch zu verzeichnen der Bau der zur 
Darstellung von Papierstoff aus Holz dienenden Maschinen, 
deren Erfindung und glückliche Ausbildung das Verdienst Heinr. 
Völter’s in Heidenheim a. Brenz ist und deren Ausführung grossen- 
theils durch Gebr. Decker & Co. in Cannstadt erfolgte. Solcher 
Apparate waren bis Ende 1872 in Europa 212, in Nordamerika 150, 
zusammen also 362 Stück zur Aufstellung gelangt, die eine Betriebs 
arbeit von ca. 22,000 Pferdestärken erfordern und täglich etwa 6,000 
Centner Stoff zu produciren vermögen. In Deutschland sind zur 
Zeit 77 Völter’sche Apparate im Gang, ungezählt die verschieden 
artigen Imitationen derselben. 
Für den Bau der Buchdruckerei-Maschinen ist Deutsch 
land ein classischer Boden. Der Erfinder der Schnellpresse Fr. König, 
welcher 1814 in London die ersten Druckmaschinen zum Druck der 
„Times” erbaute, gründete 1817 in Kloster Oberzell bei Würzburg
	        
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