452 Gruppe XIII.
Berlin, Mannhardt in München, Henschel in Cassel waren diejenigen
Firmen, die zuerst in diesem Gebiete sich Ruf erwarben. Die zweite
Periode der Entwickelung, in welcher der blosse Nachbau fremder
Muster aufgegeben wurde und statt dessen eine selbstständige
Entwickelung eigenthümlicher Maschinen in den Vordergrund trat,
datirt vom Jahre 1852, wo mehrere Chemnitzer Maschinenfabrikanten
mit Energie und Glück sich ausschliesslich dem Werkzeugmaschinenbau
zuwendeten. Seit dieser Zeit ist Chemnitz für alle Länder
Europa’s lieferungsfähig geworden, wie auch für Südamerika, Aegypten
u. a. m. Stützte sich anfangs der Werkzeugmaschinenbau auf
den Bedarf der Fabriken für Arbeitsmaschinen der Textilindustrie
und für Dampfmaschinen, so verdankt er seine eigentliche überraschende
Blüthe in den letzten Jahrzehnten vornämlich der grossartigen
Ausbildung der Verkehrsmittel, insbesondere dem Bedarf der
Eisenbahnen an Locomotiven und Fahrzeugen aller Art. In neuester
Zeit sind auch die Gesehützbearbeitungsmasehinen von einiger Wichtigkeit
geworden, von denen Chemnitz eine erhebliche Zahl an die
grossen Fabriken gussstählerner Geschütze in Westfalen, an die
Königlich preussischen Geschützwerkstätten, an die Kaiserlich russischen
Arsenale und Marine-Etablissements, nach Italien, Serbien etc.
geliefert hat. Die Gesammtproduction der » Chemnitzer Werkzeugmaschinenfabrik«
(Joh. Zimmermann) belief sich am Ende d. J. 1872
auf 10,000 Stück, die der »Sächsischen Maschinenfabrik « (Rieh.
Hartmann) auf 2,645 Stück Werkzeugmaschinen aller Art.
Nächst Chemnitz sind Graffenstaden und Mülhausen, sowie
Berlin, Offenbach a. M. (Gehr. Schmaltz), Stuttgart, Carlsruhe,
Hamm in Westfalen, Aue bei Schneeberg für die Werkzeugmaschinenfabrication
von Bedeutung. J. Banning in Hamm lieferte bis
jetzt 350 St. Dampfhämmer von 2 bis 120 Ctr. Bärgewicht.
Kircheis in Aue (seit 1863) ist Spezialist für Blechbearbeitungsm
aschinen, deren allein im J. 1870 642 Stück geliefert
wurden.
Eine specifisch deutsche Spezialität ist die Fabrication der
Prägmaschinen mit Hebeldruck durch Uhlhorn in Grevenbroich;
i. J. 1818 lieferte Dietrich Uhlhorn die erste Maschine dieser
Art an die Düsseldorfer Münze als Ersatz für eine gebrochene
Schraubenprägmaschine französischen Ursprungs. Gegenwärtig sind
175 Exemplare in 23 Staaten Europa’s und mehreren aussereuropäisch'en
Ländern zur Fabrication der Münzen in Gebrauch, als das
anerkannt bewährteste maschinelle Hülfsmittel der Münztechnik.
In den letzten Jahren macht sich im Werkzeugmaschinenbau
Deutschlands der Einfluss nordamerikanischer Vorbilder bemerklich,
insbesondere bezüglich der Holzbearbeitungsmaschinen.
Feuerspritzen. Die Herstellung der Pumpen, Gebläse und
Ventilatoren hat sich zur Zeit noch nicht in erkennbarerWeise von
dem Zweige der Dampfmaschinen- und Werkzeugmaschinen-Fabrication
abgelöst; wohl aber sind für die Fabrication von Feuerspiitzen
selbständige und zum Theil recht bedeutende Fabriken
entstanden in Dresden, Heidelberg, Aachen, Stuttgart und Berlin.
Die Herstellung der Dampffeuerspritzen blieb zeither eine vereinzelte
Erscheinung in Chemnitz und Berlin.