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Full text: Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches - Wiener Weltausstellung

Gruppe XIII. 
453 
Manometer, Gaszähler etc. Die zur Beobachtung von 
Dampfdruck, Geschwindigkeit, Betriebskraft etc. an Maschinen 
anlagen erforderlichen Instrumente, die Anfangs vom Ausland be 
zogen, gelegentlich auch in den Maschinenfabriken selbst angefertigt 
wurden, eignen sich ihrer Feinheit wegen sehr gut zur fabricativen 
Herstellung in besonderen Werkstätten. So entstanden für Fe der- 
manometer in den letzten 20 Jahren schwunghaft betriebene 
Fabriken in Berlin und Magdeburg, von denen die grösste (Schaffer 
& Budenberg in Buckau - Magdeburg) bis Ende 1872 allein 235,000 
Stück geliefert hat. Die in Deutschland bestehenden gesetzlichen 
Bestimmungen über Anlage der Dampfkessel, nach denen jeder 
Kessel mit wenigstens einem Manometer versehen sein muss, 
waren der Entwickelung dieses Fabricationszweiges besonders 
günstig. Eine ähnliche Bedeutung hat die Fabrication der Gas 
zähler und Wassermesser (in Berlin, Dresden u. a. O.) er 
langt; von letzteren lieferte das eine Etablissement Siemens & Halske 
in Berlin bis Ende 1872 11,060 Stück einer eigenen Construction. 
Dagegen ist die Herstellung von Geschwindigkeitsmessern und Dyna 
mometern bislang nur Gegenstand vereinzelter Unternehmungen von 
geringerer Bedeutung geblieben. 
Locomotiven und Eisenbahnwagen. Zur Zeit der 
ersten Entwickelung des Eisenbahnwesens in Deutschland, Ende der 
dreissiger und Anfang der vierziger Jahre, mangelte es im Inlande 
an Fabriken für die Ausrüstung dieses neuen Verkehrsmittels, ins 
besondere fehlte es gänzlich an Anstalten für den Bau der Loco 
motiven , welche daher zunächst ausschliesslich vom Auslande, 
speziell von England und Amerika bezogen werden mussten. Bald 
indessen fanden sich Männer, welche es unternahmen, diese Lücke 
auszufüllen; unter diesen ist besonders August Borsig zu nennen, 
dessen eminent practischer Geist einen durchgreifenden Einfluss auf 
die Entwickelung dieses Industriezweiges in Deutschland gehabt hat. 
Borsig ging von dem Grundsätze aus, dass er vor allen Dingen sich 
volles Vertrauen für sein Fabrikat erwerben müsse, und scheute 
deshalb keine Anstrengung, um seine Locomotiven in Arbeit und 
Material vollendet gut und zuverlässig herzustellen. Ein grosses 
Eisenhüttenwerk, welches (eine fast märchenhaft^ Erscheinung) jahre 
lang unmittelbar vor den Thoren Berlins florirte, verdankte sein 
Entstehen lediglich dem eisernen Willen dieses Mannes, der, weil 
ihm der Bezug von Kesselblechen, Achsen und anderen Eisentheilen 
aus fremden Werken nicht genügende Garantie bot, dieselben unter 
seinen Augen gefertigt wissen wollte. Solche Thatkraft war natür 
lich durch grosse Erfolge gekrönt , aber dies erwähnen wir nur bei 
läufig ; dagegen soll hervorgehoben werden, welchen ausserordentlich 
nützlichen Einfluss gerade diese Art zu arbeiten, auf die deutsche 
Loeomotivfabrication im Allgemeinen ausübte. 
Durch die bald allgemein anerkannte Vorzüglichkeit der Borsig- 
sehen Arbeit wurde jede, auch die inländische Concurrenz so laime 
zurückgedrängt, bis sie sich entschloss, die gleiche Güte der Arbeit 
zu erstreben; und damit ist dann dieser Industriezweig in Deutsch-
	        
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