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Full text: Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches - Wiener Weltausstellung

454 Gruppe XIII. 
land zu hoher Blüthe gelangt, so dass er seit lange nicht nur den 
einheimischen Markt deckt, sondern auf neutralem Gebiete siegreich 
mit dem Auslande, namentlich mit England, concurrirt. 
Gegenwärtig existiren grössere Locomotivfabriken in Königs 
berg, Elbing, Stettin, Berlin, Hannover, Chemnitz, Cassel, München, 
Carlsruhe, Esslingen, in Graffenstaden und Mülhausen, welche zu 
sammen jährlich mehr als 1,000 Locomotiven im Werthe von etwa 
50 Millionen Mark zu liefern vermögen. 
Als Beispiel für die Erheblichkeit des Exportes führen wir noch 
an, dass das Borsig’sche Etablissement in den sechs Jahren seit dem 
1. April 1867 bis zum 1. April 1873 überhaupt 1,031 Locomotiven 
lieferte, davon circa 300 nach Russland und 30 nach Oesterreich, 
Holland und Java. 
Eine nicht geringere Entwickelung hat die Fabrication der 
Eisenbahnwagen genommen. 
In der ersten Zeit wurden die Wagen, abgesehen von Achsen, 
Rädern, Federn u. s. w. im Allgemeinen aus Holz hergestellt, dessen 
Verbindungen durch Winkel und Bolzen gesichert waren. Allmälig 
ist an die Stelle des Holzes immer mehr das Eisen als Construc- 
tionsmaterial getreten, besonders werden die Untergestelle schon 
bei einer grossen Zahl Bahnen ganz aus Fafon-Eisen construirt, 
wodurch deren Dauer und Stabilität wesentlich erhöht ist. 
Ein besonderer Fortschritt , welchen die deutsche Industrie für 
sich in Anspruch nehmen darf, liegt in der massenhaften Verwen 
dung des Gussstahls in Stelle des Eisens. Es war eine kühne Idee, 
das Eisen durch ein Material verdrängen zu wollen, welches zu jener 
Zeit etwa den sechsfachen Preis desselben hatte und bis dahin nur 
in verhältnissmässig kleinen Dimensionen hergestellt wurde. Werner 
in Carlswerk bei Neustadt-Eberswalde war der erste, welcher guss 
stählerne Eisenbahnwagen-Achsen in vorzüglicher Qualität lieferte. 
Krupp in Essen ersann ein sinnreiches Verfahren zur Herstellung 
gussstählerner Radreifen und Meier in Bochum goss vortreffliche 
gussstählerne Scheibenräder in einem Stück. Diese drei Erfindun 
gen, welche die ausgedehnteste Anwendung gefunden und auf vielen 
Bahnen das Eisen fast verdrängt haben, bezeichnen einen grossen 
Fortschritt in der Sicherheit, Dauerhaftigkeit und Leistungsfälligkeit 
der Wagen, und selbst auch für die Annehmlichkeit des Reisens, was 
Diejenigen schätzen werden, welche sich noch der Zeiten entsinnen, 
wo in Folge Ausnutzung der eisernen Radreifen häufig das Rasseln, 
Stossen und Schwanken der Wagen das Reisen zu einer peinvollen 
Anstrengung machte. Auch in der Bequemlichkeit der Personen 
wagen sind grosse Fortschritte gemacht. Im Gegensatz zu den ganz 
und halb offenen Personenwagen III. Classe der ersten Periode ist 
man jetzt bemüht, selbst die Wagen IV. Classe mit einer guten 
Heizung für den Winter und mit Beleuchtung für die Nacht aus 
zurüsten. 
Zahlreicher noch als die Locomotivfabriken sind die Eisenbahn 
wagen-Fabriken über ganz Deutschland verbreitet. Ausser an den 
schon genannten Orten, wo jene existiren (Chemnitz ausgenommen), 
finden sich grössere Wagenfabriken noch in Greifswald, Görlitz,
	        
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