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Full text: Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches - Wiener Weltausstellung

500 Gruppe XIV. 
physikalische und chemische Apparate), Muskau in Schlesien (che 
mische Apparate), Nürnberg (Reisszeuge, Waagen, Gewichte, mathe 
matische und optische Instrumente), Rathenow (Optik), Stuttgart 
(mathematische Instrumente, Telegraphenapparate), Wetzlar (Optik). 
Dieser Industriezweig ist hiernach jetzt über ganz Deutschland aus 
gebreitet. Während anfänglich der Bedarf von mathematischen etc. 
Instrumenten und Apparaten in Deutschland nur gering war, und 
grösstentheils vom Auslande bezogen werden musste, gehen jetzt die 
deutschen Instrumente und Apparate ins Ausland, haben bei allen 
Culturvölkern Ruf und werden gesucht. Man findet in Russland 
nur deutsche Instrumente, auch beziehen Italien, Spanien, Schweden 
dergleichen, besonders stark ist der Export nach Nord- und Süd 
amerika, West- und Ostindien und Australien; ja selbst von Japan 
gehen bedeutende Aufträge ein. Deutschland kann jetzt mit allen 
Culturländern in diesem Zweige der wissenschaftlichen Instrumente 
;n die Schranken treten. 
Von den drei Kategorien von Zeitmessern, welche 
zum privaten, häuslichen und öffentlichen Gebrauche dienen, zeigt 
blos die Fabrication der Zimmeruhren eine hervorragende Entwick 
lung in Deutschland und beschränkt sich dieselbe im Wesentlichen 
auf das Hochplateau des südlichen Schwarzwaldes. Die ersten An 
fänge dieser Industrie leiten sich genau 200 Jahre zurück, doch 
greift dieselbe erst am Anfänge des 18. Jahrhunderts mächtiger um 
sich. Es werden daselbst gegenwärtig alle Arten von Zimmeruhren 
verfertigt, die einfachsten im Werth von kaum 1 Thaler bis reichsten 
und complicirtesten im Werth von 100 Thaler und mehr. Ursprüng 
lich reine Handindustrie, hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehn 
ten ein mehr fabrikmässiger Betrieb auszubüden begonnen. Der 
Hauptsitz der Fabrication ist der badische Schwarzwald, beiläufig 
innerhalb der Orte Triberg, Lenzkirch, Villingen. Es sind 
daselbst gegenwärtig 1429 selbständige Uhrmacher mit 7526 Gehülfen 
etablirt. Im Jahre 1871 wurden 1,800,000 Stück Uhren verfertigt, 
wovon 100,000 Stück feinere, im Gesammtwerth von ca. 5 Millionen 
Thaler. Auf dem angrenzenden württembergischen Theil des 
Schwarzwaldes, zwischen Schramberg und Schwenningen arbeiten 
ca. 350 Meister mit 900 Gehülfen. Das Erzeugniss des Schwarz 
waldes verbreitet sich über die ganze bewohnte Erde. Als eine be 
sondere Gattung von Uhren sind noch die Spieluhren, in grösseren 
Ausführungen Musikwerke oder Orchestrion genannt, namhaft zu 
machen. In deren Verfertigung sind auf dem badischen Schwarz 
wald 32 Meister mit 224 Gehülfen thätig und vollendeten dieselben 
im letzten Jahre 284 Orchestrion. Dieselben stehen im Preise von 
500 bis 12,000 Thaler. Sie gehen vorzugsweise ins Ausland, beson 
ders nach Russland und Amerika. —■ Von Zimmeruhren wird eine 
feinere Sorte, die sogenannten Regulateure, in nennenswerthem 
Grade noch in Freiburg in Schlesien und in Glashütte bei Dresden 
gefertigt; die Gesammtfabrication beträgt ca. 5000 Stück des Jahres. 
—■ Die Taschenuhren-Fabrication ist äusserst geringfügig in Deutsch 
land verbreitet; sie beschränkt sich im Wesentlichen auf Glashütte 
bei Dresden mit einigen Etablissements und Freiburg in Baden mit
	        
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