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Full text: Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches - Wiener Weltausstellung

Gruppe VVII 
Marinewesen. 
Schiffahrt und Schiffbau Deutschlands entwickelten sich zu be 
deutendem Umfange mit dem Emporblühen des Hansabundes, mit 
dem Verfalle desselben sanken sie ungemein und fristeten nach dem 
Untergange desselben, gehemmt durch die prohibirenden Gesetz 
gebungen der anderen Mächte und die Zerrissenheit des eigenen 
Vaterlandes, nur ein untergeordnetes Dasein, wenngleich später die 
drei Hansestädte Hamburg, Lübeck, Bremen immerhin noch ziemlich 
lebhaften Seehandel trieben und es namentlich von Seiten des Kur 
fürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg nicht an Aufmunte 
rungen aller Art fehlte. Viel trug zum Verfall dieser Industriezweige 
nach dem Falle der Hansa der gänzliche Mangel einer Kriegsmarine 
bei und wenngleich von dem vorgenannten hrandenburgischen Re 
genten auch in dieser Beziehung entsprechende Anstrengungen ge 
macht wurden, so konnte weder in der kurzen Zeit seiner Regierung, 
noch mit seinen geringen Mitteln eine wirklich ausgiebige Hülfe 
geschaffen werden und selbst das von ihm Geschaffene wurde nach 
seinem Tode durch Verkauf beseitigt. Die später folgenden jahre 
langen Kriege hemmten diese Industrie, die in Folge der franzö 
sischen Revolution entstandenen Kriege vernichteten sie fast gänz 
lich. Sehr langsam begann nach Beendigung der Freiheitskriege die 
Hebung der Schiffahrt und des Schiffbaues, namentlich in den Ost 
seehäfen Deutschlands, erst vom Jahre 1825 ab ist eine lebhaftere 
Zunahme wahrzunehmen, der wirkliche Aufschwung datirt von der 
Gründung des Zollvereins. 
Nach Beendigung des Krimkrieges nahmen Schiffahrt und Schiff 
bau Deutschlands einen ausserordentlichen Aufschwung, doch hat 
dieser für den Schiffbau jetzt einem weniger regen Betriebe Platz 
gemacht. Der Grund hierfür liegt in der vollständigen Umwande 
lung der Schiffahrtsverhältnisse. Während nämlich bis zum Jahre 
1850 die Schiffahrt ausschliesslich mit Segelschiffen betrieben wurde, 
die sämmtlich aus Holz erbaut waren, begann vom genannten Jahre 
ab die Dampfschiffahrt der Segelschiffahrt Concurrenz zu machen. 
Zunächst geschah dies allerdings nur in sehr bescheidenem Verhält 
nisse da die Unvollkommenheit der Dampfschiffe und ihrer Rad 
maschinen die Betriebskosten so hoch spannte, dass die Verwendung 
nur eine sehr beschränkte sein konnte. Nachdem aber die Maschinen 
mehr und mehr vervollkommnet, die Räder durch die Schraube, die 
hölzernen Schiffskörper durch eiserne ersetzt wurden, ist das Dampf-
	        
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