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Erziehungs-, Unterrichts- und Bildungswesen.
Die reiche Gliederung des Unterrichtswesens im Deutschen
Reiche datirt erst aus unserem Jahrhundert, seit der Wiederherstel
lung des £ riedens nach den französischen Kriegen, und sie hat ihr
Ziel noch lange nicht erreicht. Sie fand aus den vergangenen Jahr
hunderten ein bedeutendes Material vor, das sie nach dem Sinn und
den Bedürfnissen der neuen Zeit'formte und weiter bildete: die Uni
versitäten, deren das Deutsche Reich 21 besitzt und die zum grossen
1 heil eine ruhmreiche Vergangenheit damals schon durchlaufen
hatten, und zahlreiche lateinische Schulen, Lyceen, Gymnasien.
A on den 208 Gymnasien und 40 Progymnasien des heutigen
Preussen bestanden 140 schon vor dem laufenden Jahrhundert, von
den 17 Gymnasien des Königreichs Sachsen 10, von den 28 huma
nistischen Gymnasien Bayerns 18, von den Wiirttembergischen 7 Gym
nasien 4 u. s. w. Einige dieser Schulen, wie Fulda, Münster, Osna
brück, Breslau, Naumburg, das Köllnische Gymnasium in Berlin,
Zwickau, Marienwerder, Nördlingen gehen bis tief ins Mittelalter
zurück; die meisten aber (wenigstens 105) unter den zahlreichen
heute noch blühenden deutschen Gymnasien sind im Laufe des löten
Jahrhunderts von Fürsten und Magistraten gegründet, ein Zeugniss
der geistigen Bildung und des Bildungsbedürfnisses, die in Deutsch
land mit der classischen Literatur, mit den Religionskämpfen und
der Anwendung der Buchdruckerkunst erwachten. Das 17. Jahr
hundert rief abermals 53 derartige Bildungsanstalten in das Leben,
trotz der Verwüstung Deutschlands durch den 30jährigen Krieg;
ärmer an Neustiftungen ist das 18. Jahrhundert, es bringt deren
nur einige und zwanzig hervor. Eine neue hochproductive Zeit für
Gymnasialwesen bringt erst unser Jahrhundert nach Wiederherstel
lung des Friedens. Die Gymnasien erweitern von da ab ihren Lehr
stoff und erstreben eine gleichmässige harmonische Ausbildung auf
Grund der classischen Studien. Das Deutsche Reich zählt 380 Gym
nasien, Progymnasien und Lyceen, ungerechnet 156 lateinische Schulen
in Bayern und Württemberg.
In den dreissiger Jahren macht sich ein bis dahin ungekanntes
Bedürfniss, namentlich im Bürgerstande tief empfunden, geltend,
nach realer und fachniässiger Bildung; es entstehen die höheren
Bürger- und die Realschulen in grosser Zahl. Es war 1832, da in