18 Gruppe I.
No. 42. 43.
Bleierze geführt, jetzt hauptsächlich auf Kupfererze und Schwefelkiese.
1872 betrug die Förderung mit 237 Arb. 422,000 Ctr.
Hütten. Die frühere Röstarbeit in freien Haufen ist seit 1840
durch die Röstung (mit Schwefelsäuregew.) in Kilns und 1872 in
Kiesbrennern verdrängt.
Das durch Schmelzung der gerösteten Erze und des erhaltenen
Steines in Krummöfen gewonnene Kupfer ist früher durch Saigerarbeit
, wird seit 1858 durch Schwefelsäure entsilbert und auf Vitriol
verarbeitet. Das güldische Silber wird seit 1838 geschieden. 1872
ist eine Kochsalzröst- und Extractionsanstalt für Kupfer- und Silbergewinnung
erbaut und 1873 in Betrieb gesetzt worden. Der Werth
der gewonnenen Producte betrug 1872 709,000 thlr., — darunter
gegen 20,000 Ctr. Kupfervitriol und 8 Ctr. güldisches Silber.
No. 42. Königliche Friedrichshütte bei Tarnowitz. Die Hütte
verarbeitet hauptsächlich die Erze der fiscalischen Friedrichsgrube
und die von den Galmeigruben im reservirten Felde derselben gelieferten
Bleiglanze. Ueber die Geschichte der Grube vergl. 1. Gruppe:
Oberschlesien (Seite 5).
Die Friedrichshütte ist 178G von Wedding gebaut. Die Niederschlagsarbeit
wurde bis 1862 in Schachtöfen getrieben, dann wurde
die Flammofenarbeit eingeführt und 1870 wesentlich verbessert. Die
Rückstände werden seit 1872 in freistehenden 3 förmigen Schachtöfen
verschmolzen. Schon 1837 wurde der Crystallisationsprocess
versucht, aber erst 1861 eingeführt. Karsten hatte hier die Zinkentsilberung
erfunden, aber auch diese fand erst 1869 betriebsmässige
Einführung und wird jetzt durch Zinkgewinnung aus dem
reichen Zinkschaum, für die eine besondere Destillationshütte gebaut
ist, vervollkommnet. Die Friedrichsgrube förderte 1872 mit ca.
690 Arb. 217,000 Ctr. Erze, die Hütte stellte in 7 Flammöfen,
5 Schacht- und 2 Treiböfen, Zinkentsilberungs-Anstalt etc. 115,000
Ctr. Blei, 21,000 Ctr. Glätte und 122 Ctr. Silber dar.
No. 43. Die Königlich Sächsischen Hüttenwerke zu Freiberg in
Sachsen. In dem Gneiss des Sächsischen Erzgebirges treten silbererzführende
Gänge mit Bleiglanz, Schwefelkies, Blende, Kupferkies etc.
auf, welche bereits seit sieben Jahrhunderten Gegenstand des Bergbaues
sind. Ihre grösste Entwickelung erlangen dieselben bei Freiberg,
wo über 800 derselben in 4 Zügen sich auf mehr als 6 Meilen
Länge erstrecken. Die Erze werden mechanisch aufbereitet und
dann durch Röstreductionsarbeit auf silberhaltiges Blei und Kupferstein
verarbeitet. Aus dem ersteren wird das Silber durch Pattinsoniren
gewonnen, während der Kupferstein der Entsilberung durch
Schwefel unterliegt. Als Nebenproducte fallen Schwefelsäure, arsenige
Säure, Zink, Kobalt, Nickel und aus dem güldischen Silber
wird auch Gold gewonnen.
Der Bergbau ist einer der ältesten Deutschlands und hat
wahrscheinlich 1169 begonnen , kam durch die Einwanderung von
Harzer Bergleuten 1181 in grosse Blüthe, wurde durch die Freiberger
Bergordnung 1294 geregelt. Der tiefe Fürstenstolln hatte schon 1384
eine Länge von 2000 Lachter. Durch den 30jährigen Krieg erlitt der
Bergbau harte Schläge und konnte nach demselben sich nur langsam