Während früher die Cnltur des Hopfens an einzelnen Stangen
allgemein üblich war, beginnt in jüngster Zeit die Cultur an otössc-
ren mit Draht bespannten und mit Leitschnüren für die rfopfen-
ranken versehenen Gerüsten sich immer mehr zu verbreiten. Das
Trocknen des Hopfens geschieht meist noch ohne Anwendung künst
licher Wärme, auch ist das Schwefeln und Pressen des Hopfens bei
Weitem nicht allgemein eingeführt. Die Preise des Hopfens sind je
nach dem Ausfall der so sehr vielen Wechselfällen unterworfenen
Ernten und der Qualität sehr verschieden und schwankten z. B. in
Spalt pro Ctr. von 583 Mark im Jahre 18G0 his zu 111 Mark im
Jahre 1855. Nürnberg ist im Laufe der Zeit der Hauptmarkt des
ganzen deutschen Hopfenhandels geworden; alle deutschen Hopfen
gebiete, sogar Brabant, Frankreich und Amerika, suchen für den
Absatz ihrer Erzeugnisse den Nürnberger Markt. Man kann den
durchschnittlichen Betrag der Summe, die der Hopfenhandel in Nürn
berg und Fürth in Umlauf setzt, auf 60 — 70 Mill. Mark schätzen.
Flachs und Hanf. Der Anbau des Flachses und des
Hanfes ist in Deutschland seit den frühesten geschichtlichen Zeiten
verbreitet. Durch die Baumwolle zeitweilig eingeschränkt, zur Zeit
der Continentalsperre mehr ausgedehnt, dann wieder recht gesunken,
um in den letzten Zeiten mehr gefordert zu werden, ist der über
den sämmtliehen Bedarf hinausgehende Flachsbau jetzt vorzugsweise
betrieben in Schlesien, Westfalen, Hannover, Rheinprovinz. Der
Hanfbau vorzugsweise in Baden und im Eisass.
Es sind in Deutschland jährlich bebaut mit Flachs und Hanf
ca. 5 % des Ackerlandes. Importirt werden jährlich für ca. 15 Millio
nen Mark Werth, exportirt für ca. 10'/ 2 Millionen Mark, so dass der
Bedarf noch bei Weitem nicht gedeckt erscheint. In den meisten Ge
genden herrscht noch die altübliche Thau- und Wasserröste vor, zur
Saat wird häufig fremdes Saatgut (russische Ostsee-Provinzen) be
zogen. Ein weiterer Aufschwung des Flachsbaues ist von der in
neuerer Zeit recht in Aufnahme gekommenen maschinellen Bear
beitung des Roh-Flachses auf Brech- und Schwingmaschinen in eige
nen Fabriken zu erwarten, diese allein ermöglichen erst den Anbau
des Flachses im Grossen, da sie den Cultivateur von der vielen Hand
arbeit, welche immer schwieriger zu beschallen ist, dispensiren.
W e i n. Der W e i nb au in Deutschland beginnt mit der Eroberung
des Rheinthaies durch die Römer im ersten Jahrhunderte unserer Zeit
rechnung. Wie von den Klöstern aus Mönche bis über das Mittel-
alter hinaus Träger der Wissenschaft waren, so wurde auch der
Weinbau in Deutschland durch Mönche weiter verbreitet. Der Wein
war damals ein beliebtes und ziemlich allgemein verbreitetes Getränk
und die Rebe wurde weit mehr und selbst nördlicher angebaut, als
jetzt. Wie sich aber die Communicationswege erleichterten und ver
mehrten, man aber damit einen besseren Wein kennen lernte, wurde
allenthalben da der Weinbau wieder aufgegeben, wo die Lage nicht
günstig war. Bei keiner anderen Culturpflanze ist für die Güte ihrer
Frucht eine solche Abhängigkeit von Klima und Boden vorhanden
als bei der Weinrebe, daher ihr Anbau auch nur inselartig auf be
stimmte Localitäten beschränkt ist. Wie die Cultur der Rebe davon
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