52 Gruppe II.
so rapide fielen, dass die Wollschafzucht unter vielen Verhältnissen
nicht mehr rentabel erschien. So trat plötzlich ein Umschwung in
der Zuchtrichtung ein. In bevölkerten und in hoher Cultur stehenden
Gegenden, unter erleichterten Absatzverhältnissen wurde die bis
herige Richtung (Wollschafzucht) verlassen und die Fleischschafzucht
eingeführt, theils und hauptsächlich dadurch, dass man die vorhan
denen Schafe (Merino -, Landschafe) mit Thieren englischer Racen
(Southdown, in einigen Wirthschaften auch mit Shropshire, Oxford-
down, Leicester) kreuzte und die Producte inzüchtlich weiter fort
züchtete oder dass man die Merino -Kammwollrichtung (Rambouillet)
einschlug. Unter anderen Verhältnissen, bei extensivem Betriebe,
bei ungünstigen Fleischpreisen und Absatzverhältnissen, dünner Be
völkerung etc. hat man die Wollnutzung beibehalten. Dieselbe ist
unter solchen Verhältnissen, wenn die Production einer mittellangen,
edlen Wolle und der normale Körperbau der Thiere im Auge be
halten wird, ebenso ergiebig, wenn nicht mehr, als die Fleisch-
nutzung, selbst bei den gegenwärtig herrschenden niedrigen Woll-
preisen.
Die sogenannten Landschafe, welche vielfach mit anderen Racen
durchkreuzt wurden, befinden sich fast ausschliesslich in den Händen
des kleinen Landwirths.
Die Gesammt- Wollproduction im Deutschen Reich beläuft sich
auf ca. 180,000,000 Pfd.
Der Import überseeischer Wollen betrug
1865—60 1860—67 1867—68 1868—69
3,892,425. 9,796,950. 12,218,755. 13,279,479.
Der Export nach England dagegen hat sich fast um die Hälfte
vermindert.
Von lebenden Thieren wurden nach England ausgeführt
bis Ende November 1865 — 267,279,
1866 — 276,093,
1867 — 188,445,
1868 — 115,720,
1869 — 201,923.
Ausserdem werden vielfach Zuchtthiere (Merinos) nach Australien
und Südamerika ausgeführt , zur Verbesserung der durch das Klima
namentlich in Bezug, auf Feinheit und Dichtheit nachtheilig verän
derten Wolle der dortigen, ursprünglich von den Merinos abstam
menden Thiere.