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Volltext: Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift für Architektur, angewandte Kunst und alle modernen Kulturaufgaben, 4. Jahrgang 1908

DHS ZENTRHLKÜCHENHHUS 
W ie die »Umfcbau« fchreibt, ift das erfte Einkücbenbaus für 25 Fa= 
milien in Kopenhagen von dem Direktor fl. FICK ins Leben ge« 
rufen worden. □ 
In diefem Haus werden die Wohnungen — je drei bis fünf Zimmer — 
leer vergeben, fo daß jede Partei, wie bisher, fich ganz nach eigenem 
Gefchmack einrichtet. Zu jeder Wohnung gehört ein mit Gasherd ver= 
fehener Wirtfchaftsraum und ein Badezimmer, in dem Tag und Nacht 
heißes Waffer zur Verfügung fteht. Daß Zentralheizung und elek= 
trifches Licht ihren reinlichen, arbeitfparenden Dienft tun, ift nur felbft« 
verftändlich. Ein für bürgerliche Verhältniffe bedeutender Luxus ift 
das Haustelephon, das von jeder Wohnung in die Zentralküche führt 
und auch Verbindung mit dem allemeinen Telephon hat. Die Er« 
füllung frommer Wünfcbe bedeutet die Ventilationsanlage, durch die 
für ftändige Reinhaltung der Luft geforgt ift, und der Staubfaug« 
apparat, der Möbel und Teppiche ideal rein macht. Wandfehränke und 
durch Tapeten verdeckte elektrifche Speifeaufzüge vervollftändigen die, 
jeden Komfort bietende Ureinrichtung der Wohnungen. □ 
Jeder kann in feiner Behaufung fchalten und walten, als wäre er 
der einzige Mieter. Er braucht die Mitbewohner des Kaufes ebenfo« 
wenig zu kennen wie jetjt in den Mietskafernen, wo fünfundzwanzig 
und mehr Parteien ohne Zentralbaushaltung häufen. □ 
Das Gemeinfame liegt nur darin, daß jegliche Arbeit für den Haus« 
halt zentralifiert ift, fo daß der einzelne der Sorge für Reinigung» 
Luft, Licht, Wärme und Beköftigung mit ihrem Drum und Dran von 
Einkäufen, Feueranmacben, Kochen, Servieren, flbwafeben ufw. voll« 
kommen enthoben ift. □ 
Die im Souterrain gelegenen Wirtfchaftsräume find mit allen Er« 
rungenfebaften der modernen Technik eingerichtet und mit Vorräten 
qualitativ wie quantitativ beftens verfeben. □ 
Über die Preife mögen folgende Daten fluffebluß geben, denen 
vorauszufcbicken ift, daß das Leben in Kopenhagen teurer ift als in 
Deutfcbland. □ 
Für Wohnung, Heizung, Licht, Bad, Koft und Bedienung, zu Fenfter« 
putjen, Staubentfernung, Scbubputjen - nebenbei bemerkt, wird fogar 
das elektrifcb beforgt - ift jährlich zu bezahlen: □ 
Für zwei Perfonen in einer aus drei Zimmern und Nebenräumen 
beftehenden Wohnung 1918 Kronen (eine dänifche Krone etwa 1.10 M.). 
Für 2 Perfonen in einer Wohnung von 4 Zimmern 
und Nebenräumen 2908-3198 Kronen 
„ 3 „ mit Wohnung von 4 Zimmern . . 2614 — 2739 „ 
>j 4 ,, ,, ,, ,, 4 ,, . . 3106 3231 ,, 
n 2 ,, ,, ,, ,, 5 ,, .... 2432 ,, 
,, 3 ,, ,, ,, ,, 5 ,, . . . ■ 2939 ,, 
4 ,, ,, ,, ,, 5 ,, .... 3431 ,, 
Für Kinder und Dienftboten ift extra ein billigerer Tarif vorgefehen. 
Direktor Ficks Zentralbaushaltung hat in Kopenhagen fo lauten fln« 
klang gefunden, daß es nötig ift, weitere Bauten auszuführen. Er 
plant nun auch, ein noch vollkommeneres Haus zu febaffen, das für 
kleine Kinder einen gemeinfamen, lichten, luftigen Saal und für die 
Schulkinder des Kaufes ebenfalls einen gemeinfcbaftlicben Raum bieten 
wird. Für Familienmütter, die felbft einen Erwerbsberuf ausüben > 
wird eigentlich erft diefe Type vollkommen entfpreebend fein. □ 
Nach dem Mufter des Kopenbagener Kaufes wurden in den fkan« 
dinavifeben Ländern febon viele derartige Gebäude errichtet. Kopen« 
hagen felbft erhielt feitdem eine Zentralbausbaltung für Arbeiter« 
familien, auch die Baugefellfcbaft Umanitaria in Mailand baut nach 
diefem Syftem, das felbftverftändlicb viele Variationen haben kann, je 
nach dem Bedürfnis, fluch in Budapeft ift ein folches Haus im Bau. 
Berlin will folgen. Aber wann? Es ift das ftädtifebe Miethaus der 
Zukunft. □ 
DHS KÜNSTLERISCHE BILD DES HEIDEL 
BERGER SCHLOSSES BEDROHT 
E s ift diesmal eine Kaminanlage auf der Herrenmühle, durch die 
den architektonifcben und landfcbaftlicben Reizen der Neckarftadt 
und des Kurfürftenfchloffes Eintrag gefebeben foll. Der Heidelberger 
Scbloßvetein bat fleh in feiner letjten Hauptverfammlung mit der fln« 
gelegenheit eingehend befchäftigt. Der Vorfltjende des Vereins, Ge« 
beimer Hofrat WILLE, legte dar, daß febon über den jetzigen Kamin auf 
der Herrenmüble, und namentlich über feinen Rauch, genug geklagt 
werde. Wenn nun noch ein neuer von 45 Meter Höbe dazu käme, 
fo würde das eine febr fchwere Schädigung für Heidelberg und das 
Schloß bedeuten. Befonders der Rauch würde äftbetifcb, aber auch in 
gefundheitlicher Beziehung fcbädlicb wirken, fei doch das Neckartal die 
Lunge Heidelbergs. □ 
BEBHUUNGSPLHNE DER LANDGEMEINDEN IN 
DER NÄHE VON HANNOVER 
a uf Veranlaffung des Heimatbundes Niederfachfen follen die Be« 
bauungspläne der in der Umgebung Hannovers gelegenen Land« 
gemeinden zum Gegenftand einer Prüfung gemacht werden, um 
etwaige Wünfcbe im heimatlichen, künftlerifchen oder bygienifeben In« 
tereffe ausfpreeben zu können. Der Landrat des Landkreifes Linden 
bat eine Abordnung des Heimatbundes (Prof. MOHRMflNN, Prof. KETT« 
LER, Kunftmaler FLINKE und Architekt WflGNER) empfangen und 
ihr Gelegenheit zu einer flusfpracbe über wünfebenswerte Verbeffe« 
rungen des Entwurfs der Bebauung von Seelze gegeben. Die An 
regungen der Kommiffion fanden bei Landrat ROSSMflNN eine wohl» 
wollende flufnabme. Es follen nun in den näcbften Tagen eingehende 
Verbefferungsvorfchläge formuliert und dem Landratsamte übermittelt 
werden. Im Januar d. J. wird der Verfilmende des Heimatbundes, 
Prof. Mobrmann, eine Konferenz von Vertretern intereffierter Vereine 
veranftalten, die den auf der lebten Sitzung des Heimatbundes ange« 
nommenen Antrag des Prof. Kettler befprechen foll, einen einheitlichen 
Bebauungsplan der weiteren Umgebung Hannovers, der neben den 
Verkehrsintereffen auch die heimatlichen, künftlerifchen und bygienifeben 
Intereffen zielbewußt berückfichtigt, anzubabnen. fluch hierfür hoffen 
die Freunde der Heimatfcbut>bewegung auf die verftändnisvolle Unter« 
ftütjung der Behörden. o 
EHRUNG 
P rofeffor K. E. O- FRITSCH in Berlin ift zu feinem, am 29. Januar 
diefes Jahres gefeierten 70. Geburtstage eine befondere Ehrung 
zuteil geworden. Die technifcbe Hochfcbule zu Dresden bat ihn in 
diefen Tagen zu ihrem Ehrendoktor ernannt. Profeffor Dr. ing. Fritfcb 
hat um die intellektuellen Intereffen und um die Förderung des flrcbi« 
tektenftandes große Verdienfte, die eine allfeitige, rühmende flner« 
kennung gefunden haben. Von Haus aus Architekt, hat er feine Lebens« 
aufgabe der Hauptfache nach in der geiftigen Führung der baukünft« 
lerifchen Intereffen gefunden. Eine anerkannt bedeutende Leiftung 
war fein im Aufträge des flrebitektenvereins zu Berlin berausgegebenes 
Werk über den proteftantifchen Kircbenbau. Eine umfaffende Wirk« 
famkeit bat er jedoch als Herausgeber der »Deutfchen Bauzeitung« ent 
faltet, die er 34 Jahre leitete. Er konnte als der hefte Architektur« 
fcbriftfteller feiner Zeit gelten und feine Kritiken, wie überhaupt die 
Führung feiner Zeitfcbrift waren durch vornehme, unparteiifebe Sach 
lichkeit, aber auch durch die Überlegenheit und Schärfe des Urteils 
ausgezeichnet. Er bat es vermocht, febwierige Bauprobleme, Konkur 
renzen ufw. bis auf den Grund zu durchleuchten und leicht faßlich 
binzuftellen. Sehr häufig batte fein Urteil über die Jury hinaus noch 
einen geiftigen Mehrwert zu geben. □ 
R. Voigtländer 5 Verlag, Leipzig □ Druck von Otto Regel, Leipzig 
Für die Redaktion: Jofepb flug. Lux, Dresden-Blafewit) 
□ Gefchäftsftelle für Öfterreich: Q 
Buchhandlung Carl von Hölzl, Wien 1/1, Opemgaffe 2 
48
	        
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