Y orwort
Mit der Durchführung der Gruppe 21, „nationale Hausindustrie“,
für die Weltaustellung in Wien 1873 von der Weltaustellungs - Commission
in Brünn betraut, stellte ich den Antrag: Die mährischen
Volkstrachten, welche doch in erster Linie zu jener Industrie
gehören und dieselbe ergänzen, in ihrer Anwendung an lehensgrossen
Figurinen zur Anschauung zu bringen.
Da dieser Antrag angenommen, und die nöthigen Geldsummen
von der Brünner Commission angewiesen wurden, gewann ich das
Materiale zur vorliegenden Arbeit.
Entspricht sie, so gebührt hiefür der Dank eben jener Landes-Commission,
an die sich dann später die Olmützer mit einigen Figurinen
anschloss.
Ich bringe diesen Dank mit einem umso freudigeren Herzen dar,
als die von mir veranstaltete Sammlung nationaler Costüme, und die
durch den Bildhauer Loos mit Unterstützung des künstlerisch durchgebildeten
Professors Roller in Brünn lebendig erfassten und in anziehende
Gruppen gebrachten Figurinen vielleicht Veranlassung werden zur
Errichtung eines Gewerbs- und ethnografischen Landesmuseums — einer
noch zu wenig berücksichtigten Quelle der mährischen Culturgeschichte.
Die Volkstrachten schwinden zusehend, das Individuelle weicht
dem Allgemeinen — Folge des gesteigerten Wohlstandes und des damit
in Verbindung stehenden rascheren Pulsirens des Volkslebens — und
doch liegt im Individuellen der Schlüssel zur Geschichte. Wer diese
pflegen will, darf daher jenes nicht vernachlässigen.
Raigern in Mähren, 10. April 1873.
Der Verfasser