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Full text: Nordböhmen auf der Weltausstellung in Wien 1873, Gruppe IX (Stein-, Thon- und Glas-Industrie)

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V. Heft. Gruppe IX. 
die Manipulation bei der Hauptbeschäftigung, die Schleifme 
thode, nach wie vor dieselbe primitive, schwerfällige Hand 
arbeit blieb, und bis auf die jüngste Zeit kein dortiger Ge 
schäftsinhaber daran dachte, dem gewerblichen Fortschritte 
entsprechende Verbesserungen einzuführen und anzuwenden. 
Inzwischen hatten aber Frankreich, Holland und die 
Schweiz, dem „art du lapidaire“ schon längst mit Eifer zuge 
wendet, die Vortheile, welche eine mehr und mehr entwickelte 
Mechanik bot, allerdings erfasst und, Schritt für Schritt der 
Wissenschaft auf dem Fusse folgend, zahlreiche Neuerungen 
zur Anwendung gebracht, die ihnen nach und nach ganz un 
bestritten den ersten Platz in der Kunst der Steinschleiferei 
verschafften. Was jedoch für Turnau fast noch gefährlicher 
als diese Thatsaehe werden konnte und auch wurde, war, dass 
Deutschland in dieser Kunst hinter den genannten Ländern 
nicht zurückblieb; so namentlich in dem kleinen oldenburgischen 
Pfarrdorfe Idar, in mehren badischen Städten, wie Waldkirch, 
Pforzheim u. s. w., wurden Schleifmaschinen aufgestellt, deren 
jede, von Wasser oder Dampf getrieben, in einem einzigen 
geschlossenen Baume Hunderte rotirender Scheiben vereinigte, 
an welchen mit verhältnismässig nur geringem Kraftaufwande 
je ein Arbeiter in wenigen Arbeitsstunden eine grössere Menge 
bei Weitem preiswürdigerer Waare zu liefern im Stande war, 
als kaum je zw T ei bis drei der tüchtigsten Arbeiter in Böhmen 
in angestrengter, tagelanger Arbeit nothdürftig herzustellen 
vermochten. 
Die Consequenzen blieben nicht lange aus. Die einhei 
mische Steinschleiferei ging wiederum von Jahr zu Jahr zu 
rück. Während der grössere, ununterbrochen wachsende Con- 
sum im Auslande das Rohmaterial vertheuerte, musste Turnau, 
um die fertige Waare an den Mann zu bringen, deren Preise 
immer niedriger stellen und demzufolge die Arbeitslöhne her 
absetzen; wer konnte, gab das Geschäft zur Gänze auf oder 
betrieb es höchstens noch aus Liebhaberei.
	        
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