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Full text : Nordböhmen auf der Weltausstellung in Wien 1873, Gruppe IX (Stein-, Thon- und Glas-Industrie)

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V.  Heft.  Gruppe  IX.

Gilt  es  eine  Unterstützung  nicht  sowohl  der  gewerblichen ­
  Entwickelung  Tumau’s  überhaupt,  sondern  vielmehr
speciell  der  gegenwärtig  in  der  That  „brodlosen  Kunst“  der
Turnauer  Steinschleiferei,  dann  muss  —  das  kann  keine  Frage
sein  —  einerseits  für  den  entsprechenden  gründlichen  Unterricht ­
  in  eben  diesem  Kunstgewerbe  gesorgt,  andererseits  aber
dahin  gewirkt  werden,  dass  dasselbe,  wie  in  den  Coneurrenzdistricten,
  mit  Benützung  der  erforderlichen  technischen  Hilfsmittel
und  auf  Grund  gewisser,  unabweislicher  Principien,  vor  Allen
dem  der  „Theilung  der  Arbeit“,  sich  vollständig  reorganisire,
mit  einem  Worte  sich  fabriksmässig  gestalte.
Her  erste  Schritt  hiezu  ist  gethan.  Ueber  Anregung
der  Reichenberger  Handels-  und  Gewerbekammer  hat  sich  die
Regierung  entschlossen,  eine  „Muster-Werkstätte  für  Steinschleiferei“ ­
  in  Turnau  zu  errichten,  beziehungsweise  durch
Gewährung  einer  ausgiebigen  Subvention  zu  ermöglichen  in
der  Weise,  dass  dieselbe  mit  einer  von  Privaten  zu  erbauenden ­
  ersten  Steinschleif-F  a  b  r  i  k  (mit  Anwendung  der  Wasserkraft) ­
  verbunden  werde.  Wir  begrüssen  das  Unternehmen  aufs
Wärmste.  Die  projeetirte  Fabrik  soll  vorläufig  etwa  50  Schleifstühle ­
  enthalten,  an  deren  jedem,  bei  gehörigem  Durchmesser
der  Stühle,  resp.  Scheiben,  zwei,  auch  drei,  somit  auf  alle
Fälle  schon  bei  Eröffnung  des  Betriebes  der  Fabrik  mindestens ­
  100  Schleifer  beschäftigt  werden  könnten.  Nach
Aussage  von  Sachverständigen  vermag  aber  der  an  einer  von
Wasser-  oder  Dampfkraft  in  Bewegung  gesetzten  Scheibe  beschäftigte ­
  Arbeiter  bei  zehnstündiger  Arbeitsdauer  zum  Mindesten ­
  um  fünfzig  Procent  mehr  zu  leisten,  als  bei  dreizehnstündiger ­
  Arbeitszeit  der  die  Scheibe  selbst  bewegende,  sonst
gleichfähige  Arbeiter  derselben  Kategorie.  Hundert  Arbeiter
also  —  und  in  ihnen  ebensoviele  Familienväter  —  sind  am
Tage  der  Betriebseröffnung  der  in  Rede  stehenden  Fabrik
(in  welcher  die  Art  der  Entlohnung  nothwendig  die  des
„Stücklohnes“  bleiben  müsste)  in  den  Stand  gesetzt,  statt
            
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