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Full text: Die Verwendung weiblicher Arbeitskräfte in der Fabriks-Industrie und in einzelnen Zweigen des Verkehrswesens Österreichs : erläuternder Text zu einer Abtheilung der Ausstellung im Frauen-Pavillon, Weltausstellung 1873 in Wien

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d) Das Kratzen. 
Nach der Vergoldung übernehmen andere Mädchen den Gegenstand zum Reinigen 
(Kratzen genannt), welches vermittelst mehr oder minder steifer jedoch elastischer Messing 
drahtbürsten, die man in schlechtes Bier oder in einen Absud von Seifenw^el 
vollzogen wird. Durch dieses Bürsten wird ein dem Gegenstände etwa anhaftender Schmutz 
oder die matte Haut, die sich oft bei der galvanischen Vergoldung anlegt, entfernt und 
zugleich ein schönes Feuer der Vergoldung erzielt. Bei der Arbeit ist nur darauf zu achten, 
dass der Gegenstand seinem Schliffe entsprechend gekratzt werde. 
Wochenlohn von 4'/ a bis 6 fl., im Durchschnitte 5 fl. 
Alle unter a bis d erwähnten Arbeiten erfordern weder Vorkenntnisse noch besondere 
Geschicklichkeit, sondern nur Pünctlickkeit und Ordnungssinn Be. einem »ufmerksrmen 
Zusehen wird die Arbeit leicht erlernt. Angezeigt erscheint es abei, bei der Wahl der 
Arbeiterinnen in den Vergolder-Abtheilungen auf eine kräftige Körperconstitution zu sehen, 
da trotz aller Vorsicht die aus den ätzenden Chemikalien, namentlich bei^Witterungswechsel, 
sich entwickelnden Dämpfe eingeathmet werden. Auch eine gröbere Haut ist mehr geeigne , 
zumal Verletzungen bei diesen Arbeiten schwerer und langsamer heilen. 
Die Arbeiterinnen stehen in einem Alter von 14 bis zu 40 Jahren. 
e) Das Aussparen. 
Bei dem Vergolden kommt es häufig vor, dass an einem und demselben Gegenstände 
einzelne Stellen vergoldet, andere versilbert oder oxydirt erscheinen sollen. In solchen 
Fällen wird der Gegenstand zuerst ganz vergoldet, dann aber die Vergoldung mit Aus 
nahme jener Stellen, welche oxydirt oder versilbert werden sollen, mit Asphaltlosung genau 
überstrichen und der Gegenstand hierauf in das Silberbad zur Versilberung oder Oxydirung 
lett M Z gsBChcheu, » wird der Gestand wieder aus dem Silberbade gehoben 
die Asphaltlösung weggebracht und der Gegenstand gekratzt. Diese Beschäftigung eiford 
Aufmerksamkeit und Genauigkeit nebst einer sicheren Hand, um die verS ^ ie< ^ ne ^^ " 
ten Dessins oder Reliefverzierungen in scharfen Umrissen darzustelien was nur duich das 
genaue Aussparen und ein genaues gleichmässiges Ueberstreichen mit dem Asphaltlack er 
zielbar ist. 
Wochenlohn von 6 bis 9 fl., durchschnittlich 7 fl. 
2. Poliren der vergoldeten oder versilberten Gegenstände. 
Die Vergoldung oder Versilberung erscheint nach der jetzt gebräuchlichen Methode 
in mattem Ton, der durch eine besondere, von Männern verrichtete Arbeit (das Moinren) 
bewirkt wird. Soll aber die Vergoldung glänzend erscheinen, so muss dei Gegenstand po 
werden. Dieses Poliren verrichten Mädchen, und es geschieht, nachdem der Gegenstand 
mit Seifenwasser bestrichen wurde, mittelst des Polirstahles oder bei leinen Gegenständen 
mit Blutsteinen, die nach Art der Oelfarbenpinsel an Stielen befestigt sind. Der Gegen 
stand wird damit so lange gerieben, bis die matt vergoldeten Stellen vollständig geglättet 
sind; schliesslich wird er mit einem feinen Leinenlappen abgewischt. 
Diese Beschäftigung wird wohl sitzend verrichtet, sie erfordert aber Kraft, wesshalb 
nur gesunde, bruststarke Personen mit kräftigeren Händen verwendet werden. Um Be 
friedigendes zu leisten, bedarf die Arbeiterin mindestens einer 5- oder (monatlichen 
Uebung. 
Wochenlohn 6 bis 14 fl., durchschnittlich 7*/ 3 n.
	        
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