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Full text : Die Verwendung weiblicher Arbeitskräfte in der Fabriks-Industrie und in einzelnen Zweigen des Verkehrswesens Österreichs : erläuternder Text zu einer Abtheilung der Ausstellung im Frauen-Pavillon, Weltausstellung 1873 in Wien

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Steindruckerei.
Die  Verwendung  weiblicher  Arbeitskräfte  in  der  Steindruckerei  ist  bisher  auf  untergeordnete ­
  und  wenig  lohnende  Verrichtungen  beschränkt.
Diese  Arbeiten  sind:
1.  Das  Brouziren  und  Ansputzen.
Die  von  dem  Steindrucker  mit  klebriger  Firnissfarbe  vorgedruckten  Bilder,  Etiquetten
u.  s.  w.  werden  mit  Baumwolle,  die  in  Metallbronze  getaucht  ist,  leicht  eingerieben  und
mit  reiner  Wolle  wieder  abgewischt.  Die  Arbeit  wird  sitzend  verrichtet,  Augen  und  Hände
sind  dabei  in  Thätigkeit.
2.  Das  Aufträgen  von  Blattmetall  und  das  Ausputzen.
Die  auf  vorbesagte  Weise  gemachten  Abdrücke  werden  mit  der  bedruckten  Seite  auf
die  vorhandenen  Schlagmetall-Flächen  gelegt,  worauf  das  klebenbleibende  Metall  behufs
giösserer  Haltbarkeit  mit  einer  kleinen  Walze  gut  angewalzt  und  nach  vollständigem
Trocknen  der  Farbe  das  ausserhalb  und  zwischen  den  Farbflächen  befindliche  lose  Metall
mit  Lappen  weggerieben  wird.  Dieses  Verfahren  erfordert  blos  eine  aufmerksame  Behandlung
und  wird  sitzend  verrichtet,  es  sind  ebenfalls  Augen  und  Hände  in  Anspruch  genommen.
Den  unter  1  und  2  erwähnten  kleinen  Hilfsarbeiten,  welche  nicht  anstrengend  sind
und  von  den  Arbeiterinnen  schon  nach  der  ersten  Belehrung  sofort  verrichtet  werden,
widmen  sich  meistens  Mädchen  im  Alter  von  14—20  Jahren.
Der  geringste  Wochenlohn  beträgt  3  fl.,  der  höchste  5—6  fl.,  der  durchschnittliche
5'/ 2  11.  in  den  gewöhnlichen  Arbeitsstunden,  bei  Ueberstunden  7  bis  9  fl.
3.  Das  Einlegen  und  Punetiren.
Das  Einlegen,  nämlich  das  Einlegen  des  zu  bedruckenden  Papiers  in  die  Schnellpresse, ­
  wird  angewendet,  wenn  ein  Bogen  blos  einseitig  und  in  einer  Farbe  zu  bedrucken
kommt.  Der  Bogen  wird  hierbei  mit  beiden  Händen  gefasst  und  nach  zwei  Seiten  hin  unter
einem  rechten  Winkel  jedesmal  gleichmässig  an  die  vorhandenen  Seitenmarken  angelegt,
worauf  er  von  dem  Greifer  der  Maschine  erfasst  und  durch  die  Maschine  gezogen  wird.
Anders  verhält  sich  aber  die  Sache,  wenn  der  Bogen  auch  auf  der  Rückseite  oder
in  mehreren  Farben  zu  bedrucken  ist.  Hier  handelt  es  sich  darum,  dass  bei  dem  Durchsehen
durch  das  Licht  die  doppelt  gedruckten  Seiten  genau  aufeinander  passen  (Register  halten),
oder  dass  bei  mehrfarbigem  Drucke  eine  Farbe  genau  an  die  andere  passt,  um  bei  Vollendung ­
  des  Druckes  mit  der  letzten  Farbe  e'n  vollkommen  und  genau  passendes  Bild  des
Ganzen  zu  erhalten.  Um  diesen  Zweck  zu  erreichen,  bezüglich  dessen  mathematische  Genauigkeit ­
  nöthig  ist,  befinden  sich  in  der  Maschine  Nadel-Puncturen,  welche  bei  dem  Drucken
der  ersten  Seite  des  Bogens,  werm  der  Gegenstand  doppelt  gedruckt  werden  soll,  oder
bei  dem  Drucke  der  ersten  Farbe,  falls  der  Gegenstand  mehrfarbig  wird,  den  Bogen  an  zwei
entgegengesetzten  Seiten  durchstechen.  Sobald  nun  der  Bogen  zum  zweiten  Male  gedruckt
wird,  muss  derselbe  bei  schnellem  Gange  der  Maschine  mit  den  vorhandenen  Löchern
genau  in  die  Nadel-Puncturen  gesteckt  werden.  Dieses  zweite  Einlegen  wird
eben  Punetiren  genannt  und  erfordert  eine  grosse  Genauigkeit.  Die  Arbeit  wird
stehend  verrichtet,  Augen  und  Hände  sind  in  lebhafter  Thätigkeit;  feines  Gefühl  der  Finger ­
  an  beiden  Händen  wird  hier  besonders  erfordert.
Der  Wochenlohn  für  das  Einlegen  und  Punetiren,  das  eine  Einübung  während  mehrerer ­
  Wochen  erfordert,  beträgt  6—7  fl.;  bei  starkem  Geschäftsgänge,  namentlich  in  den
Wintermonaten,  steigt  der  Wochenlohn  durch  Ueberstunden  selbst  bis  auf  10  fl.
            
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