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Full text: Die Verwendung weiblicher Arbeitskräfte in der Fabriks-Industrie und in einzelnen Zweigen des Verkehrswesens Österreichs : erläuternder Text zu einer Abtheilung der Ausstellung im Frauen-Pavillon, Weltausstellung 1873 in Wien

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C) Applicationsstickerei, 
D) Mosaikstickerei, 
E) Savonaeriestickerei, 
F) Merlin- und Canevasstickerei, 
G) Weissstickerei. 
A) Relief- und Flaehstickerei mittelst Metallfäden. 
Die bei dieser Branche in Anwendung kommenden Techniken sind: 
1. Das Sprengen. Hiebei wird der Metallgespinnstfaden über eine Unterlage von 
Pappe, Leder, Tuch, Hutfilz oder Wollfäden mit Hilfe des Fadenführers (Bretsche) gelegt 
und mittelst eines Seidenfadens auf beiden Seiten der Unterlage festgeheftet. Diese Tech 
nik ist die am meisten geübte. Sie erfordert nebst massiger Kraftanstrengung der Arme 
Gefühl für correcte Contour und eine wohlverstandene Beobachtung der Fadenlegung, damit 
nicht durch unrichtige Auffassung oder schlechtes Augenmass allzulang offene und darum 
minder dauerhafte wie auch unschöne Stellen in der Stickerei entstehen; vorzüglich ist 
eine genaue Beobachtung bei stark ausgeschweiften Contouren nothwendig. Uebrigens ist 
es Aufgabe des Zeichners und in letzter Linie des Vorrichters oder Ausschneiders, in rich 
tiger Erwägung der vorerwähnten Schwierigkeiten die Formen selbst so zu gestalten, dass 
dieselben, unbeschadet der Schönheit der Linie, in der technischen Ausführung leicht her 
zustellen sind. 
2. Das Schieben mit Füttern unter Zuhilfenahme von Seidenfäden und Bouillon- 
stängelchen. Es ist dies eine meist mit der Sprengarbeit in Verbindung geübte Technik; 
sie bezweckt vornehmlich, die Theilungslinien allzu breiter und darum coupirter Flächen 
mittelst Flitter zu decken und gleichzeitig zu verzieren. Aehnlich ist die Verwendung des 
Bouillons, nur dass dieser auch selbstständig sowohl in Hoch- als Flachstickerei angewen 
det wird. 
3. Das Stechen, eine Manier, bei welcher sowohl erhabene, als auch flach gehaltene 
Flächen auf die Art des Abnähens mittelst des auf den Fadenführer (Bretsche) aufge 
wickelten Metallgespinnstfadens nach vorhergegangener Vorbohrung durchstochen und hie 
durch überstickt werden. Bei dieser Technik ist der Gespinnstverbrauch ein sehr grosser 
und es wird deshalb dieselbe nur bei kleineren Objecten angewendet. 
4. Das Anlegen. Hier handelt es sich um eine besonders bei sehr breiten, nicht 
durch Einschnitte abtheilbaren Flächen oder bei Objecten, welche absolut weich sein müs 
sen, geübte Technik. Bei deren Ausführung wird der Metallgespinnstfaden in einer der 
äusseren Contour entsprechenden Richtung entweder auf die Unterlage oder in deren Er 
manglung blos auf den Grundstoff gelegt und dann mittelst Seidenfadens niedergeheftet. 
Es ist hiebei vorzüglich auf Gleichartigkeit der Befestigungsstiche, wie auch auf deren 
gleichmässige Entfernung Rücksicht zu nehmen; die. Arbeit erfordert darum mehr Zeit 
aufwand und erheischt ein sehr geübtes Auge. 
B) Relief- und Flachstickerei mittelst offener oder gedrehter Seide und Chenille. 
Ganz auf gleiche Art, wie die Reliefstickerei in Metallgespinnsten, kann 
dieselbe (Sprengarbeit) auch in Seide ausgeführt werden; es sind hiebei die nämlichen 
Werkzeuge und dieselben Handgriffe thätig. Die Stech- und Anlegetechnik ist gleichfalls 
die nämliche, wie man sie bei jener mittelst Metallgespinnst übt, und sie wird nur nach Mass- 
gabe des verwendeten Materials und der gestellten Aufgabe zur grössten Vollendung in 
der sogenannten Nadelmalerei gebracht, einer Technik, welche die physischen Kräfte
	        
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