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Full text : Die Verwendung weiblicher Arbeitskräfte in der Fabriks-Industrie und in einzelnen Zweigen des Verkehrswesens Österreichs : erläuternder Text zu einer Abtheilung der Ausstellung im Frauen-Pavillon, Weltausstellung 1873 in Wien

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D)  Aufgeschnittene  Stickerei  oder  Savonneriestickerei.
Die  lechnik  der  Savonneriestickerei  wurde  in  Wien  bisher  grösstentheils  nur  durch
Ai  beiten  repräsentirt,  die  vom  ästhetischen  Standpuncte  aus  verwerflich  erscheinen;  in  dieselbe ­
  rangiren  die  Kissen  mit  Blumen,  Früchten  und  Thieren,  welche  in  naturalistischer
Weise  gehalten,  eine  Zeitlang  sehr  in  Mode  gewesen,  nun  aber  der  verdienten  Missachtung
anheimgefallen  sind.  Kationell  betrieben  und  von  artistischen  Grundsätzen  geleitet,  könnte
dieser  Industriezweig  eines  grossen  Aufschwunges  fähig  sein;  doch  dürfte  auch  hiebei  der
Mangel  an  tauglichen,  besser  vorgebildeten  Arbeitskräften  hindernd  einwirken.
Im  Grossen  und  Ganzen  ist  die  hiebei  beobachtete  Technik  der  bei  der  Sammtweberei
geübten  ähnlich.  Es  wird  nämlich  nach  einem  gemalten  Tupfmuster  auf  Canevasgrundlage
  dei  entsprechende  Schafwollfaden  über  eine  mit  schneidigem  Ende  versehene  Metallnadel ­
  gestickt,  und  wenn  alle  auf  einer  Linie  des  Tupfes  ersichtlichen  Puncte  durch  Fadenstickung
  hergestellt  sind,  wird  mittelst  des  schneidigen  Endes  der  Nadel  die  entstandene
Reihe  von  Wollmaschen  aufgeschnitten.  Nach  Vollendung  der  ganzen  Arbeit  wird  der  nicht
überstickte  Canevas  herausgeschnitten  und  der  Flor  (die  entstandenen  Wollfasern)  geschoren.
Eine  .  möglichst  gieichmässige  Behandlung  ist  hiebei  unerlässlich,  soll  anders  die  ganze
Arbeit  nicht  unbrauchbar  werden.
F)  Merlin-  und  Canevasstickerei.
Dieselbe  ähnelt  in  ihren  Effecten  zum  Theile  jener  der  Gobelinsweberei,  besonders
wenn  sie  mittelst  des  schwierigeren  Perlstiches  ausgeführt  wird;  bei  dem  gewöhnlichen  Kreuzstiche ­
  sind  Effect  und  Arbeit  viel  gröber  und  entfernen  sich  von  jenen  der  Gobelins.  Nach
einer  auf  Carta  rigata  (Tupfpapier)  gemalten  Vorlage  wird  mit  Wolle,  Seide  oder  Chenille
auf  Merlin  oder  Canevas  derart  gestickt,  dass  immer  je  ein  Carreau  der  Vorlage  einem
Zwischenräume  des  Canevas  oder  Merlins  entspricht.
Die  Stickerei  auf  Lochpapier  ist  ihrer  Technik  nach  ganz  dieselbe,  findet  aber
zumeist  nur  auf  kleinere  Objecte  Anwendung.
B)  Weissstiekerei  und  Tambourirung'.
Dieser  eine  sehr  grosse  Verbreitung  geniessende  Industriezweig  dürfte  der  für
die  Aibeiteiinnen  relativ  am  wenigstens  lucrative  sein;  im  Allgemeinen  ist  es  eine  Art
Flachstickerei  und  die  Technik  erleidet  nur  rücksichtlich  des  verwendeten  Materials  und
des  Zweckes  einige  unwesentliche  Abweichungen  von  jener  der  Seidenstickerei.
Die  höchste  Stufe  der  Vollendung  erreicht  die  Weissstickerei  in  der  Guipureund
  Spitzenimitationstechnik,  welche  letzteren  Zweige  aber  vermöge  der  grossen  Anforderungen, ­
  die  sie  an  die  intellectuelle  Arbeitskraft  stellen,  ein  nur  geringes  Contingent
derselben  beschäftigen.
Wie  bei  der  Weissstickerei  ist  auch  bei  der  Tambourirung  in  gleichem  Materiale
dasselbe  zu  bemerken,  was  für  die  Tambourirung  in  Seide  erwähnt  wurde.

Was  die  Arbeitsverhältnisse  der  Stickereigewerbe  Wiens  im  Allgemeinen  betrifft,  ist
Folgendes  zu  bemerken;
Die  Dauer  der  Lehrzeit  ist  je  nach  der  individuellen  Befähigung  sehr  verschieden,
jedoch  ist  es  erfahrungsgemäss  geboten,  dieselbe  bei  Erlernung  der  Flach-  und  Hochstickerei
mittelst  Metallgespinnst,  der  Flach-und  Hochstickerei  mit  Seide,  der  Applications-  und  Mosaikstickerei ­
  nicht  unter  drei  Jahren  anzunehmen;  für  die  anderen  Branchen  genügen  kürzere
Zeiträume.
            
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