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Full text : Die Verwendung weiblicher Arbeitskräfte in der Fabriks-Industrie und in einzelnen Zweigen des Verkehrswesens Österreichs : erläuternder Text zu einer Abtheilung der Ausstellung im Frauen-Pavillon, Weltausstellung 1873 in Wien

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Bei  allen  Arbeitsverrichtungen,  welche  dem  weiblichen  Geschlechte  in  der  Handschuhtab ­
  rikation  obliegen,  handelt  es  sich  stets  um  Nadelarbeit.  Die  betreffenden  Arbeiten  sind  folgende:
1.  Das  eigentliche  Nähen  des  Handschuhs;  es  wird  nicht  mehr  mittelst
Handnaht,  wie  sie  bis  in  die  Dreissiger-Jahre  üblich  war,  sondern  auf  der  Handschuhnähmaschine ­
  vorgenommen.  Letztere  Maschine,  auch  Kamm  genannt,  ist  aber  nicht  mit  der
seit  einigen  Jahren  erfundenen  selbstthätigen  Handschuh-Nähmaschine  nach  amerikanischem
Principe  zu  verwechseln;  es  ist  vielmehr  die  alte,  früher  schon  gebrauchte  Maschine  gemeint, ­
  die  man  eigentlich  keine  Nähmaschine  im  jetzigen  Sinne  dos  Wortes  nennen  kann.
Sie  ist  als  ein  Regulator  zu  bezeichnen,  welcher  nur  eine  gleichere  Naht,  die  gleich  weite
Entfernung  eines  Stiches  vom  andern  bezweckt,  indem  durch  zwei  Metallplatten,  in  die
aufeinanderpassend  eine  Reihe  feiner  Zähne  eingeschnitten  ist,  die  Nadel  hindurchgeführt
werden  muss.  Die  Sache  sieht  sich  sehr  einfach  an,  und  dennoch  erfordert  es  längere  Zeit,
bis  die  Arbeiterin  imStande  ist,  bei  jedem  Stiche  den  Faden  gleich  stark  an  den  Zahn  anzuziehen.
Der  geschnittene  Handschuh  wird  so  aus  den  vorliegenden  kleineren  Theilen  zusammengenäht; ­
  in  gleicher  Weise  fertigt  man  auch  die  Einfassung,  das  Knopfloch  und  die
auf  der  oberen  Handfläche  befindlichen  drei  Nähte  an.
Der  weitaus  grösste  Theil  der  Handschuhe  wird  auf  die  bezeichnete  Art  genäht,  so
dass  dieser  Theil  der  Fabrikation  auch  die  überwiegende  Menge  (80  pCt.)  der  Arbeitskräfte ­
  in  Anspruch  nimmt.  Die  Qualität  der  Arbeit  bleibt  ungeachtet  der  Maschine
dennoch  eine  sehr  -verschiedene,  und  es  gibt  nur  einen  Bruehtheil  tadelloser  Naht.
Der  Preis,  welcher  für  diese  Arbeit  gezahlt  wird,  variirt  in  Wien  zwischen  16  und
26  Kreuzer  pr.  Paar  Handschuhe  zu  Einem  Knopf,  und  es  beträgt  der  tägliche  Verdienst
64  kr.  bis  1  fl.  4  kr.  Es  ist  selbstverständlich,  dass  die  jetzt  verlangte  Art  Handschuhe
mit  vielen  Knöpfen  auch  einen  entsprechend  höheren  Arbeitslohn,  und  zwar  bis  34  kr.  per
Paar,  bedingt,  ln  Prag  beträgt  der  Lohn  für  das  Paar  13  bis  21  kr.
2.  Das  Nähen  auf  der  selbstwirkenden  Nähmaschine  (System  Rudolf)-Hiebei
  hat  die  Arbeiterin  nur  die  Maschine  zu  bedienen  und  derselben  die  vielen  einzelnen  Bestandtheile,
  richtig  aneinander  gefügt,  vorzulegen.
Die  Anwendung  dieser  Maschine  ist  noch  bei  weitem  nicht  so  verbreitet,  wie  sie  es
verdiente.  Ohne  Zweifel  wird  sich  jedoch  das  Nähen  mit  derselben,  den  Gebrauch  der
unter  1  erwähnten  Maschine  (Regulator)  verdrängend,  überall  Bahn  brechen,  sobald  die
Maschine  so  verbessert  ist,  dass  auf  ihr  auch  die  feinste  Naht  erzeugt  werden  kann.
Mit  dieser  Maschine  erzielt  die  Arbeiterin  einen  ungleich  grösseren  Lohn;  denn  —  die
nöthige  Uebung  und  Fleiss  vorausgesetzt  —  näht  die  Maschine  per  Tag  10  bis  15  Paar
Handschuhe;  doch  gibt  es  Näherinnen,  welche  es  bis  zu  20  Paaren  bringen.  Es  resultirt
daraus,  da  der  Preis  für  die  Naht  derselbe  ist,  wie  bei  der  früher  erwähnten  alten  Handschuh-Nähmaschine, ­
  ein  täglicher  Arbeitslohn  von  2  fl.  40  kr.  bis  2  fl.  80  kr.
In  Prag  beträgt  der  durch  diese  Maschine  ermöglichte  wöchentliche  Verdienst  7  fl.
20  kr.  bis  10  fl.
3.  Das  Tambouriren  der  Handschuhe  mit  Seide.  Diese  Arbeit  wird  angewendet, ­
  um  bei  den  auf  der  oberen  Handfläche  befindlichen  Handschuhnähten  eine  vollere
Naht  zu  erzielen;  fast  ausnahmslos  findet  das  Tambouriren  der  Schnürchen  auf  den  für
England  und  Holland  bestimmten  Handschuhen  statt.  Die  Stiche  werden  mit  einem  fein
gezahnten  Stahliustrumente  1-,  2-  oder  Sreihig  vorgeschlagen,  sodann  wird  der  geschnittene ­
  Handschuh  in  einen  Rahmen  gespannt  und  mittelst  einer  mit  einem  Häkchen  versehenen ­
  Nadel  die  stärkere  Seide  durchgezogen.
            
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