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Plätzen die Samenbiklung sehr lange auf sich warten lässt und die
Pflanze sieh nur mittelst lebenden Sprossen vermehren kann, tritt
jene Erscheinung ein, welche nicht gerade selten ist, dass eine
Gattung dicht aneinander gruppirt ganze Abhänge bedeckt. Hieaus
ist es klar, welchen wesentlichen Einfluss ein günstiger Sommer
auf die äussere Gestaltung der Alpenflora bat.
Schon aus der geringen Grösse der Baumarten, aus den
Zwerg- und Zwitter-Gattungen, welche Uber der Region der hohen
Bäume erscheinen, kann man sogleich den Charakter der
Alpen-Vegetation erkennen. Je mehr wir aufwärts steigen, desto
niedriger wird jeder Pflanzenwuchs, umso zwerghaftcr jede Pflanzenbildung.
Die hohen Gesträuche werden zu Halbsträuchern, die
zahlreichen Weiden-Gattungen schrumpfen zu kleinen Stauden
zusammen und verschwinden zuletzt ganz; auch die andern
Kräuter verkrüppeln, — der Rasen welcher unten im Thale 1—3'
hoch ist, sinkt hier bis zu Vs' ja sogar bis zu einigen Zollen herab.
Jedes Pflänzchen trachtet verhältnissmässig von der kälteren
Luft gegen die wärmere hin zu kommen, deren Wurzel-Blätter
schmiegen sich an die Erde, und trachten die freie Luft zu vermeiden;
es scheint als wären dieselben durch den hohen Winterschnee
an den Boden gedrückt worden.
Die Blätter der Pflanzen sind kleiner, stärker und härter,
als in der Ebene, viele sind haariger und bilden einen kleinen
Pelz, um das Blatt gegen die rauhe Winterkälte zu schützen.
Dagegen entwickelen sich die Blüthen unter den wenigen warmen
Tagen sehr schnell und werden gross. Der Grund davon liegt
in der Feuchtigkeit der Humus-Erde, der Intensität des Lichtes,
in der Reinheit der Luft und in dem geringeren Luftdrucke.
Dazu kommt noch, dass die Alpen-Pflanzen viel lebhaftere
und frischere Farben besitzen. So können wir das strahlendste
und schönste Indigoblau, das glänzendste und dabei zarteste
Roth, ein starkes beinahe ins Schwarze übergehende Braun sehen,
während andererseits das Gelb und Weiss von der reinsten
und blendendsten Gattung auftritt. -— Nachdem die Ilochgebirgs-Pflanzen
gewöhnlich einen dichten Rasen bilden, welcher
entweder in seiner ganzen Ausdehnung zusammenhängt oder in
Form kleiner zerstreuter Beete die scharfen Felsenkanten bedeckt
welch’ Letztere wieder miteinander durch einzelne Klippen hie
und da in einiger Verbindung stehen, indem die Kinder des Hochgebirges
das Prinzip des freundschaftlichen Einverständnisses