Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Ungarn auf der Wiener Weltausstellung 1873 : Special-Catalog der ausgestellten Gegenstände der Urproduction, Gewerbe, Wissenschaft und Kunst

53

Plätzen  die  Samenbiklung  sehr  lange  auf  sich  warten  lässt  und  die
Pflanze  sieh  nur  mittelst  lebenden  Sprossen  vermehren  kann,  tritt
jene  Erscheinung  ein,  welche  nicht  gerade  selten  ist,  dass  eine
Gattung  dicht  aneinander  gruppirt  ganze  Abhänge  bedeckt.  Hieaus
  ist  es  klar,  welchen  wesentlichen  Einfluss  ein  günstiger  Sommer ­
  auf  die  äussere  Gestaltung  der  Alpenflora  bat.
Schon  aus  der  geringen  Grösse  der  Baumarten,  aus  den
Zwerg-  und  Zwitter-Gattungen,  welche  Uber  der  Region  der  hohen ­
  Bäume  erscheinen,  kann  man  sogleich  den  Charakter  der
Alpen-Vegetation  erkennen.  Je  mehr  wir  aufwärts  steigen,  desto
niedriger  wird  jeder  Pflanzenwuchs,  umso  zwerghaftcr  jede  Pflanzenbildung. ­
  Die  hohen  Gesträuche  werden  zu  Halbsträuchern,  die
zahlreichen  Weiden-Gattungen  schrumpfen  zu  kleinen  Stauden
zusammen  und  verschwinden  zuletzt  ganz;  auch  die  andern
Kräuter  verkrüppeln,  —  der  Rasen  welcher  unten  im  Thale  1—3'
hoch  ist,  sinkt  hier  bis  zu  Vs'  ja  sogar  bis  zu  einigen  Zollen  herab. ­
  Jedes  Pflänzchen  trachtet  verhältnissmässig  von  der  kälteren
Luft  gegen  die  wärmere  hin  zu  kommen,  deren  Wurzel-Blätter
schmiegen  sich  an  die  Erde,  und  trachten  die  freie  Luft  zu  vermeiden; ­
  es  scheint  als  wären  dieselben  durch  den  hohen  Winterschnee ­
  an  den  Boden  gedrückt  worden.
Die  Blätter  der  Pflanzen  sind  kleiner,  stärker  und  härter,
als  in  der  Ebene,  viele  sind  haariger  und  bilden  einen  kleinen
Pelz,  um  das  Blatt  gegen  die  rauhe  Winterkälte  zu  schützen.
Dagegen  entwickelen  sich  die  Blüthen  unter  den  wenigen  warmen
Tagen  sehr  schnell  und  werden  gross.  Der  Grund  davon  liegt
in  der  Feuchtigkeit  der  Humus-Erde,  der  Intensität  des  Lichtes,
in  der  Reinheit  der  Luft  und  in  dem  geringeren  Luftdrucke.
Dazu  kommt  noch,  dass  die  Alpen-Pflanzen  viel  lebhaftere
und  frischere  Farben  besitzen.  So  können  wir  das  strahlendste
und  schönste  Indigoblau,  das  glänzendste  und  dabei  zarteste
Roth,  ein  starkes  beinahe  ins  Schwarze  übergehende  Braun  sehen, ­
  während  andererseits  das  Gelb  und  Weiss  von  der  reinsten ­
  und  blendendsten  Gattung  auftritt.  -—  Nachdem  die  Ilochgebirgs-Pflanzen
  gewöhnlich  einen  dichten  Rasen  bilden,  welcher
entweder  in  seiner  ganzen  Ausdehnung  zusammenhängt  oder  in
Form  kleiner  zerstreuter  Beete  die  scharfen  Felsenkanten  bedeckt
welch’  Letztere  wieder  miteinander  durch  einzelne  Klippen  hie
und  da  in  einiger  Verbindung  stehen,  indem  die  Kinder  des  Hochgebirges ­
  das  Prinzip  des  freundschaftlichen  Einverständnisses
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.