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Full text : Ungarn auf der Wiener Weltausstellung 1873 : Special-Catalog der ausgestellten Gegenstände der Urproduction, Gewerbe, Wissenschaft und Kunst

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Die  nationale  Cnlturbewegung  begann  erst  gegen  Ende  des
vorigen  Jahrhundertes,  durch  die  eigenen  Söhne  der  Nation  mit
grösserer  Lebhaftigkeit  angeregt,  aut  dem  Felde  der  Literatur.
Ueber  das  ganze  Land  erstreckt  sich  jedoch  diese  Bewegung  nur
im  ersten  Decennium  dieses  Jahrhundertes,  als  sich  dieselbe  mit
dem  Kampf  um  den  politischen  Bestand  vereinigte.  Die  mit  dem
Fortschritte  des  westlichen  Europa’s  parallelen  Cultursbestrebungen
  aber  konnten,  den  vom  Freiheitskampfe  in  Anspruch  gegenommenen
  Zeitraum  der  Jahre  1848  und  1949  nicht  mitinbegrifi'en,
  nur  im  Anfänge  der  1860er  Jahre  des  bisherigen  Widerstandes ­
  entledigt,  mit  aller  Kraft  auftreten,  und  erst  mit  dem
Inslebentreten  der  selbsständigen  ungarischen  Regierung  ihre
freie  Entwickelung  entfalten.
Nur  wenn  man  diese  Thatsachen  immer  vor  Augen  behält,  ist
es  möglich,  die  Culturverhältnisse,  die  Unterrichts-  und  socialen
Verhältnisse,  die  wissenschaftliche  und  literarische  Thätigkeit
Ungarns  und  deren  Resultate  richtig  und  im  Vergleiche  mit  denen ­
  des  Auslandes  unter  Gefühlen  des  Bedauerns  zwar,  jedoch
ohne  Bitterkeit,  zu  beurtheilen.  Um  in  di'eser  Hinsicht  sogleich  ein
vollständigeres  Bild  unserer  Zustände  zu  erlangen,  beginnen
wir  sofort  dieses  Kapitel  mit  den  Zuständen  unserer  Wissenschaft ­
  und  Kunst,  und  gehen  dann  auf  die  übrigen  Factoren  der
Cultur,  nämlich  auf  die  hohem  Lehranstalten,  auf  die  Mittelschulen ­
  und  auf  die,  die  Grundlage  aller  Cultur  bildenden  Volksschulen ­
  über.

1.  Wissenschaft  und  Literatur.
Unter  den  im  Dienste  der  Wissenschaft  stehenden  Anstalten
sind  in  erster  Reihe  die  Academien  zu  erwähnen,  als  jene
gemeinsamen  Becken,  welche  die  zerstreuten  Schätze  des'geistigen
  Schaffens  sammeln,  damit  diese  von  dort  in  die  verschiedenen ­
  Schichten  der  Gesellschaft  übergehen.  Die  ungarische
Academie  der  Wissenschaften,  eines  der  werthvollstcn  Denkmale
der  patriotischen  Gefühle  des  Grafen  Stefan  Szecheny,  wurde
im  Jahre  1830  gegründet,  1869  auf  Grund  neuer  Statuten  organisirt,
  und  gelangte  durch  die  grossherzigen  Spenden  der  Nation
in  den  Besitz  eines  eigenen  Palastes.  Ihre  Hauptaufgabe  ist  die
Wissenschaft  und  Literatur  in  ungarischer  Sprache  zu  cultiviren
und  zu  verbreiten;  sie  lässt  zu  diesem  Zwecke  wissenschaftliche
Versuche  und  Forschungen  anstellen,  fördert  wissenschaftliche
            
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