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Full text : Ungarn auf der Wiener Weltausstellung 1873 : Special-Catalog der ausgestellten Gegenstände der Urproduction, Gewerbe, Wissenschaft und Kunst

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■oft  sehr  gut  behandeltes  Obst  aufzuweisen  im  Stande  sind,  —
Thatsache,  dass  es  kaum  ein  Dorf  gibt,  welches  nicht  einen
Garten  und  in  demselben  Obst,  ja  z.  B.  jenseits  der  Donau  einen
Bauernhof  gibt,  der  nicht  einige  Obstbäume  hätte.
Auf  den  grossem  Herrschaftsbesitzungen  werden  die  Aecker
mit  Obstbäumen  umpflanzt,  und  wenn  auch  solcher  Orten  die  Fechsung ­
  reifen  Obstes  selten  gelingt,  so  wird  doch  hiedurch  in  dem
Volke  die  Neigung  zum  Obstbau  geweckt;  auch  erhält  nach  den
neuesten  Lehrplänen  bereits  das  Kind  in  der  Volksschule  den
ersten  Unterricht  in  der  Obstbaumzucht,  im  Oculiren  und  Pfropfen, ­
  was  die  Lust  zu  dieser  edlen  Beschäftigung  immer  mehr
steigert.  _
Wenn  auch  weniger  zum  Obstbau  gehörig,  ist  die  Melone
zu  erwähnen,  die  mehr  oder  minder  auf  dem  Ackerfelde  gebaut ­
  wird.  Einige  renommirte  Melonenzüchter  produciren  sehr
edle  Exemplare  in  grosser  Anzahl;  so  werden  vom  Heveser  und
den  Nachbar-Comitaten  Wassermelonen  wagenweise  in  die  Hauptstadt ­
  gebracht,  von  wo  sie  dann  ins  Ausland  transportirt  werden, ­
  und  so,  besonders  seit  der  Erleichterung  des  Verkehres
durch  die  Eisenbahnen,  einen  blühenden  Handelsartikel  bilden.
Unter  den  die  Landwirthschaft  fördernden  geistigen  und
.sociellen  Factoren  ist  in  erster  Reihe  zu  erwähnen  der  vaterländische ­
  landwirthschaftliche  Verein  in  Pest,
welcher  zur  Zeit  der  politischen  Stagnation  des  Landes  (in  der
zweiten  Hälfte  der  50er  und  im  Anfänge  der  60er  Jahre)  gewissermassen
  der  Brennpunkt  der  gesammten  volkswirthschaftlichen
Bewegung  in  Ungarn  war.  In  seiner  natioual-ökonomischen  Fachabtheilung ­
  wurden  alle  das  Land  betreffenden  wichtigem  Fragen
eingehend  verhandelt  und  obgleich  er  keine  vollziehende  Gewalt ­
  hatte,  so  übte  derselbe  dennoch  mit  dem  Gewichte  des  Namens
seiner  Mitglieder  durch  seine  Adressen,  welche  als  die  einstimmige
Erklärung  der  gesammten  Intelligenz  des  Landes  betrachtet
werden  konnten,  auf  die  Statthalterei  und  auf  den  später  wieder
hergestellten  Statthaltereirath  einen  solchen  Einfluss  aus,  dass
das  grösste  Verdienst  um  die  zum  Heil  des  Landes  dienenden
Verfügungen  jener  Zeit  diesem  Vereine  gebührt.
Aber  ausser  den  volkswirthschaftlichen  Fragen  wirkte  der
landwirthschaftliche  Verein  auch  in  unmittelbaren  Fachfragen
mit  Energie.  Sein  Fachblatt  ^die  landwirtschaftlichen  Blätter*
(Gazdasägi  lapok)  kam  in  die  Hände  aller  unserer  hervorragendem ­
  Producenten  und  die  vielen  darin  ertheilten  rationellen
            
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