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Full text : Schweden : Weltausstellung 1873 in Wien

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GR.  XII.  GRAPHISCHE  KÜNSTE  UND  GEWERBLICHES  ZEICHNEN.

bereitet.  Diese  fabricirt  auch  farbige  Papiersorten ­
  (Buntpapier)  u.  a.  m.  Mit  dem
Buchbinden  als  Handwerksnahrungszweig

beschäftigten  sich  der  Angabe  nach  i.  J.
1871  mehr  als  700  Personen,  wovon  35
weibliche.

Gruppe  XII.
Graphische  Künste  und  gewerbliches  Zeichnen.

Buchdruck.  "Unter  Pressfreiheit  versteht ­
  man”  —  so  heisst  es  in  dem  schwedischen ­
  Grundgesetze  —  "das  Recht  eines
jeden  Schweden  Schriften  zu  veröffentlichen,
ohne  dass  ihm  zuvor  von  der  öffentlichen
Macht  Hindernisse  in  den  Weg  gelegt  werden ­
  dürfen;  sowie  ferner,  dass  er  hernach
wegen  des  Inhaltes  derselben  nur  vor  einem ­
  gesetzlichen  Richterstuhl  zur  Verantwortung ­
  gezogen  und  in  keinem  andern
Falle  dafür  bestraft  werden  kann,  als  wenn
dieser  Inhalt  mit  einem  deutlichen  Gesetze
in  Widerspruch  steht,  welches  gegeben  ist
zur  Bewahrung  der  allgemeinen  Ruhe,  ohne
die  allgemeine  Aufklärung  zurückzuhalten.”
Die  Pressfreiheits-Verordnung  vom  16
Juli  1812  (das  vierte  unter  den  Grundgesetzen ­
  des  Reiches)  enthält  u.  a.  die  folgenden
Bestimmungen:  der  Veröffentlichung  einer
Schrift  darf  keine  Censur  vorangehen,  und
es  sind  dazu  keinerlei  Privilegien  erforderlich; ­
  zur  Herausgabe  von  Zeitungen  oder
periodischen  Zeitschriften  bedarf  es  nur  einer ­
  Anmeldung  bei  dem  Staatsminister  der
Justiz,  und  das  Gesuch  um  Erlaubniss  dazu
wird  nur  in  dem  Falle  nicht  bewilligt,
wenn  der  Ansucher  wegen  eines  schimpflichen ­
  Verbrechens  verurtheilt  oder  für  unwürdig ­
  erklärt  worden  ist,  vor  Gericht  für
Andre  das  Wort  zu  führen;  auch  zu  der
Errichtung  einer  Buchdruckerei  ist  kein  Privilegium, ­
  sondern  nur  eine  Anzeige  bei
den  Behörden  erforderlich;  doch  soll  eine
Druckerei  in  einer  Stadt  oder  in  der  Entfernung ­
  von  höchstens  i  schw.  (|  geogr.)
Meile  von  einer  solchen  angelegt  werden;
auf  jeder  Schrift  soll  der  Name  des  Buchdruckers ­
  und  des  Druckjahres  sowie  die
Jahreszahl  stehen.
Das  älteste  in  Schweden  gedruckte  Buch
("Vita  sive  legenda  cum  miraculis  Katherine”)
  ist  i.  J.  1474  und  ein  anderes  (”Dyalogus
  creaturarum  moralizatus”)  i.  J.  1483
gedruckt,  beide  in  Stockholm  von  herumwandernden ­

  Buckdruckern.  Seit  1491  hat
Stockholm  wahrscheinlich  eine  feste  Buchdruckerei ­
  besessen;  damals  wurden  hier
Ablassbriefe  sowie  das  erste  in  schwedischer ­
  Sprache  herausgegebene  Buch  (”Aff
dyäfvolsens  frästilse”,  d.  i.  Ueber  die  Versuchung ­
  des  Teufels)  1495  gedruckt.  Diese
Druckerei  ruhte  gleichwohl  nach  1498.  Der
König  Gustaf  I  liess  i.  J.  1525  in  Stockholm ­
  eine  andere  einrichten,  welche  das
Organ  der  Reformation  und  der  königlichen
Macht  wurde.  Die  Orte,  in  denen  die
übrigen  ältesten  Buchdruckereien  angelegt
wurden,  sind:  das  Kloster  Wadstena  (1495),
Uppsala  (1510),  Söderköping  (1523,  verlegt ­
  nach  Malmö  1528),  Westeräs  (1621),
Strengnäs  (1622),  Kalmar  (1626,  verlegt
nach  Linköping  1636),  Nyköping  (1645,
verlegt  nach  Göteborg  1650),  Lund  (1663).
Visingsö  (Insel  im  Wetter-See)  erhielt  1666
eine  Druckerei,  welche  1688  nach  Jönköping
  verlegt  wurde,  und  i.  J.  1707  erhielt
Skara  seine  erste  Druckerei.
I.  J.  1740  gab  es  in  Schweden  18
Buchdruckereien,  wovon  8  in  Stockholm;
1840  gab  es  74,  wovon  19  in  Stockholm;
jetzt  giebt  es  im  Reiche  146  Buchdruckereien, ­
  vovon  28  in  Stockholm;  i.  J.  1870
waren  bei  den  Druckereien  (damals  143)
629  Gehülfen,  539  Lehrlinge  und  67  Frauenzimmer, ­
  Summa  1,235  Personen  beschäftigt,
davon  in  Stockholm  323  Gehülfen,  211  Lehrlinge ­
  und  30  Frauenzimmer,  Summa  564
Personen.  Bei  diesen  Druckereien  wurden
etwa  100  Maschinen-  und  200  Handpressen ­
  angewendet.
Unter  den  aus  den  Buchdruckereien  hervorgegangenen
  Erzeugnissen  nehmen  hier,
wie  anderwo,  die  Zeitungen  und  Zeitschriften ­
  einep  hervorragenden  Platz  ein,
von  welchen  1871  erschienen  216  und
davon  52  in  Stockholm.  Es  wird  berechnet, ­
  dass  i.  J.  1870  allein  durch  die  Postaustalt
  6,000,000  inländische  und  300,000
            
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