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Full text: Schweden : Weltausstellung 1873 in Wien

GR. XVI. HEERESWESEN. 
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jeden Distrikt von dem Könige comman- 
dirt und erhält einen Generalstabs-Officier 
zu seinem Gehülfen. Die an den Uebun- 
gen theilnehmenden Officiere von den Re 
gimentern werden tourweise, die Regiments- 
Offioiere von dem Könige und die übrigen 
von den resp. Regimentschefs commandirt. 
Schiessschule. Zur Beibringung einer 
besseren Kenntniss des Handgewehres wird 
von 3 Jahren an zweien bei dem Schlosse 
Drottningholm (1 Meile von Stockholm) 
eine Schiessschule berufen, zu welcher Of 
ficiere von allen Infanterie-Regimentern 
und Corps als Zöglinge commandirt wer 
den. Die Anzahl der Zöglinge ist so gross, 
dass an 3 auf einander folgenden Jahren 
ein Officier von jedem Bataillon Unterricht 
in der Schule genossen hat. Ausser den 
Zöglingen und der nöthigen Anzahl von 
Gewehr-Handwerkern und aufwartender 
Mannschaft besteht das Personal aus 1 Chef 
nebst Adjutanten und 3 Lehrern, von de 
nen einer in dem ballistischen, einer in dem 
technischen und einer in dem praktischen 
Theile des Cursus unterrichtet. Der Cur- 
sus wird in zwei Monaten durchgemacht, 
und sowohl der Befehl und die Lehrer als 
auch die Zöglinge erhalten während der 
Zeit des Commandos zu der Schule eine 
besondere Besoldung. 
Das gymnastische Central-Institut. Diese 
in Stockholm befindliche Lehranstalt hat den 
Zweck, theils Gymnastik- und Fecht-Lehrer 
für die Elementar-Lehranstalten, theils Krau- 
ken-Gymnasten und theils Gymnastik-Offi- 
ciere für die Regimenter auszubilden. Zu 
der Durchmachung des Cursus werden jähr 
lich von den sämmtlichen Regimentern und 
Corps der Armee 14 Officiere tourweise und 
2 von der Flotte commandirt; ausserdem 
aber melden sich freiwillig mehre Officiere 
zur Theilnahme an dem Unterricht. Das 
Lehrerpersonal, welches Gebühren oder fe 
ste Besoldungen erhält, besteht aus: 1 Vor 
steher (welcher zugleich Oberlehrer für die 
militärische Abtheilung ist), 2 Oberlehrern 
(1 für die pädagogische und 1 für die 
medizinische Abtheilung), 3 Lehrern und 
einer unbestimmten Anzahl ausserordent 
licher Lehrer. Die commandirten Zöglinge 
erhalten Tagestraktament während des Auf 
enthaltes bei der Schule. Der Cursus ist zwei 
jährig. Der Unterricht, welcher sowohl theo 
retisch als auch praktisch ist, dauert von 
dem 1 September bis zum 15 darauf fol 
genden April. Der jährliche Staatsanschlag 
besteht in 29,400 R:dr und das ganze Ein 
kommen des Instituts in etwa 40,000 R:dr 
im Jahre. 
Um * Kenntniss in der Gewehrbesichti- 
gung zu erhalten, werden von der Infan 
terie 1—2 Officiere jährlich beordert zum 
Durchmachen eines praktischen Cursus von 
8 Monaten in der Gewehrfaktorei Carl Gu 
stafs Stad bei Eskilstuna, welche der Krone 
gehört und unter der Aufsicht der Artille 
rie steht. Während dieser Zeit erhalten die 
beorderten Officiere Tagestraktament. 
Die ”Pionier-Officiere", welche als Be 
fehlshaber der Regiments-Pioniere die 
nen sollen, erhalten ihre technische Aus 
bildung unter den Feldübungen der Forti- 
fication in Karlsborg. Zur Theilnahme an 
diesen Uebungen, welche jährlich 30 Tage 
dauern, wird gegen besondere Besoldung 
in jedem zweiten Jahre ein Officier von je 
dem Infanterie-Regimente und in jedem 
4ten Jahre von jedem Corps commandirt. 
Um in den Infanterie-Regimentern die Ge 
wohnheit bei der Leitung und Ausführung 
der Feldarbeiten besser zu verbreiten, ist 
bestimmt, dass sowohl die vorgeschriebene 
Anzahl des Ober- und Unterbefehles der 
Pioniere als auch diese selbst nicht län 
ger als 4 Jahre in dieser Eigenschaft dienen 
und darauf durch neue ersetzt werden sollen. 
Reitschule. Um zum Lieutenant bei der 
Cavallerie befördert werden zu können, müs 
sen zuvor die Unterlieutenants einen zwei 
jährigen Cursus in der nach dem Schlosse 
Strömsholm (zwischen Vesteräs und Kö- 
ping) verlegten Reitschule durchgemacht 
haben. Zu der Schule werden ausserdem 
Artillerie- und Fortifications-Officiere com 
mandirt. Der Unterricht, welcher von dem 
15 September bis zum 15 darauf folgen 
den März dauert, umfasst Reiten (täglich 
3—5 Pferde, davon 1 Schulpferd, 1- -2 
uneingerittene Pferde und 1 sog. Feldpferd), 
praktische Pferdekenntniss, Fechten nebst 
Gymnastik, Scheibenschiessen mit Revolver 
sowohl zu Fuss als zu Pferde und ausser 
dem Reitlehre, Hufbeschlagen und Veteri- 
nairlehre. Das bei Strömsholm befindliche, 
dem Staate gehörige Gestüt liefert die er 
forderlichen Reitpferde, und ausserdem ist 
jeder Officier berechtigt ein Dienstpferd zur 
Schule mitzubringen. Das Befehlspersonal 
besteht aus 1 Chef (zugleich Chef der Ge 
stüt-Anstalt), 1 Stallmeister, 2 Lehrern im
	        
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