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Full text : Schweden : Weltausstellung 1873 in Wien

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ANHANG.  WEIBLICHE  ARBEITEN.

eine  Ursache,  dass  viele  Dalekarlierinnep
sich  durch  ihre  Fertigkeit  in  Haararbeiten
auszeichnen,  welche  sie  nicht  nur  in  Schweden, ­
  sondern  auch  in  den  Nachbarländern
abzusetzen  suchen.
In  dem  südlichen  und  in  Theilen  des
mittleren  Schwedens,  wo  sich  die  Nationaltracht ­
  noch  beibehalten  hat,  gehören  Kunstgewebe, ­
  Stickereien  und  künstliche  Näthereien
  nicht  ausschliesslich  den  Kleidungsstücken ­
  an,  sondern  sie  kommen  auch  an
Matten,  Decken,  Vorhängen,  Wagenkissen
u.  a.  m.  vor.  Bei  feierlichen  Gelegenheiten ­
  werden  die  Wände  und  Bänke  der  Stube ­
  mit  Vorhängen  und  Decken  von  einem
kunstmässigen  sog.  ”Snär”-Gewebe  (d.  i.  eine
Art  Gobelin)  geziert,  welche  bisweilen  Scenen
  aus  der  biblischen  Geschichte  vorstellen ­
  und  sorgfältig  als  Familienkleinodien
aufbewahrt  werden.
Auch  Lappland  hat  seine  Eigenthümlichkeiten
  in  Betreff  weiblicher  Arbeiten
aufzuweisen.  So  werden  von  den  Lappländerinnen ­
  sowohl  Schuhzeuge  als  auch
die  übrigen  Kleidungsstücke  aus  Renthierfellen
  angefertigt,  und  überdies  zieren  sie
ihre  Tracht  mit  künstlich  gewebten  Bändern
von  prächtigen  Farben,  welche  den  Rock
”kolt”  Zusammenhalten,  und  mit  einem  reich
ausgestickten  Brustlatz,  lapp.  ”ätsä  —  leppa”,
in  welchen  sie  ihren  Stolz  setzen.  Zu  diesen ­
  Stickereien  wird  auch  Zinkdrath  benutzt; ­
  übrigens  aber  wenden  sie  zu  ihren

Näthereien  meistens  einen  selbstverfertigten
Zwirn  an,  welcher  aus  gut  zusammengedrehten ­
  Renthiersehnen  besteht.
Die  Haushaltungsgesellschaften,  welche
nunmehr  in  allen  Län  des  Reiches  vorhanden ­
  sind,  bemühen  sich  auf  eine  lobenswürdige
  Weise,  die  Hausindustrie  zu  erweitern ­
  und  zu  beschützen,  und  sie  senden
zu  diesem  Zwecke  Lehrerinnen  umher,  welche
theils  im  Korb-,  und  Strohflechten,  theils
im  Weben  Unterricht  ertheilen,  um  in  dieser ­
  Arbeit  unter  den  Landleuten  diejenige
Geschicklichkeit  zu  verbreiten,  welche  auf
den  grossen  Gütern  ziemlich  allgemein  ist,
und  sich  dort  in  schönen  Proben  von  Drillich-,
Damast-,  Matten-  und  Möbelzeug-Geweben
offenbart.  Aufmunternde  Resultate  solcher
Massregeln  hat  man  Gelegenheit  bei  den
jährlichen  Ausstellungen  der  erwähnten  Gesellschaften ­
  wahrzunehmen.  Das  Strohflechten, ­
  welches  zwar  seit  alten  Zeiten  unter
den  Landleuten  zum  Hausbedarf  betrieben
worden  ist,  aber  keine  zeitgemässe  Entwickelung ­
  erhalten  hat,  ist  in  den  letzten  zehn
Jahren  mehr  verbreitet  worden,  und  man
hat  seine  Aufmerksamkeit  mehr  darauf
gerichtet.  Eine  Lehrerin  führt  z.  B.  an,
dass  sie  seit  1868  in  dieser  Kunst  850
Zöglinge  unterrichtet  hat,  die  im  Alter
zwischen  8  und  73  Jahren  variirten.  In
einer  an  Norwegen  grenzenden  Landschaft
sind  von  Norwegen  Bestellungen  von  Strohflechten ­
  zu  4,000  Hüten  eingegangen.
            
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