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Full text: Schweden : Weltausstellung 1873 in Wien

GR. II. 
LAND- UND FORSTWIRTSCHAFT, GARTENBAU. FISCHEREIWESEN. 
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oberen Theile des Thaies ist die Erde mehr mit 
Sand vermischt und loser, sowie im Allgemeinen 
sehr humushaltig. Von festerem Boden giebt es 
ungefähr 1,200 □ Refvar = 105 Hectares und von 
loserem circa 00 Hectares. Aller verarrendirte 
Boden ist in der Nähe eines durch die Besitzungen 
sich hinziehenden Sandrückens gelegen und besteht 
daher zum grössten Theile aus losem Sande mit 
grösserem oder geringerem Humusgehalte. Der 
Boden des Hauptgutes zerfällt in drei Hanpt- 
abtheiluugen, eine festere, eine losere und eine 
dem Gute zunächst gelegene niedrigere. Die erste 
Abtheilung, 1,042 □ Refvar = 92 Hectares, ist zu 
einem zehnjährigen Umlauf eingetheilt, nämlich 
Brache, stark gedüngt, Roggen zur Reife oder als 
Grünfutter mit eingesäeten Samen von Timotheus 
(Phleum pratense),' Alsike-Klee (Trifolium hybri- 
dum) und Rothklee (Trifolium pratense), darauf 
während dreier Jahre Grasernten, im sechsten 
Jahre Hafer, im siebenten Wicken zu Futter, 
stark gedüngt, dann Weizen, .Gerste und im letzten 
Jahre Hafer und Schotenfrüchte, Erbsen und 
Wicken, zur Reife. Die zweite Abtheilung, 680 
□ Refvar = 59,8 Hectares, hat zwölfjährigen 
Umlauf, mit einem Felde ohne regelmässigen 
Fruchtwechsel zu freiem -Gebrauche. Die Frucht 
folge ist: gedüngte Brache, worauf bisweilen zur 
Johanniszeit Wicken zu Grünfutter im Herbst 
gesäet werden, dann Roggen oder Gerste mit ein 
gesäeten Samen der oben angeführten Mischung, 
drei Jahre Gras mit Klee gemischt als Heu, im 
sechsten Jahre Roggen nach Tiefpflügung und 
Düngung, danach Kartoffeln auch gedüngt, denen 
Gerste folgt; im neunten Jahre Wicken als Grün 
futter, gedüngt, wonach im zehnten Jahre Gerste 
und im elften Hafer folgt. Die dritte Abtheilung, 
151 □ Refvar = 13,2 Hectares, ist fast aus 
schliesslich Graswiese, die im Frühling und Herbst 
aus drei zu diesem Zwecke eingerichteten grossen 
Wasserbehältern berieselt wird, in welchen sich 
theils das Wasser eines kleinen Baches, theils alle 
Jauche und unreines Wasser aus den Viehgärten 
und übrigen Ställen, sowie von dem ganzen Hof 
platze ansammelt. Das vorherrschende Gras auf 
diesen Wiesen ist der Wiesen-Fuchsschwanz (Alo- 
pecurus pratensis). Der ganze Boden ist drainirt. 
Das Düngen, Bearbeiten und Besäen des Bodens. 
Die Nähe der Hauptstadt gewährt Dünger in 
Menge und vier Pferde sind das ganze Jahr 
hindurch mit Anführen desselben beschäftigt, der 
entweder gewöhnlicher Dünger, meist von Pferden, 
oder Latrinen-Dünger aus Kasernen und Arbeits 
häusern ist. Aus Letzterem wird mittelst Bei 
mengung anderen mit Stroh gemischten Düngers 
Compost gemacht, doch gelangt er auch allein 
zur Anwendung, wie vor Roggen nach dem liet- 
pflügen im zweiten Umlauf. Bisweilen werden 
auch, w'enn es erforderlich ist,künstliche Düngungs- 
rcittel, wie schwefelsaures Ammoniak, Superphos 
phat und Kali-Magnesia angewandt. 
Aller der Boden, welcher im Frühling besäet 
oder während des Sommers als Brache behandelt 
werden soll, wird im Oktober gepflügt. Die hier 
bei gebrauchten Pflüge sind theils von amerika 
nischer Construction. welcher auf Stoppelfeld an 
gewandt wird, theils von englischer, der fast aus 
schliesslich benutzt wird, um mehrjährigen Rasen 
zur Frühlingssaat umzustürzen. Diese beiden, 
sowie verschiedene anderen Pflüge werden von 
ausgezeichneter Güte und zu billigem Preise von 
mehreren schwedischen Fabriken angefertigt. Der 
schwerere Boden ist im Frühjahr, wenn die Saat 
bewerkstelligt werden soll, meistentheils hart und 
fest an der Oberfläche und die harte Kruste lässt 
sich mit der Egge wohl brechen, nicht aber mit 
gewöhnlichen Geräthen so fein zertheilen, damit 
die Saat bei der in der Regel sehr trockenen 
Witterung während des Monates Mai keimen kann. 
Um in einem trockenen Frühlinge die hier noth- 
wendige vollständige Pulverisirting der Oberfläche 
des Ackers zu Wege zu bringen, ist ein seit vielen 
Jahren erprobtes, sehr wirksames und einfaches 
Gerüth erfunden worden, welches Frühlingsschleppe 
genanut wird, und von dem zur Vermeidung einer 
Beschreibung, die doch kein anschauliches Bild 
von demselben geben würde, ein Modell in '/s 
natürlicher Grösse ausgestellt ist. Nachdem die 
Erde mit dieser Schleppe geebnet und an der 
Oberfläche pulverisirt worden, wird die Saat 
mit der Hand ausgestreut und darauf eingeeggt 
oder es wird der Boden mit der Egge 5" bis 
6" tief bearbeitet und das Säen daun mit der 
Maschine gleich darnach bewerkstelligt. Von 
Eggen kommen mehrere Arten, schwerere und 
leichtere, alle doch mit starken eisernen Zähnen 
versehen, die bei den schwereren etwas nach vorn 
gebogen sind, in Anwendung. 
Wenn Grassamen gesäet wird, sei es im Früh 
jahr in Gerste oder im Herbst in Roggen, ge 
schieht dieses vermittelst der Maschine unmittel 
bar nachdem die Saat eingeeggt worden und wird 
die Erde dann mit Walzen geebnet und zusammen 
gedrückt. Von letztgenanntem Geräthe werden 3 
Arten gebraucht, nämlich eine hölzerne aus 2 an 
derselben Achse laufenden ebenen Cylindern be 
stehend und 2 eiserne, die hinsichtlich ihrer 
Construction sehr verschieden sind, jedoch den 
gemeinschaftlichen Zweck haben, grobe Erdklösse 
zu zermalmen, die sich nach Ausführung des 
Düngers auf der Brache oder auf dem für die 
Weizensaat anfgepflügten Wickenstoppel vorfinden 
könnten. 
Das obenerwähnte Tiefpflügen des Rasens aus 
dem dritten Jahre in der zweiten Abtheilung für 
Roggensaat wird mit zwei Pflügen bewerkstelligt, 
die hinter einander in derselben Furche gehen 
und von denen der erste, ein gewöhnlicher Pflug, 
den Rasen bis zu einer Tiefe von 6" bis T um- 
wendet; ihm folgt der zweite, ein vom Franzosen 
Bonnet construirter, nunmehr in Schweden ange 
fertigter starker Grundpflug mit hohem und steilem 
Streichblech, der aus der Furche bis 6" oder 7" 
Tiefe die Grunderde aufnimmt, und auf der vorher 
umgewandten Schar ausbreitet. Der letztere Pflug 
wird von 2 Paar Ochsen gezogen. Wenn die 
Grunderde einigermassen locker und trocken ist, 
eignet sich der also gepflügte Boden nach Ebnung 
mit der Frühlingsschleppe und Düngung in hohem 
Grade zur Herbstsaat. Genannter Grundpflug wird 
auch bisweilen an höheren Stellen der Brache in 
der ersten Abtheilung angewandt, im Allgemeinen 
ist aber die Grunderde unter der Ackererde so 
zähe, hart und uhfrnchtbar, dass es kein Vortheil 
wäre sie an die Oberfläche zu bringen. 
Die Menge der Aussaat beträgt: von Weizen 
und Roggen 1 höchstens 1,10, von Gerste 1,20 
bis l,6o" und von Hafer ungefähr 2,80 Hectaliter 
per Hectare.
	        
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