GR. II.
LAND- UND FORSTWIRTSCHAFT, GARTENBAU. FISCHEREIWESEN.
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oberen Theile des Thaies ist die Erde mehr mit
Sand vermischt und loser, sowie im Allgemeinen
sehr humushaltig. Von festerem Boden giebt es
ungefähr 1,200 □ Refvar = 105 Hectares und von
loserem circa 00 Hectares. Aller verarrendirte
Boden ist in der Nähe eines durch die Besitzungen
sich hinziehenden Sandrückens gelegen und besteht
daher zum grössten Theile aus losem Sande mit
grösserem oder geringerem Humusgehalte. Der
Boden des Hauptgutes zerfällt in drei Hanpt-
abtheiluugen, eine festere, eine losere und eine
dem Gute zunächst gelegene niedrigere. Die erste
Abtheilung, 1,042 □ Refvar = 92 Hectares, ist zu
einem zehnjährigen Umlauf eingetheilt, nämlich
Brache, stark gedüngt, Roggen zur Reife oder als
Grünfutter mit eingesäeten Samen von Timotheus
(Phleum pratense),' Alsike-Klee (Trifolium hybri-
dum) und Rothklee (Trifolium pratense), darauf
während dreier Jahre Grasernten, im sechsten
Jahre Hafer, im siebenten Wicken zu Futter,
stark gedüngt, dann Weizen, .Gerste und im letzten
Jahre Hafer und Schotenfrüchte, Erbsen und
Wicken, zur Reife. Die zweite Abtheilung, 680
□ Refvar = 59,8 Hectares, hat zwölfjährigen
Umlauf, mit einem Felde ohne regelmässigen
Fruchtwechsel zu freiem -Gebrauche. Die Frucht
folge ist: gedüngte Brache, worauf bisweilen zur
Johanniszeit Wicken zu Grünfutter im Herbst
gesäet werden, dann Roggen oder Gerste mit ein
gesäeten Samen der oben angeführten Mischung,
drei Jahre Gras mit Klee gemischt als Heu, im
sechsten Jahre Roggen nach Tiefpflügung und
Düngung, danach Kartoffeln auch gedüngt, denen
Gerste folgt; im neunten Jahre Wicken als Grün
futter, gedüngt, wonach im zehnten Jahre Gerste
und im elften Hafer folgt. Die dritte Abtheilung,
151 □ Refvar = 13,2 Hectares, ist fast aus
schliesslich Graswiese, die im Frühling und Herbst
aus drei zu diesem Zwecke eingerichteten grossen
Wasserbehältern berieselt wird, in welchen sich
theils das Wasser eines kleinen Baches, theils alle
Jauche und unreines Wasser aus den Viehgärten
und übrigen Ställen, sowie von dem ganzen Hof
platze ansammelt. Das vorherrschende Gras auf
diesen Wiesen ist der Wiesen-Fuchsschwanz (Alo-
pecurus pratensis). Der ganze Boden ist drainirt.
Das Düngen, Bearbeiten und Besäen des Bodens.
Die Nähe der Hauptstadt gewährt Dünger in
Menge und vier Pferde sind das ganze Jahr
hindurch mit Anführen desselben beschäftigt, der
entweder gewöhnlicher Dünger, meist von Pferden,
oder Latrinen-Dünger aus Kasernen und Arbeits
häusern ist. Aus Letzterem wird mittelst Bei
mengung anderen mit Stroh gemischten Düngers
Compost gemacht, doch gelangt er auch allein
zur Anwendung, wie vor Roggen nach dem liet-
pflügen im zweiten Umlauf. Bisweilen werden
auch, w'enn es erforderlich ist,künstliche Düngungs-
rcittel, wie schwefelsaures Ammoniak, Superphos
phat und Kali-Magnesia angewandt.
Aller der Boden, welcher im Frühling besäet
oder während des Sommers als Brache behandelt
werden soll, wird im Oktober gepflügt. Die hier
bei gebrauchten Pflüge sind theils von amerika
nischer Construction. welcher auf Stoppelfeld an
gewandt wird, theils von englischer, der fast aus
schliesslich benutzt wird, um mehrjährigen Rasen
zur Frühlingssaat umzustürzen. Diese beiden,
sowie verschiedene anderen Pflüge werden von
ausgezeichneter Güte und zu billigem Preise von
mehreren schwedischen Fabriken angefertigt. Der
schwerere Boden ist im Frühjahr, wenn die Saat
bewerkstelligt werden soll, meistentheils hart und
fest an der Oberfläche und die harte Kruste lässt
sich mit der Egge wohl brechen, nicht aber mit
gewöhnlichen Geräthen so fein zertheilen, damit
die Saat bei der in der Regel sehr trockenen
Witterung während des Monates Mai keimen kann.
Um in einem trockenen Frühlinge die hier noth-
wendige vollständige Pulverisirting der Oberfläche
des Ackers zu Wege zu bringen, ist ein seit vielen
Jahren erprobtes, sehr wirksames und einfaches
Gerüth erfunden worden, welches Frühlingsschleppe
genanut wird, und von dem zur Vermeidung einer
Beschreibung, die doch kein anschauliches Bild
von demselben geben würde, ein Modell in '/s
natürlicher Grösse ausgestellt ist. Nachdem die
Erde mit dieser Schleppe geebnet und an der
Oberfläche pulverisirt worden, wird die Saat
mit der Hand ausgestreut und darauf eingeeggt
oder es wird der Boden mit der Egge 5" bis
6" tief bearbeitet und das Säen daun mit der
Maschine gleich darnach bewerkstelligt. Von
Eggen kommen mehrere Arten, schwerere und
leichtere, alle doch mit starken eisernen Zähnen
versehen, die bei den schwereren etwas nach vorn
gebogen sind, in Anwendung.
Wenn Grassamen gesäet wird, sei es im Früh
jahr in Gerste oder im Herbst in Roggen, ge
schieht dieses vermittelst der Maschine unmittel
bar nachdem die Saat eingeeggt worden und wird
die Erde dann mit Walzen geebnet und zusammen
gedrückt. Von letztgenanntem Geräthe werden 3
Arten gebraucht, nämlich eine hölzerne aus 2 an
derselben Achse laufenden ebenen Cylindern be
stehend und 2 eiserne, die hinsichtlich ihrer
Construction sehr verschieden sind, jedoch den
gemeinschaftlichen Zweck haben, grobe Erdklösse
zu zermalmen, die sich nach Ausführung des
Düngers auf der Brache oder auf dem für die
Weizensaat anfgepflügten Wickenstoppel vorfinden
könnten.
Das obenerwähnte Tiefpflügen des Rasens aus
dem dritten Jahre in der zweiten Abtheilung für
Roggensaat wird mit zwei Pflügen bewerkstelligt,
die hinter einander in derselben Furche gehen
und von denen der erste, ein gewöhnlicher Pflug,
den Rasen bis zu einer Tiefe von 6" bis T um-
wendet; ihm folgt der zweite, ein vom Franzosen
Bonnet construirter, nunmehr in Schweden ange
fertigter starker Grundpflug mit hohem und steilem
Streichblech, der aus der Furche bis 6" oder 7"
Tiefe die Grunderde aufnimmt, und auf der vorher
umgewandten Schar ausbreitet. Der letztere Pflug
wird von 2 Paar Ochsen gezogen. Wenn die
Grunderde einigermassen locker und trocken ist,
eignet sich der also gepflügte Boden nach Ebnung
mit der Frühlingsschleppe und Düngung in hohem
Grade zur Herbstsaat. Genannter Grundpflug wird
auch bisweilen an höheren Stellen der Brache in
der ersten Abtheilung angewandt, im Allgemeinen
ist aber die Grunderde unter der Ackererde so
zähe, hart und uhfrnchtbar, dass es kein Vortheil
wäre sie an die Oberfläche zu bringen.
Die Menge der Aussaat beträgt: von Weizen
und Roggen 1 höchstens 1,10, von Gerste 1,20
bis l,6o" und von Hafer ungefähr 2,80 Hectaliter
per Hectare.