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Full text : Die österreichische Kunst-Industrie und die heutige Weltlage : Vortrag, gehalten im k. k. österreichischen Museum am 27. October 1870

biete  des  deutschen  Reiches  brachte,  war  Frankreich  ein  industriereiches ­
  Land  und  es  wird  ein  solches  auch  wenn  diese
Landschaften  mit  dem  deutschen  Mutterlande  wieder  vereinigt
sein  werden,  bleiben.  Es  gebietet  über  eine  nicht  gewöhnliche
Zahl  wissenschaftlich-technischer  und  industrieller  Capazitaten
und  ist  politisch  ein  geeinigtes  centralisirtes  Land.  Der  Normanne ­
  wird  nicht  gegen  den  Bretonen  gehetzt,  der  Burgunder
nicht  gegen  den  Bewohner  der  Champagne.  Der  Pariser  Industrielle ­
  ist  nicht  von  Provinzen,  in  denen  eine  geringere  Cultur
herrscht,  bedroht,  nicht  bedroht  in  seiner  Sprache,  in  seiner
Cultur;  er  wird  in  den  fernsten  Gebieten  der  Krone  Frankreichs ­
  nicht  als  Fremder  angesehen,  und  hat,  Dank  der  intelligenten ­
  und  auf  concentrisches  Wirken  berechneten  staatlichen
Gesetzgebung  und  Erziehung,  einen  ungehinderten  Markt  für
seine  Waare  in  ganz  Frankreich.  Diese  Vortheile  bleiben  Frankreich ­
  auch  nach  dem  unheilvollen  Kriege;  in  sehr  kurzer  Zeit
wird  sich  das  industrielle  Frankreich  wieder  erholen.
Einen  schweren  Schaden  hat  die  französische  Industrie
durch  die  gewaltsame  und  völkerrechtswidrige  Austreibung  der
Fremden,  vor  Allen  der  Deutschen  erlitten.  Denn  es  ist  bekannt, ­
  dass  insbesondere  in  Paris  viele  Zweige  der  Industrie
vorzugsweise  durch  deutsche  Arbeiter  gepflegt,  durch  deutsche
Chemiker  und  Mechaniker  geleitet  wurden.  Es  ist  nicht  das
erste  Mal,  dass  Frankreich,  durch  ungezügelten  politischen  Hass
geleitet,  Industrielle  und  Handwerker  mit  brutaler  Gewalt  austreibt. ­
  In  den  Zeiten  der  Hugenottenkriege  und  des  Edictes
von  Nantes  ist  dies  bereits  in  früheren  Jahrhunderten  geschehen. ­
  Die  vertriebenen  Protestanten  waren  grösstentheils
fleissige,  intelligente  Gewerbsleute  und  Handwerker.  Sie  flohen
zumeist  nach  England  und  Holland  und  gründeten  daselbst
eine  grosse  Anzahl  industrieller  Unternehmungen;  ein  kleinerer
Theil  wandte  sich  in  die  Schweiz  und  in  das  deutsche  Reich.
Man  hat  in  neuerer  Zeit  die  Spuren  dieser  französischen  Emigration ­
  emsig  verfolgt  und  englische  Geschichtsschreiber  haben
darüber  eingehend  berichtet.  Würden  die  Franzosen  gewöhnt
sein,  die  Geschichtsforschungen  des  Auslandes  zu  benützen,  so
            
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