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Full text : Die österreichische Kunst-Industrie und die heutige Weltlage : Vortrag, gehalten im k. k. österreichischen Museum am 27. October 1870

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Factoren  eines  reif  gewordenen  Spaniens,  Italiens,  Russlands
und  eines  politisch-selbstständigen  Deutschlands  rechnen.
Heute  wenden  sich  unsere  Blicke  dem  deutschen  Volke  zu.
Es  dürfte  wohl  keinem  Zweifel  unterliegen,  dass  das
deutsche  Volk  ganz  anders  organisirt  und  politisch  geeinigt  in
Mitteleuropa  in  Zukunft  erscheinen  wird,  als  in  den  Zeiten  des
deutschen  Bundestages.  Wie  zu  den  Zeiten  der  deutschen
Könige  aus  dem  sächsischen  und  schwäbischen  Hause,  wird
Deutschland  nicht  nur  ein  Culturstaat,  sondern  ein  Machtstaat ­
  sein.  Dies  vorausgesetzt,  werden  wir,  bevor  wir  die
specifisch  Österreichische  Frage  ins  Auge  fassen,  das  Wechselverhältniss
  der  Kunstindustrie  Frankreichs  zur  Kunstindustrie
Deutschlands,  also  mit  Ausschluss  Oesterreichs,  untersuchen.
Die  Kunstindustrie  Frankreichs  ist  die  Industrie  eines  cehtralisirten
  Staates,  der,  so  lange  er  existirt  hat,  ein  Gewicht
darauf  legte,  äusseren  Prunk,  Grazie  und  das  was  man  Esprit
nennt,  zu  entwickeln.
Frankreich  ist  ein  katholischer  Staat,  nicht  nach  dem  Geiste
seiner  Gesetzgebung,  sondern  nach  seinen  Gewohnheiten  und
Traditionen,  nach  dem  Glaubensbekenntniss  der  überwiegenden
Mehrzahl  seiner  Bewohner.  Die  französische  Gesellschaft,  insbesondere ­
  die  vornehme,  ist  seit  Jahrhunderten  an  einen  gewissen ­
  Luxus,  an  eine  gewisse  Frivolität  gewöhnt;  diese  Gewöhnung ­
  bildet  einen  essentiellen  Theil  der  Sitten  und  Unsitten
derselben.
Frankreich  hat  selten  jene  Vertiefung  seiner  geistigen  Bestrebungen ­
  gehabt,  aus  denen  das  Kunstideal  und  grosse  Kunstschulen ­
  emporwachsen,  aber  immer  jene  Verfeinerung  der  Genussmittel ­
  und  der  Lebensbedürfnisse,  welche  die  Kunstindustrie
befördert.  Alles  in  Allem  genommen,  ist  daher  die  französische
Kunstindustrie  aus  dieser  grossen  und  reichen,  geistvollen,  genussbedürftigen ­
  und  glanzsüchtigen  Gesellschaft  emporgewachsen.
Ganz  anders  ist  es  mit  der  deutschen  Kunstindustrie.
Wenn  auch  das  Deutschland  der  Zukunft  eine  concentrirtere
  Form  haben  wird,  als  das  der  jüngsten  Vergangenheit,
nie  wird  Deutschland  so  centralisirt  sein,  wie  Frankreich;  Ber-
            
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