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Factoren eines reif gewordenen Spaniens, Italiens, Russlands
und eines politisch-selbstständigen Deutschlands rechnen.
Heute wenden sich unsere Blicke dem deutschen Volke zu.
Es dürfte wohl keinem Zweifel unterliegen, dass das
deutsche Volk ganz anders organisirt und politisch geeinigt in
Mitteleuropa in Zukunft erscheinen wird, als in den Zeiten des
deutschen Bundestages. Wie zu den Zeiten der deutschen
Könige aus dem sächsischen und schwäbischen Hause, wird
Deutschland nicht nur ein Culturstaat, sondern ein Machtstaat
sein. Dies vorausgesetzt, werden wir, bevor wir die
specifisch Österreichische Frage ins Auge fassen, das Wechselverhältniss
der Kunstindustrie Frankreichs zur Kunstindustrie
Deutschlands, also mit Ausschluss Oesterreichs, untersuchen.
Die Kunstindustrie Frankreichs ist die Industrie eines cehtralisirten
Staates, der, so lange er existirt hat, ein Gewicht
darauf legte, äusseren Prunk, Grazie und das was man Esprit
nennt, zu entwickeln.
Frankreich ist ein katholischer Staat, nicht nach dem Geiste
seiner Gesetzgebung, sondern nach seinen Gewohnheiten und
Traditionen, nach dem Glaubensbekenntniss der überwiegenden
Mehrzahl seiner Bewohner. Die französische Gesellschaft, insbesondere
die vornehme, ist seit Jahrhunderten an einen gewissen
Luxus, an eine gewisse Frivolität gewöhnt; diese Gewöhnung
bildet einen essentiellen Theil der Sitten und Unsitten
derselben.
Frankreich hat selten jene Vertiefung seiner geistigen Bestrebungen
gehabt, aus denen das Kunstideal und grosse Kunstschulen
emporwachsen, aber immer jene Verfeinerung der Genussmittel
und der Lebensbedürfnisse, welche die Kunstindustrie
befördert. Alles in Allem genommen, ist daher die französische
Kunstindustrie aus dieser grossen und reichen, geistvollen, genussbedürftigen
und glanzsüchtigen Gesellschaft emporgewachsen.
Ganz anders ist es mit der deutschen Kunstindustrie.
Wenn auch das Deutschland der Zukunft eine concentrirtere
Form haben wird, als das der jüngsten Vergangenheit,
nie wird Deutschland so centralisirt sein, wie Frankreich; Ber-