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lin wird nie das für Deutschland werden können, was Paris für
Frankreich geworden ist. Dem Preussen, welches ganz Norddeutschland
borussificiren wollte, ist es nie gelungen, selbst
unter den Zeiten des Bundestages die Kunst unter die preussische
Pickelhaube zu bringen, das künstlerische Rheinland blieb immer
selbstständig. Wenn auch in der nächsten Zeit politisch und
militärisch der Süden mit dem Norden Hand in Hand gehen
wird, die Künstlerwelt in München, in Schwaben, in Nürnberg
wird immer ihre künstlerische Selbstständigkeit wahren, ohne
dabei politisch den Nationalgedanken aufzugeben.
Das katholische Deutschland ist nur am Rheine in der
Lage grossen Glanz zu entwickeln. Die katholische Kirche ist
politisch nie so gehoben worden wie in Frankreich unter Ludwig
dem Heiligen und Philipp August; sie ist allerdings zur
Apotheose einer Monarchie auch nicht so gemissbraucht worworden,
wie zu den Zeiten Ludwig des XIV. und Napoleon
des III., unter dem die Pfarrer auf dem Lande so zu sagen
geistliche Maires geworden sind, deren erste Aufgabe es war,
das dumme Landvolk zum Bonapartismus zu erziehen und in
der rechten Stimmung zur Wahlurne an jenen Tagen zu geleiten,
wo das souveräne Volk seinen suffrage universel auszuüben
hatte. Der Protestantismus in Deutschland aber entbehrt
fast allen kirchlichen Luxus, er erzieht das Volk zur Nüchternheit,
zur Sparsamkeit und zur Arbeit, die vornehmen und vornehmsten
Glieder der evangelischen Kirche, wie den ärmeren
Bürger und den Landmann. Dazu kömmt, dass ein grosser
Theil von Deutschland, der von Protestanten bewohnt wird,
bei weitem nicht von der Natur so begünstigt wird, wie la belle
France und das oliven- und rebenreiche Burgund und die Provence.
Die Voraussetzungen der Kunstindustrie sind daher in Deutschland
ganz anders als in Frankreich. Deutschland und Frankreich
werden sich daher ebenso sehr ausschliessen, als ergänzen,
nie aber in einander aufgehen. Nur eine ganz gedankenlose
Industrie, die vom geistigen Diebstahl lebt, hat sich mit französischen
Ideen gefüttert; nur in einem verkommenen Theile
der deutschen Gesellschaft hat bis auf unsere Tage das fran-