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Full text : Die österreichische Kunst-Industrie und die heutige Weltlage : Vortrag, gehalten im k. k. österreichischen Museum am 27. October 1870

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lin  wird  nie  das  für  Deutschland  werden  können,  was  Paris  für
Frankreich  geworden  ist.  Dem  Preussen,  welches  ganz  Norddeutschland ­
  borussificiren  wollte,  ist  es  nie  gelungen,  selbst
unter  den  Zeiten  des  Bundestages  die  Kunst  unter  die  preussische
Pickelhaube  zu  bringen,  das  künstlerische  Rheinland  blieb  immer
selbstständig.  Wenn  auch  in  der  nächsten  Zeit  politisch  und
militärisch  der  Süden  mit  dem  Norden  Hand  in  Hand  gehen
wird,  die  Künstlerwelt  in  München,  in  Schwaben,  in  Nürnberg
wird  immer  ihre  künstlerische  Selbstständigkeit  wahren,  ohne
dabei  politisch  den  Nationalgedanken  aufzugeben.
Das  katholische  Deutschland  ist  nur  am  Rheine  in  der
Lage  grossen  Glanz  zu  entwickeln.  Die  katholische  Kirche  ist
politisch  nie  so  gehoben  worden  wie  in  Frankreich  unter  Ludwig ­
  dem  Heiligen  und  Philipp  August;  sie  ist  allerdings  zur
Apotheose  einer  Monarchie  auch  nicht  so  gemissbraucht  worworden,
  wie  zu  den  Zeiten  Ludwig  des  XIV.  und  Napoleon
des  III.,  unter  dem  die  Pfarrer  auf  dem  Lande  so  zu  sagen
geistliche  Maires  geworden  sind,  deren  erste  Aufgabe  es  war,
das  dumme  Landvolk  zum  Bonapartismus  zu  erziehen  und  in
der  rechten  Stimmung  zur  Wahlurne  an  jenen  Tagen  zu  geleiten, ­
  wo  das  souveräne  Volk  seinen  suffrage  universel  auszuüben ­
  hatte.  Der  Protestantismus  in  Deutschland  aber  entbehrt
fast  allen  kirchlichen  Luxus,  er  erzieht  das  Volk  zur  Nüchternheit, ­
  zur  Sparsamkeit  und  zur  Arbeit,  die  vornehmen  und  vornehmsten ­
  Glieder  der  evangelischen  Kirche,  wie  den  ärmeren
Bürger  und  den  Landmann.  Dazu  kömmt,  dass  ein  grosser
Theil  von  Deutschland,  der  von  Protestanten  bewohnt  wird,
bei  weitem  nicht  von  der  Natur  so  begünstigt  wird,  wie  la  belle
France  und  das  oliven-  und  rebenreiche  Burgund  und  die  Provence.
Die  Voraussetzungen  der  Kunstindustrie  sind  daher  in  Deutschland ­
  ganz  anders  als  in  Frankreich.  Deutschland  und  Frankreich ­
  werden  sich  daher  ebenso  sehr  ausschliessen,  als  ergänzen,
nie  aber  in  einander  aufgehen.  Nur  eine  ganz  gedankenlose
Industrie,  die  vom  geistigen  Diebstahl  lebt,  hat  sich  mit  französischen ­
  Ideen  gefüttert;  nur  in  einem  verkommenen  Theile
der  deutschen  Gesellschaft  hat  bis  auf  unsere  Tage  das  fran-
            
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