Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichische Kunst-Industrie und die heutige Weltlage : Vortrag, gehalten im k. k. österreichischen Museum am 27. October 1870

zösische  Beispiel  unbedingte  Nachfolge  gefunden.  Das  Lorettenund
  Maitressenwesen,  die  Gourmandise  an  der  Tafel,  die  frivole ­
  Genusssucht  im  Theater,  dazu  kömmt  heutigen  Tages
auch  Titel-  und  Ordensucht,  das  Bade-  und  Börseleben  —  das
hat  diese  halbverkommene  deutsche  Gesellschaft  in  Paris  gründlich ­
  gelernt;  aber  die  guten  Seiten  des  Franzosen  hat  sie  nicht
hinübergenommen,  sie  hat,  ganz  ungleich  dem  französischen
Vorbilde,  Wissenschaft  und  Kunst  ebenso  fallen  gelassen,  wie
die  Industrie  und  das  Gewerbe.
Die  deutsche  Gesellschaft,  die  katholische  wie  die  protestantische ­
  bewahrte  aber  ihren  Kern  unberührt  von  dem  Treiben ­
  jener  Affen  des  Franzosenthumes,  und  bietet  bei  der  Nüchternheit ­
  ihrer  Weltanschauung  der  Kunstindustrie  nur  eine  anders
gefügte  und  bescheidene  Basis  für  ihre  Entwickelung.
Dagegen  hat  die  deutsche  Kunstindustrie  einen  grossen
Rückhalt  in  der  deutschen  Kunst;  denn  die  Vertiefung  des
Geistes,  die  Fland  in  Hand  geht  mit  der  Erhebung  derselben
zum  Ideal,  liegt  im  Wesen  des  deutschen  Volkes.  Sie  hat  die
grossen  Denker,  die  grossen  Dichter  und  Tonkünstler  geschaffen,
wie  die  grossen  Künstler  van  Eyk’s  und  Martin  Schön  angefangen ­
  bis  auf  Schinkel  und  Cornelius,  Overbeck  und  Christian
Rauch.  Der  deutschen  Kunstindustrie  kommt  ferner  der  Fleiss
und  die  Ausdauer  des  deutschen  Volkes  wesentlich  zu  statten.
Wie  das  deutsche  Volk  daher  nicht  so  darauf  angewiesen  ist,
wie  der  Franzose,  auswärtige  Talente  in  seinen  Dienst  zu
nehmen,  so  hat  es  jene  Zähigkeit  und  jene  Festigkeit  des
Willens  zugleich,  welche  ihre  grossen  Erfolge  auf  kunstindustriellem ­
  Gebiete  sichert.  Eine  Reihe  von  Erfindungen  ohne
welche  man  auf  kunstindustriellem  Gebiete  keinen  Schritt  vorwärts ­
  thun  könnte,  der  Kupferstich,  der  Holzschnitt,  Lithographie ­
  sind  von  Deutschen  ausgegangen,  die  Mittelpunkte
bürgerlichen  Lebens,  die  ehemaligen  freien  Reichsstädte,  sind
daher  auch  die  Centren  der  deutschen  Kunstindustrie  geworden.
Dazu  kömmt  noch,  dass  heutigen  Tages  die  deutsche  Schule
die  erste  Schule  der  Welt  ist,  die  Volksschule,  die  Mittelschule
und  die  Hochschule.  Und  wenn  es  sich  daher  darum  handelt,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.