zösische Beispiel unbedingte Nachfolge gefunden. Das Lorettenund
Maitressenwesen, die Gourmandise an der Tafel, die frivole
Genusssucht im Theater, dazu kömmt heutigen Tages
auch Titel- und Ordensucht, das Bade- und Börseleben — das
hat diese halbverkommene deutsche Gesellschaft in Paris gründlich
gelernt; aber die guten Seiten des Franzosen hat sie nicht
hinübergenommen, sie hat, ganz ungleich dem französischen
Vorbilde, Wissenschaft und Kunst ebenso fallen gelassen, wie
die Industrie und das Gewerbe.
Die deutsche Gesellschaft, die katholische wie die protestantische
bewahrte aber ihren Kern unberührt von dem Treiben
jener Affen des Franzosenthumes, und bietet bei der Nüchternheit
ihrer Weltanschauung der Kunstindustrie nur eine anders
gefügte und bescheidene Basis für ihre Entwickelung.
Dagegen hat die deutsche Kunstindustrie einen grossen
Rückhalt in der deutschen Kunst; denn die Vertiefung des
Geistes, die Fland in Hand geht mit der Erhebung derselben
zum Ideal, liegt im Wesen des deutschen Volkes. Sie hat die
grossen Denker, die grossen Dichter und Tonkünstler geschaffen,
wie die grossen Künstler van Eyk’s und Martin Schön angefangen
bis auf Schinkel und Cornelius, Overbeck und Christian
Rauch. Der deutschen Kunstindustrie kommt ferner der Fleiss
und die Ausdauer des deutschen Volkes wesentlich zu statten.
Wie das deutsche Volk daher nicht so darauf angewiesen ist,
wie der Franzose, auswärtige Talente in seinen Dienst zu
nehmen, so hat es jene Zähigkeit und jene Festigkeit des
Willens zugleich, welche ihre grossen Erfolge auf kunstindustriellem
Gebiete sichert. Eine Reihe von Erfindungen ohne
welche man auf kunstindustriellem Gebiete keinen Schritt vorwärts
thun könnte, der Kupferstich, der Holzschnitt, Lithographie
sind von Deutschen ausgegangen, die Mittelpunkte
bürgerlichen Lebens, die ehemaligen freien Reichsstädte, sind
daher auch die Centren der deutschen Kunstindustrie geworden.
Dazu kömmt noch, dass heutigen Tages die deutsche Schule
die erste Schule der Welt ist, die Volksschule, die Mittelschule
und die Hochschule. Und wenn es sich daher darum handelt,