Reassumiren wir die soeben angestellten Betrachtungen,
so werden wir finden:
a) dass man über die französische Kunstindustrie in der
Zukunft nicht schlechter zu denken nöthig haben werde, als
in der Vergangenheit. Ihre Fayenciers, Gobelinfabrikanten, Ehe
rnsten, Porzellan- und Seidenmanufacturen liefern deswegen
nicht minder werthvolle Arbeiten, weil die Generale Frankreichs
sich als unfähig, die Staatsmänner als kurzsichtig, die Volks- und
Kriegsschulen als ungenügend erwiesen haben. Die Franzosen
werden etwas geschwächt, vielleicht etwas weniger hoffärtig —
aber in der Kunstindustrie nach wie vor sehr beachtenswerth sein.
b) Die deutsche Kunstindustrie wird, trotzdem dass sie
auch durch den siegreichen Feldzug etwas geschwächt sein
wird, bei weitem bewusster auftreten wie früher, und die Stel
lung einzunehmen bemüht sein, die sie in früheren Zeiten inne
hatte. Sie wird aber alle Anstrengungen machen müssen, um
sich neben der französischen zu behaupten.
Gehen wir nun nach diesen Vorbetrachtungen auf den
Kern unserer Untersuchungen ein, auf die Frage nämlich, welche
Stellung wird die österr. Kunstindustrie der französischen und
insbesonders der deutschen gegenüber bei der veränderten
Weltlage einnehmen, so gestatten Sie mir vorerst eine kurze
politische Betrachtung.
Meine subjective, ganz unmassgebliche Meinung geht dahin,
dass durch ein geeinigtes Deutschland der Bestand Oesterreichs
nicht gefährdet ist, und dass beide Staatencomplexe nicht blos
ungefährdet, sondern gegenseitig sich ergänzend und sichernd
neben einander existiren können. Leute, die bei uns den Kopf
verloren haben — und deren gibt es viel mehr, als jene, welche
ihn aufrecht halten — fürchten, andere geben nur vor sich zu
fürchten, Deutschland werde Oesterreich, wenigstens die
Deutsch-Oesterreicher demnächst aufzehren. Mir scheint einer
seits, dass Deutschland ganz andere Sorgen hat als Oesterreich
mit Krieg zu überziehen, und anderseits, dass es nicht die