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MAK

Full text : Die österreichische Kunst-Industrie und die heutige Weltlage : Vortrag, gehalten im k. k. österreichischen Museum am 27. October 1870

—  tg

Baiern  und  die  Preussen,  und  nicht  die  Sachsen  sind,  welche
in  Oesterreich  die  Deutsch-Oesterreicher  politisch  annulliren,  in
Galizien  polakkisiren  ,  in  Laibach  slovenisiren,  in  Triest  verwälschen
  wollen.
Die  Frage  also,  wie  sich  ein  geeinigteres  Deutschland
unserem  Vaterlande  gegenüber  verhalten  wird,  macht  mir  für
die  Existenz  Oesterreichs  nicht  bange.  Viel  gefährlicher  als  die
äusseren  Feinde  sind  die  Feinde  Oesterreichs  im  Lande  selbst
—  doch  darüber  haben  wir  nicht  zu  sprechen.

Wir  wollen  die  Consequenzen  der  Wendung  der  politischen ­
  Dinge  für  Oesterreich,  soweit  hiedurch  das  Gebiet  der
Kunstindustrie  berührt  wird,  mit  nüchternem  Geiste  betrachten
und  nichts  im  Auge  behalten,  als  dasjenige,  was  das  Interesse
der  Monarchie  verlangt.
Vorerst  müssen  wir  das  festzuhalten  suchen,  was  wir  auf
kunstindustriellem  Gebiete  in  den  letzten  Jahren  bereits  errungen ­
  haben.  Was  wir  errungen,  haben  wir  nicht  errungen  in
der  Rivalität  mit  dem  deutschen  Markte,  sondern  in  der
Rivalität  mit  dem  französischen  Markte.  Im  Inlande,  wie  im
Auslande,  waren  nicht  die  deutschen  Producte  unsere  grössten
Concurrenten,  sondern  die  französischen.  Was  wir  errungen
haben,  concentrirt  sich  in  der  Thatsache,  dass  Wien  ein  Mittelpunkt ­
  für  Kunstindustrie  geworden  ist,  dass  die  Wiener
Waare  einen  specifisch  Wienerischen  Charakter  hat,  und  dass
sie  im  Weltverkehre  durchgedrungen  ist.
Was  wir  errungen  haben,  ist  die  Thatsache,  dass  das
Ausland  auf  diese  Bestrebungen  aufmerksam  geworden  ist,  und
dass  die  Institute,  die  zu  diesem  Zwecke  geschaffen  worden
sind,  die  Aufmerksamkeit  des  Auslandes  auf  sich  gezogen  haben;
wir  weisen  in  dieser  Beziehung  auf  das  eingehende  und  umfassende ­
  Urtheil,  welches  über  unser  Institut  die  Gazette  des
Beaux-Arts  jüngst  abgegeben  hat,  hin.
•  Was  wir  errungen  haben,  ist  das  Bewusstsein  und  die
Ueberzeugung,  dass  unser  Beruf  in  der  Pflege  der  Kunstindustrie ­
  liegt,  wenn  wir  ferner  verstehen,  das  festzuhalten,  was
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