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Full text : Die österreichische Kunst-Industrie und die heutige Weltlage : Vortrag, gehalten im k. k. österreichischen Museum am 27. October 1870

fürchten  zwar,  dass  mit  dem  Hereinziehen  fremder  Arbeiter
Elemente  der  Unruhe  hereingezogen  wurde.  Haben  sie  doch  die
Arbeiterfrage  in  so  geistreicher  Weise  gelöst,  wie  nirgends!  Diese
Herren  mögen  sich  beruhigen.  Der  deutsche  Arbeiter  in  Paris
gehörte  bisher  gerade  zu  den  polizeilich  bevorzugten  Arbeitern,
gerade  ihrer  guten  Haltung  wegen.  Und  Arbeiter,  die  eine  so
gute  und  in  der  jüngsten  Zeit  so  schwere  Schule  durchgemacht
haben,  suchen  Beschäftigung  in  der  Arbeit,  nicht  in  der  Agitation. ­
  Vieles  ist,  wie  gesagt,  in  dieser  Beziehung  schon  versäumt ­
  worden  —  hoffentlich  nicht  alles.
Ferner  müssen  wir  uns  erinnern,  dass  wir  in  vielen  Dingen ­
  noch  hinter  Italien  und  England  stehen,  ja  selbst  hinter
Deutschland.  In  der  österr.  Monarchie  werden  keine  so  guten
Oefen  erzeugt,  wie  in  Dresden,  Magdeburg,  und  keine  so  guten
Fliesse  und  Fayencen  wie  in  Metlach  an  der  Mosel.  In  allen
Zweigen  der  kirchl.  Metallurgie  ist  uns  Aachen  und  Köln  überlegen; ­
  in  allen  Zweigen  der  Illustration  Leipzig,  Berlin,  ja
Stuttgart.  In  Kupferstich,  Lithographie,  Chromolithographie
Kupferdruck  stehen  wir  weit  hinter  Deutschland  zurück,  wir
haben  keine  Anstalt  von  einem  solchen  Weltrufe,  wie  die
chromolith.  Anstalt  von  Storch  und  Kraner  in  Berlin,  und  sind
bisher  nicht  im  Stande  gewesen,  eine  illustrirte  Zeitung,  in  der
Art  der  Leipziger  —  die  doch  weit  hinter  der  englischen  steht
—  zu  halten.  Die  Meissner  Fabrik  ist  jetzt  die  erste  mitteleurop.
Porzellanfabrik,  insbesonders  nach  Auflösung  der  kais.  Porzellanfabrik ­
  überfluthet  sie  Oesterreich;  in  pr.  Schlesien  arbeitet  man
in  Glas  fast  so  gut,  wie  in  Böhmen;  die  Metallurgie  am  Harze,
und  die  Zinkfabrikation  in  Berlin  hat  in  Oesterreich  keinen  Rivalen.
Für  Kunstgewerbe  tauchen  jetzt  in  Deutschland  überall  Specialschulen ­
  auf.  Da  heisst  es  mit  offenem  und  klarem  Blicke  die  Dinge
ansehen,  wie  sie  sind.  Ferner  wird  es  nÖthig  sein,  den  Umstand
fest  ins  Auge  zu  fassen,  dass  die  Kunstindustrie  in  Oesterreich
selbst  starke  Feinde  hat.  Diese  Feinde  sind  eine  gewisse  Sorte
von  Geldaristokratie  und  eine  gewisse  Sorte  von  Adelsaristokratie, ­
  die  es  so  zu  sagen  als  ein  Zeichen  ihres  Reichthums
oder  ihres  Standes  betrachten,  wenn  sie  sich  in  ihren  Salons
            
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