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Full text : Die österreichische Kunst-Industrie und die heutige Weltlage : Vortrag, gehalten im k. k. österreichischen Museum am 27. October 1870

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mit  französischer  Waare  nach  französischen  Zeichnungen  einrichten. ­
  Da  es  gehässig  scheinen  würde,  wenn  ich  die  Salons
an  der  Ringstrasse  bezeichnen  würde,  die  an  unseren  Künstlern
und  Kunstindustriellen  gleichgültig  vorüber  gegangen  sind,
entnationalisirt  ihrer  Gesinnung  nach,  in  künstlerischer  wie  in
nationaler  Beziehung,  französische  Waare  gesucht  haben,  so
.  will  ich  eben  vorziehen,  einige  Salons  zu  nennen,  die  im  Österr.
Sinne  und  im  Interesse  unserer  Kunst  vorgegangen  sind,  die
Salons  des  Erzherzogs  Wilhelm,  des  Baron  Tedesco,  des  Redacteurs
  der  Freien  Presse,  Friedländer,  das  Comite,  Graf  Ed.  Zichy
an  der  Spitze,  das  das  Grand  Hotel  eingerichtet  hat,  Banquier
Lippmann  u.  s.  f.  Dazu  kömmt  eine  grosse  Masse  Käufer,  gleichfalls ­
  den  höheren  Ständen  angehörig,  die  nach  dieser  Seite  hin,  ungebildet, ­
  wie  sie  sind,  dem  französisch  klingenden  Namen  nachlaufen. ­
  Dazu  kömmt  ferner  noch  jeqe  Masse  von  Händlern,  die
das  grosse  Wort  in  den  Mund  nehmen  und  glauben  den  Geschmack
gepachtet  zu  haben,  wenn  sie  mit  allen  möglichen  französischen
bric-  ä-brac  um  Weihnachten  und  Neujahr  handeln,  dabei  die  Protectorsmiene
  der  Kunstgönner  annehmen,  aber  selbst  bei  Werken,
die  sie  hier  machen  lassen,  nur  in  höchst  seltenen  Fällen  die  Ehre
dem  Künstler  gönnen,  der  die  Zeichnung  gemacht  hat,  oder
dem  Tapezierer,  dem  Tischler  oder  dem  Bildhauer,  welche  das
Werk  ausgeführt  haben.  Diese  Kaufleute,  wie  sie  sind,  die
weder  zeichnen  noch  arbeiten  können,  haben,  trotz  ihrer  französischen ­
  Studien,  den  Ehrgeiz  der  französischen  Marchants  nicht
herübergenommen,  der  dem  Künstler  die  Ehre  gibt,  die  ihm
gebührt.  Allerdings,  viele  von  diesen  sind  durch  das  Schicksal
jetzt  grausam  gestraft  worden,  und  die  bösen  Preussen  haben
ihnen  das  Spiel  für  diesen  Winter  bitter  verdorben.  Jetzt
allerdings  suchen  sie,  wie  nach  Stecknadeln,  nach  Künstlern
und  Zeichnern,  viel  zu  spät  für  das  Geschäft,  hoffentlich  nicht
zu  spät  für  die  nächste  Zukunft;  denn  die  Besseren  unter
ihnen  werden  sich  die  Lehre  zu  Herzen  nehmen,  dass  es  vor
Allem  Noth  thut,  sich  auf  heimischem  Boden  gut  umzusehen,
und  dass  es  viel  besser  ist,  mit  eigener  Kraft  als  mit  fremden
Kräften  zu  arbeiten.
            
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