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Full text : Die österreichische Kunst-Industrie und die heutige Weltlage : Vortrag, gehalten im k. k. österreichischen Museum am 27. October 1870

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Was  die  französische  Kunstindustrie  so  bedeutend  gehoben ­
  hat,  und  wodurch  sie  für  alle  Zeiten  als  nachahmenswerthes
  Beispiel  dastehen  wird,  ist  der  Umstand,  dass  sie  sich
immer  auf  eigene  Füsse  gestellt  hat,  das  Ausland  benützt,  aber
nicht  sich  vom  Ausland  abhängig  gemacht  hat,  wie  wir  es
häufig  gethan  haben.  Denn  das  Benützen  des  Auslandes  ist
sehr  berechtigt,  und  die  Fortschritte  der  heutigen  Civilisation
beruhen  eben  auf  dem  Austausch  der  Ideen  zwischen  den  verschiedensten ­
  Völkern,  nicht  auf  dem  Abschliessen  gegen  die
Bewegungen  und  Fortschritte  des  Auslandes.  Als  die  Fianzosen
  unter  Franz  I.  das  Bedürfniss  fühlten,  den  Samen  der
italienischen  Renaissance  in  französischen  Boden  zu  senken,  wie
schnell  waren  sie  dabei,  Leonardo  da  Vinci,  Primaticcio,  B.  Cellini,
Rosso-Rossi,  Salviati  u.  s.  f.  nach  Frankreich  zu  berufen;  wie
geschickt  haben  sie  in  unseren  Tagen  deutsche  Chemiker  und
Philologen,  Lithographen  und  Buchbinder,  Maler  und  Zeichner
der  französischen  Kunstindustrie  dienstbar  gemacht.  Sie  haben
sie  Alle  auf  französischen  Boden  gezogen;  —  der  Vorgang  aber,
im  Auslande  zu  bestellen,  ohne  die  Künstler  und  Kunstindustriellen ­
  des  Auslandes  zu  nÖthigen,  herein  zu  kommen,  das  ist
nur  in  Oesterreich  geschehen.  Wir  müssen  thun,  was  die
F'ranzosen  gethan  haben,  die  von  der  Zerrüttung  der  Werkstätten ­
  in  den  deutschen  Städten  im  dreissigjährigen  Kriege
den  grössten  Vortheil  gezogen  haben,  und  die  sich  vorerst  in
der  Heimath  den  eigenen  Markt  gesichert  haben.
Die  Sicherheit  des  eigenen  Marktes,  das  ist  ein
Punkt,  auf  den  es  in  Oesterreich  vorzugsweise  ankömmt;  denn
gehen  die  Dinge  weiter  so,  wie  sie  jetzt  gehen,  so  ist  der
Oesterreicher  am  Markt  in  Oesterreich  nicht  mehr  heimisch.
Oesterreich  ist  von  vier  grossen  centralisirten  Staaten  umgeben, ­
  Deutschland,  Russland,  Frankreich  und  Italien.  Diese
vier  Ländergebiete,  politisch  und  militärisch  centralisirt,  bieten
ihrer  Industrie  einen  gesicherten  Markt  im  Innern.  In  Oesterreich ­
  ist  es  ganz  anders.  Ungarn  centralisirt  und  sucht  die
Ideen  der  Zeit  des  Mathias  Corvinus  zu  verwirklichen  und  sich
eine  Art  von  Selbstständigkeit  zu  sichern,  auch  auf  ökono-
            
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