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Full text : Die österreichische Kunst-Industrie und die heutige Weltlage : Vortrag, gehalten im k. k. österreichischen Museum am 27. October 1870

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mischem  Gebiete,  im  Handel  und  in  der  Industrie.  Das  übrige
Oesterreich  droht  sich  auch  nationalöconomisch  zu  zersetzen.
Der  deutsche  Arbeiter  und  Kaufmann  in  Galizien  geht  der
Polonisirung  entgegen,  die  Kunstindustrie  von  Triest  gravitirt
nach  Italien,  eine  hraction  in  Böhmen  strebt  nach  nationaler
und  öconomischer  Isolirung.  Das  bürgerliche  Recht  ist  zwar
vorderhand  noch  Eines;  die  grossartigste  Schöpfung  des  Kaisers
Franz,  das  bürgerliche  Gesetzbuch,  existirt  noch  zu  Recht;  aber
das  Bürgerthum,  vor  zwanzig  Jahren  noch  politisch  einig  und
vor  Allem  Österreichisch,  zerbröckelt  sich  politisch  und  industriell
in  Nationen  und  NatiÖnchen.  Welcher  Abstand  zwischen  der
Zeit,  in  welcher  zum  Schutze  des  Bürgerthums  das  bürgerliche
Gesetzbuch  und  das  Strafrecht  erstand,  und  der  unseren!  Fast
hat  sich  die  österreichische  Staatsidee  in  ihr  Gegentheil  gekehrt. ­
  Dazu  kömmt,  dass  die  handelspolitische  Verbindung
mit  Deutschland  auf  nicht  so  festen  Grundlagen  ruht,  wie  wir
im  Interesse  der  Industrie  wünschen.  Ueberlegen  wir  unsere
Situation.  Die  ganze  Kunstindustrie  Oesterreichs  ruht  in  den
Händen  der  Deutschösterreicher,  mit  Ausnahme  jenes  geringen
Bruchtheiles  italienischer  Arbeitskraft  in  Triest  und  Südtirol,
die  ihrer  Richtung  nach  italienisch  ist.  Die  Preisträger  der
österreichischen  Kunstindustrie  auf  der  Londoner,  Pariser,
Münchener  Weltausstellung  gehören  fast  alle  dem  Stamme  der
Deutsch-Oesterreicher  an.
Tirol  und  Vorarlberg  grenzen  handelspolitisch  in  erster
Linie  an  Deutschland;  Salzburg  und  Oberösterreich  gänzlich.
Die  Schienen-  und  Handelsverbindungen  zwischen  Böhmen  und
Oesterreichisch-Schlesien  einerseits  und  Deutschland  andererseits
steigern  sich  von  Jahr  zu  Jahr.  Die  Hauptflüsse  Oesterreichs
kommen  entweder  von  Deutschland,  wie  die  Donau,  oder  gehen
nach  Deutschland,  wie  die  Elbe,  Oder,  Weichsel,  der  Inn.
Oesterreich  ist  nicht  eine  Ostmark  der  Slaven,  sondern  der
Deutschen;  nicht  Attila  oder  Rurik,  nicht  Stephan  der  Heilige
oder  Ottokar  von  Böhmen  haben  diese  Ostmark  gegründet,  —
sondern  die  deutschen  Carolinger;  das  Licht  des  Christenthums
ist  von  Deutschland  aus  nach  unserem  Lande  getragen  worden;
            
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