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Full text : Die österreichische Kunst-Industrie und die heutige Weltlage : Vortrag, gehalten im k. k. österreichischen Museum am 27. October 1870

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aber  wir  halten  es  trotzdem  für  einen  wahren  Segen,  dass  sich
Handelskammern  und  Gewerbevereine,  Landesausschüsse,  Gemeindevertretungen ­
  und  Genossenschaften  mit  der  Frage  des
gewerblichen  Unterrichtes  beschäftigen,  und  dass  hie  und  da
die  Industriellen  und  Handwerker  sich  selbst  zu  helfen  begonnen ­
  haben.  Die  Gleichgültigkeit,  mit  der  man  früher,  vor
Allem  in  den  betheiligten  Kreisen,  sich  der  Schule  gegenüber
benahm,  weicht  endlich  der  Ueberzeugung,  dass  es  viel  besser
ist,  mit  fachmässig  gebildeten  Gesellen  und  Handwerkern  zu
thun  zu  haben,  die  auch  correct  schreiben  und  rechnen,
nöthigenfalls  auch  die  Bleifeder  handhaben  können  —  als  mit
Leuten,  die  in  Unwissenheit  und  Indolenz  herangewachsen
sind.  An  dieser  Errungenschaft  lassen  Sie  uns  festhalten:  der
Fortschritt  in  der  Schule  wird  den  Fortschritt  in  dem  Handwerke ­
  und  der  Industrie  zweifelsohne  zur  Folge  haben.  Aber
auch  in  einer  anderen  Frage,  —  der  der  Weltausstellung
lassen  wir  uns  nicht  irre  machen,  so  sehr  auch  die  äusseren
Verhältnisse  und  die  inneren  Wirren  geeignet  wären,  uns  einzuschüchtern. ­

Dass  wir  trotz  der  bewegten  Zeiten  dasjenige  nicht  aufgeben ­
  können,  was  die  österreichische  Kunstindustrie  als  solche
gewonnen,  dass  wir  den  Fortschritten  der  Schule  nicht  Halt
gebieten  dürfen,  darüber  ist  alles  einer  Meinung.  Aber  die
projectirte  Wiener  Weltausstellung,  so  lassen  sich  viele  Stimmen ­
  vernehmen,  ist  mehr  als  zweifelhaft  geworden.
Treten  wir  statt  in  eine  Aera  des  Friedens  in  eine  kriegerische ­
  Periode  hinein,  so  ist  es  allerdings  wohl  möglich,  dass  diese
Weltausstellung  nicht  leicht  wird  durchgeführt  werden  können.
Sollte  es  hingegen  gelingen,  Europa  in  der  nächsten  Zeit  vor
kriegerischen  Bewegungen  zu  bewahren,  so  ist  es  möglich  die
Weltausstellung  durchzuführen,  wenn  nicht  im  Jahre  1873
so  im  Jahre  1874  oder  1875.  Aber  durchgeführt  soll  sie  werden, ­
  und  wir  dürfen  den  Gedanken  gar  nicht  aufkommen  lassen,
dass  sie  durch  die  diesjährigen  Ereignisse  unmöglich  geworden
ist.  Es  hängen  von  einer  solchen  Weltausstellung  viel  zu  viel
ernste  Interessen,  nicht  blos  auf  dem  Gebiete  der  Kunstindu-
            
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