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Full text : Die österreichische Kunst-Industrie und die heutige Weltlage : Vortrag, gehalten im k. k. österreichischen Museum am 27. October 1870

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strie,  ab,  als  dass  wir  davon  abgehen  sollten,  diesen  Gedanken
wirklich  durchzuführen.
Allerdings  ist  es  wahr,  das  Ausstellungswesen  ist  im  gewissen ­
  Sinne  degenerirt.  Es  verbindet  sich  damit  allerhand  Schwin-,
  del  und  Charlatanerie.  Ehrgeizige  und  eitle  Männer  aller  Stände
schiessen  wie  Pilze  aus  der  Erde,  wenn  von  einer  Weltausstellung ­
  die  Rede  ist.  Der  Eine  wünscht  einen  Titel,  der  zweite
einen  Orden,  der  dritte  braucht  zu  anderen  Zwecken  die  Reclame
  einer  Weltausstellung  —  mit  einem  Worte,  durch
eine  Weltausstellung  kommen  so  viele  widrige  Erscheinungen
in  den  Vordergrund,  dass  es  viele  ernsthafte  Männer  gibt,  die
sich  desshalb  nicht  mehr  mit  ihr  beschäftigen  wollen,  und  dass
es  wieder  Andere  gibt,  die  eben  aus  diesen  Erscheinungen  sich  die
Ansicht  gebildet  haben,  eine  solche  Ausstellung  sei  ein  Schwindel,
und  meinen,  man  solle  die  erste  beste  günstige  Gelegenheit  ergreifen, ­
  und  die  ganze  Geschichte  über  Bord  werfen.  Man  darf  aber
bei  dieser  Gelegenheit  nicht  vergessen,  dass  in  der  That  sehr  ernste
Lebensinteressen  mit  einer  solchen  Ausstellung  in  Verbindung
stehen,  die  man  unbesonnenerweise  nicht  so  schnell  aus  den  Händen ­
  geben  soll.  Es  wird  später  wohl  die  Zeit  kommen,  die  Ausstellungsfrage ­
  im  österr.  Museum  eingehend  zu  erörtern;  nur  auf
einige  wenige  Punkte  wollen  wir  gleich  heute  aufmerksam  machen.
Die  Idee  einer  Weltausstellung  ist  durch  den  Prinzen
Albert  in  das  Leben  gerufen  worden,  einen  Mann,  der  um  die
praktische  Durchführung  der  Probleme  der  modernen  Civilisation
  im  allgemeinen  und  in  England  speciell  sich  verdient  gemacht ­
  hat,  wie  kaum  ein  Anderer  in  diesem  Jahrhundert.  Was  der
Weltverkehr  bedeutet,  was  dazu  gehört  in  denselben  mit  sicherer ­
  Hand  einzugreifen,  ist  erst  durch  die  Weltausstellungen  der
grossen  gebildeten  Welt  klar  geworden.  Sie  erziehen  den  Menschen ­
  zum  Weltbürger,  und  lassen  ihn  den  Werth  jener  Arbeit ­
  erkennen,  welche  die  Menschen  befähigt,  der  Gesammtheit
  der  Menschen  nützlich  zu  sein.
Aufgezogen  in  engen  Gesichtskreisen,  befangen  durch  die
Gewohnheiten  eines  kleinen  gewerblichen  und  industriellen  Lebens,
wächst  der  Binnenländer  —  und  ein  solcher  ist  der  Oesterreicher
            
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