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Full text : Die österreichische Kunst-Industrie und die heutige Weltlage : Vortrag, gehalten im k. k. österreichischen Museum am 27. October 1870

Welt,  dem  mittelländischen  Meere,  gelegen  sind,  und  fügen  wir
hinzu,  dass  gewiss  Nordamerika,  und  die  meisten  europäischen
Staaten  Interesse  haben  auf  der  Wiener  Ausstellung  zu  erscheinen, ­
  so  wird  man  in  Wien  doch  ein  Schauspiel  ganz  wunderbarer ­
  Art  haben,  das  nicht  nur  unterhaltend,  sondern  in
hohem  Grade  belehrend  sein  wird.
Abgesehen  davon,  dass  wir  die  Leistungsfähigkeit  aller
jener  Länder  kennen  lernen  werden,  mit  denen  wir  in  Verbindung ­
  stehen,  so  werden  wir  erstens  Gelegenheit  haben,  uns
nach  allen  Seiten  hin  viel  vollständiger  und  umfassender  zu
zeigen,  als  es  bisher  auf  den  ausländischen  Ausstellungen  der
Fall  war.  Nicht  bloss,  dass  uns  dort  der  Raum  nicht  gegeben
werden  konnte,  um  ein  vollständiges  Bild  unserer  agricolen,
industriellen  und  künstlerischen  Leistungsfähigheit  zu  geben,
gibt  es  viele  Künstler,  Techniker,  Gewerbsleute,  die  nicht  im
Stand  waren  an  einer  solchen  Weltausstellung  direct  oder  indirect
  zu  participiren.  Zweitens,  wird  eine  solche  Weltausstellung ­
  nicht  nur  unsere  Industriellen,  sondern  auch  unsere  Staatsmänner ­
  und  Staatspädagogen  auf  die  grossen  Lücken  aufmerksam ­
  machen,  die  den  reellen  Fortschritt  in  volkswirtschaftlicher
Beziehung  hemmen,  und  endlich  drittens,  wird  auch  auf  die
Bedeutung  der  Kunst  auf  die  Kunstindustrie  im  Völkerleben
aufmerksam  gemacht  werden.  Nur  wenige  Menschen  in  Oesterreich ­
  hatten  bisher  eine  ganz  deutliche  Vorstellung  von  der
Bedeutung  der  Kunst  im  volkswirtschaftlichen  Leben  der
Völker.  Erst  mit  der  Gründung  des  österreichischen  Museums
und  der  damit  in  Verbindung  stehenden  Kunstgewerbeschule
wurde  diese  Frage  klar  und  offen  discutirt,  und  ging  in  Folge
dessen  in  das  Bewustsein  der  Massen  und  der  Gebildeten  über.
Aus  Büchern  lernt  man  das  nicht,  aus  Büchern  wird  man  auf
die  ideale  Seite  der  Kunst  hingewiesen;  die  Bedeutung  der
Kunst  im  modernen  Völkerleben  lernt  man  einzig  und  auf  Weltausstellungen ­
  allein.  Da  es  mir  nicht  gestattet  sein  kann,  hier
meinen  Weg  auf  dem  Felde  der  Kunstwissenschaft  von  dem
Jahre  1847,  wo  ich  zum  ersten  Male  als  Docent  an  der  Wiener
Hochschule  auftrat,  und  über  dasselbe  Thema  sprach,  das  ich
            
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