40
J. Steiger-Meyer in Herisau.
Die Appretur-Arbeiter erhalten per Tag von 7 Uhr Morgens bis
8 Uhr Abends Fr. 1 bis Fr. 3 Lohn. Der Durchschnitt ist Fr. 2 mit
15—20 Centimes Stundengeld. Die Mädchen, welche in den Geschäftshäusern
arbeiten, erhalten Fr. 1. 50 bis Fr. 2 per Tag bei 11 effectiven
Arbeitsstunden.
Die Handweber beschäftigen sich meistens mit etwas Landwirthschaft
und verdienen Fr. 1. 25 bis Fr. 3 per Tag je nach Fleiss und
Artikel.
Die Weber in den Fabriken verdienen Fr. 1. 50 bis Fr. 3. 50
per Tag.
St. Quentin besitzt eine Arbeiterschule, durch welche die Einführung
neuer Artikel gepflegt wird.
Die Ausstellung war nur von einigen Firmen beschickt; die Fabrikate
von Ledonx-Bedn wurden von der Jury als das Schönste beurtheilt,
was die Ausstellung an Baumwollgeweben enthielt.
Die Baumwollweberei Deutschlands hat durch die Annexion des
Elsasses einen schweren Schlag erlitten; es existiren keine neueren statistischen
Angaben über die Zahl der mechanischen Webstühle; man
zählte 1861 circa 24,000 für baumwollene und halbbaumwollene Gewebe
nebst circa 164,000 Handstühlen. Rechnen wir, die Ersteren haben sich
verdoppelt, so gibt dies 50,000 Kraftstühle für Deutschland ohne das
Eisass.
Die Fabrikanten des Zollvereins lieferten genügend Waare um den
einheimischen Bedarf zu decken. Es ist klar, dass der Zuschub von
30,000 mechanischen Stühlen durch das Eisass auf die ganze deutsche
Industrie einen schweren Druck ausüben musste; die deutsche Regierung
suchte denselben allerdings dadurch zu schwächen, dass sie von Frankreich
für die elsässische Waare noch während einiger Zeit Zollerleichterungen
erlangte, allein es war in der kurzen Frist unmöglich den
Stoss durch Pflege neuer Absatzgebiete zu pariren.
Man rechnet, die französische Bevölkerung consumire fast doppelt
so viel Baumwollwaaren als Deutschland. Es wurde gehofft, Frankreich
werde trotz dem Zoll gezwungen sein, noch längere Zeit die elsässischen
Gewebe zu kaufen. Diess ist aber nur in sehr beschränktem Maasse der
Fall; einerseits ist seit dem Kriege in Frankreich die Gonsumation aller
Artikel beschränkter geworden, anderseits hat sich die französische Fabrikation
auf die vom Eisass gelieferten Spezialitäten geworfen, so dass
der Import des Eisass nach Frankreich kaum noch den vierten Theil
des früheren Verkehres beträgt. Manche Fabrikanten des Eisass sind
bereits gezwungen worden mit den schweren soliden Geweben, welche
in Frankreich stets einen guten Absatz fanden, aufzuhören und sich
entweder für den deutschen Markt, der eine viel billigere Waare verlangt,
oder für den Bedarf der Druckereien einzurichten.