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Full text: Schweiz : Bericht über Gruppe V Textil-Industrie, Section IV und Sectionen I, II, III, V, VI nebst Gruppe XXI Hausindustrie

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J. Steiger-Meyer iu Herisau. 
Die Lohnverhältnisse haben sich seit 1850 um ca. 50 °/o verbes 
sert. Die Handweber verdienen in 12 effectiven Arbeitsstunden Fr. 0 
bis Fr. 15 per Woche. Die Fabrikweber Fr. 10 bis Fr. 20 per Woche, 
je nach Geschick und Artikel. Spuhler verdienen bei Handarbeit Fr. 3 
bis Fr. 3. 50 Gts. per Woche, dagegen bei Fabrikarbeit Fr. 4 bis Fr. 11 
per Woche. Der grosse Unterschied in der Löhnung der Fabrikarbeit 
mag auffallen; es ist aber überhaupt eigenthürnlich, dass bei aller Ma 
schinenarbeit die Gewandtheit und die Intelligenz einen grösseren Unter- 
terschied in der Production hervorbringen als in der Handarbeit; von 
zwei Webern oder zwei Spuhlern, welche mit dem gleichen Artikel, glei 
chem Garn, gleichen Maschinen neben einander arbeiten, kann der Eine 
doppelt so viel verdienen, als der Andere. 
Brunner & Go. in Niederlenz beschickten die Ausstellung mit 
baumwollenen Hosenstoffen, deren Qualität von der Jury günstig beur- 
theilt wurde; dieselbe war aber gerade in diesem Zweige mit den Aus 
zeichnungen etwas karg und verlieh das Anerkennungsdiplom; der Chef 
dieser Firma ist in der Schweiz durch seine vortrefflichen Schriften über 
Arbeiterverhältnisse bekannt. 
Als einen neuen Artikel begrüssten wir baumwollene Bettdecken, 
welche von 4 Firmen ausgestellt wurden; diese Industrie, auf welche 
früher wiederholt aufmerksam gemacht wurde, hat es schon zu aner- 
kennenswerthen Leistungen gebracht. Da auch dieser Artikel durch 
Deutschland und Oesterreich stark vertreten wurde, so war die Jury mit 
Auszeichnungen ebenfalls nicht freigebig; Guyer-Brumier in Uster ei- 
hielt eine Verdienstmedaille, A. Brunner und M. B. Oetiker, beide in 
Männedorf, erhielten das Anerkennungsdiplom. 
Unsere mechanische Weberei für rohe Baumwollzeuge erhielt 
erst mit den Fünfziger Jahren eine grössere Entwicklung. Der grosse 
Bedarf der Druckereien und Färbereien machte den Absatz sehr leicht; 
die eigene Production konnte bis Anfang der Sechziger Jahre nicht ge 
nügen, und es wurden desshalb immer noch grosse Parthien Tücher aus 
England bezogen. Seit der Ausstellung 186/ hat der Import von Eng 
land für Druckerei und Färberei fast ganz aufgehört, doch kamen im 
mer noch grössere Quantitäten feine Gambrics für die Stickerei, Hem 
denzeuge und der ganze Bedarf von schweren faQonnirten Geweben vom 
Ausland. 
Seit dem französischen Kriege, der den regelmässigen Absatz nach 
dem Eisass störte, haben die besseren Fabrikanten ihr Augenmerk den 
feineren dichten und undichten Geweben zugewendet; noch vor 3 Jah 
ren bezog St. Gallen für ca. 1 l /i bis 2 Millionen Franken feine Gambrics 
in Garn 60/80 und 66 bis 70 Fäden per Viertelzoll aus England, weil 
die Schweiz den Artikel nicht schön genug zu erstellen vermochte und 
überhaupt nicht dafür eingerichtet war. Heute ist unsere Weberei so 
wohl in Preis als Qualität vollkommen concufrenz fähig.
	        
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