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Full text: Schweiz : Bericht über Gruppe V Textil-Industrie, Section IV und Sectionen I, II, III, V, VI nebst Gruppe XXI Hausindustrie

Stickerei. 
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Die s. Z. nach Manchester gegangenen Maschinen blieben während 
30 Jahren vollkommen stationnair; sie wurden nie zur Weissstickerei, 
sondern für die Bestickung von wollenen Möbelstoffen verwendet 
Es befindet sich eine Anzahl Schweizermaschinen in Glasgow und 
Belfast; dieselben fristen aber eine kümmerliche Existenz und produzi- 
ren blos das allergeringste Zeug, was sich überhaupt mit der Maschine 
machen lässt, 
Vor ca. 10 Jahren erfand Hr, (Jröbli von Niederutzwyl eine neue 
mechanische Stickmaschine, deren Hauptvortheile darin bestehen, dass 
sie durch mechanische Kraft und mit endlosem Faden arbeitet. Die 
durch die liiech. Stickerei in Wölflingen ausgestellten Fabrikate zeigten, 
dass sich die Maschine namentlich für die Möbelstoffstickerei ausgezeich 
net eignet und erwarben den Ausstellern die Fortschrittsmedaille. 
Handstickerei. 
Die ursprüngliche Handfeinstickerei, welche noch bis vor 15 Jah 
ren Hunderttausende von Personen in England, Frankreich, Sachsen und 
der Schweiz beschäftigte, ist durch die Maschinenstickerei blos zu einem 
Schatten von dem reduzirt worden, was sie früher war. 
In Schottland und Irland, wo sie noch bis 1857 wenigstens 100,000 
Personen beschäftigte, ist sie fast ganz verschwunden und haben sich 
die früheren Stickerinnen anderen Industriezweigen zugewendet. 
In Frankreich hat sich der Artikel noch ziemlich gut erhalten; 
es soll dort s. Z. ca. 200,000 Stickerinnen gegeben haben; dieselben müs 
sen aber durch die Maschinenstickerei sehr reduzirt worden sein. 
In Sachsen wurden in den letzten Jahren noch ziemlich viele 
Stickerinnen für Feinstickerei beschäftigt; die Fabrikation von gestickten 
Hemdeneinsätzen und von sogenannten Guipurestickereien war dort sehr 
schwunghaft; seit einem Jahre geht es aber viel flauer. 
Die Handfeinstickerei der Schweiz-Hst bei Weitem nicht mehr von 
der früheren Bedeutung, aber immerhin noch ein sehr beachtenswerther 
Industriezweig; man verwendet die Handstickerinnen theils zum Ausbes 
sern der fehlerhaften Maschinenstickereien, theils zur Fabrikation von 
feinen Battistmouchoirs und Roben; sie haben besseren Verdienst als früher. 
Es ist eine eigenthümliche Thatsache, dass die Verdrängung der 
Handarbeit durch die Maschine nicht zum Nachtheil, sondern zum Vor 
theil des Arbeiters dient; seine Beschäftigung wird angenehmer, leichter 
und besser bezahlt. Auch diejenigen Arbeiten, welche die Maschine 
nicht erreichen kann und die der Hand noch bleiben, werden höher be 
zahlt. Diese Erfahrung macht man in fast allen industriellen Gebieten. 
Eine Handstickerin macht per Tag ca. 10,000 Stiche; die einzelne 
Nadel einer Stickmaschine ca. 2000 Stiche, also eine Maschine von 208 
Nadeln ca. 400,000 Stiche. Eine einzelne Maschine leistet also so viel 
wie 40 Handstickerinnen, oder 6000 Maschinen soviel wie 240,000 Sticke 
rinnen, welche das ganze Jahr unausgesetzt arbeiten.
	        
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