Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Schweiz : Bericht über Gruppe V Textil-Industrie, Section IV und Sectionen I, II, III, V, VI nebst Gruppe XXI Hausindustrie

Stickerei.

81

alle  damit  verbundenen  Hülfsarbeilen  schon  vorhanden  sind,  allein  nur
selten  hat  ein  solcher  Bezirk  Einsicht  genug,  die  Neuerung  sofort  zu
ergreifen;  er  kommt  meistens  erst  dazu,  wenn  ihn  eine  neu  erwachsende
Concurrenz  dazu  zwingt,  d.  h.  wenn  es  zu  spät  ist.
Wir  haben  oben  der  Kettenstichmaschine  von  Cornelly  in  Paris
erwähnt.  Nachdem  derselbe  in  St.  Gallen  nicht  die  verdiente  Aufmerksamkeit ­
  gefunden,  wandte  er  sich  nach  Frankreich  und  besonders  England. ­
  Von  3600  Maschinen,  die  er  lieferte,  gingen  1800  nach  England,
1000  nach  Frankreich,  400  nach  Sachsen  und  blos  400  nach  der  Schweiz!
Diese  Maschine  ersetzt  die  Arbeit  von  ungefähr  4  Handstickerinnen;  sie
eignet  sich  besonders  zur  Fabrikation  von  Artikeln,  welche  sauber  bleiben ­
  sollen.
J.  J.  Rieter  &  Co.  in  Winterthur  haben  schon  seit  Jahren  an  dem
Problem  der  vielnadligen  Kettenstich-Stickmaschine  gearbeitet;  sie  stellten
als  Resultat  ihrer  Bemühungen  einen  sehr  gut  gearbeiteten  Store  aus,
welcher  mit  der  Fortschrittsmedaille  bedacht  wurde.
Wir  hoffen  die  Grobsfickerei  werde  der  Schweiz  trotz  diesen  Fortschritten ­
  der  Mechanik  nicht  entrissen  werden.
Wir  können  allerdings  nicht  verhindern,  dass  dieselbe  auch  in
andern  Ländern,  namentlich  wo  sie  von  hohen  Zöllen  begünstigt  wird,
eingeführt  weide,  allein  sobald  wir  uns  der  Situation  klar  bewusst  sind,
so  werden  wir  vermöge  unserer  Vortheile  mit  den  Hülfsarbeiten  doch
den  grössten  Theil  unsers  heutigen  Terrains  behaupten  können.
Tüll-  und  Spitzenfabrikation.
Ausser  der  Stickerei  hatte  von  den  in  Section  5  vertretenen  Industriezweigen ­
  namentlich  die  Tüll-  und  Spitzenfabrikation  grosses  Interesse ­
  für  uns.
Dieselbe  ist  unserm  Lande  fremd;  soviel  wir  wissen  wird  blos  in
der  Nähe  von  Stein  a/Rhein  und  im  Ct.  Neuenburg  in  groben  Handspitzen ­
  etwas  gemacht,  aber  ohne  alle  industrielle  Bedeutung.
Der  Hauptsitz  der  mechanischen  Tull-Spitzenfabrikation  ist  Nottingham, ­
  Calais,  Dünkirchen,  St.  Quentin,  Lyon,  Brüssel  und  Wien.
Dieser  bedeutende  Zweig  ist  auffallender  Weise  in  Deutschland  nicht
vertreten;  wir  kennen  dort  nirgends  eine  mechanische  Tullfabrik.
Derselbe  theilt  sich  in  glatte  und  faeonnirte  Tülle.  Für  glatten
Tüll  ist  Nottingham  unbedingt  der  Hauptplatz;  er  wird  nach  allen  Gegenden ­
  exportirt  und  die  Schweiz  ist  einer  der  stärksten  Abnehmer.  Man
schätzt  den  Import  von  glattem  Tüll  in  die  Schweiz  auf  ca.  2  Millionen
Franken;  wir  glauben  aber  1  Vs  Millionen  sei  der  Wahrheit  näher.
Man  spricht  schon  sehr  lange  davon,  die  Fabrikation  von  glattem
Tnll  in  der  Schweiz  einzuführen;  bis  jetzt  hat  aber  Niemand  gewagt,
Hand  anzulegen.  Ein  solches  Unternehmen  würde  jedenfalls  ein  sehr
grosses  Capital  und  im  Anfänge  grosse  Opfer  erfordern,  allein  schliesslich ­
  dürfte  eine  mässige  Rendite  sicher  sein.

e
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.